Nationalelf : Löw setzt weiter auf Gomez

Obwohl Mario Gomez in München aussortiert wurde, steht er in der Nationalelf weiter hoch im Kurs. Heute gegen Paraguay darf er wieder ran - auch aus Mangel an Alternativen auf der Stürmerposition.

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Mario Gomez.
Mario Gomez.Foto: dpa

Neulich hat Miroslav Klose eine SMS geschickt. „Ist schon speziell, oder?“ – „Ja“, antwortete Mario Gomez, „ist schon speziell.“

Der Fußballspieler Mario Gomez ist am Montag aus Lissabon eingeflogen, um Miroslav Klose zu treffen und all die anderen von der Nationalmannschaft, mit der er am Mittwoch in Kaiserslautern (20.45 Uhr/ZDF live) gegen Paraguay schon mal für die WM 2014 testen wird. Gomez und Klose konkurrieren um die Planstelle des einzigen Stürmers, gegen Paraguay soll jeder eine Halbzeit spielen, und als gute Kollegen tauschen sie sich öfter aus. Zum Beispiel über Trainingslager, Mario Gomez hat gerade das längste Trainingslager seiner Profikarriere erlebt. Mit 28 Jahren will er beim AC Florenz noch mal etwas Neues erleben. Aber dass es etwas so Neues werden würde, hat er dann doch nicht erwartet, auch wenn der Kollege Klose oft davon erzählt hat von dem sehr speziellen Vorbereitungsprogramm, wie er es bei Lazio Rom erlebt. „In Deutschland gehst du eine Woche ins Trainingslager oder vielleicht zehn Tage, aber nie im Leben dreieinhalb Wochen“, erzählt Gomez und dass es körperlich ja noch zu ertragen sei, „aber geistig strapaziert es enorm, wenn du jeden Tag dieselben Leute siehst. Aber jetzt habe ich es ja geschafft.“

Wahrscheinlich hat kein Fußballspieler westlich von Nordkorea in diesem Sommer so viel Zeit in Trainingslagern verbracht wie Mario Gomez. Zu den dreieinhalb Wochen mit der Fiorentina addierten sich für Gomez noch fünf Tage mit dem FC Bayern in Südtirol, bevor er dann endlich fort durfte. Weg von der Perspektive, die kommenden drei Jahre auf der Bank oder Tribüne abzusitzen. „Danach hätte ich vielleicht drei Meisterschaften mehr und eine Champions League“, aber in diesen Kategorien denkt Mario Gomez nicht. Sagt Mario Gomez jedenfalls: „Ich bin keiner, der sich über Titel definiert“, und mit dem Gewinn der Champions League habe er sich ohnehin einen Traum erfüllt.

Da lässt es sich leichter verkraften, dass er mit Florenz in der Europa League gegen Grasshopper Zürich spielt und nicht mit den Bayern in der Champions League gegen Real oder Barcelona oder wen das Losglück sonst so nach München weht. Das Thema Bayern sei erledigt, und zwar keinesfalls im Unfrieden. Gomez erzählt von seinen Gesprächen mit dem neuen Münchner Trainer Josep Guardiola: „Ein großartiger Mensch und Trainer. Es war sehr interessant zu erleben, wie er Fußball vermittelt.“ Aber jeder Trainer habe nun mal seine eigene Philosophie, und die von Guardiola ist auf kleine, wendige Stürmer zugeschnitten. Auf Spieler wie den aus Dortmund akquirierten Mario Götze und nicht auf einen wuchtigen Hünen wie Mario Gomez. Egal, „ich habe die Tage mit Guardiola genossen“, sagt Gomez. „Und die Chance genutzt, mich für meinen neuen Klub fit zu machen.“

Das dürfte ganz im Sinne des Bundestrainers gewesen sein. Bei Joachim Löw ist Gomez noch gesetzt, aber so etwas kann sich ändern, denn ein Stammplatz auf der Ersatzbank ist kein so gutes Argument für einen Stammplatz bei der kommenden WM in Brasilien. Ja, es habe da vor dem Wechsel auch ein Gespräch mit dem Bundestrainer gegeben, sagt Gomez, und Löw bestätigt, „dass ich Mario zu dem Wechsel zwar nicht aufgefordert habe, aber ich habe ihn in seiner Entscheidung bestärkt“. Löw hofft auf einen Wertzuwachs über den kulturellen Horizont hinaus. Dass da einer zum Ende seiner Karriere noch mal eine neue Sprache und andere Lebensweise kennen lernen will – schön und gut, aber ihn interessiere mehr die Spielpraxis, die Gomez in Florenz erhalten werde, „in einer sehr offensivfreudigen Mannschaft. Für Mario ist nicht so entscheidend, wo er spielt, sondern dass er spielt. Wenn er seinen Rhythmus findet, ist er eine Tormaschine.“

In Florenz haben sie für Gomez eine Party gegeben, wie sie Neapel vor bald 30 Jahren für Diego Maradona ausgerichtet hatte. Mit 25 000 Fans im Stadion und deutschen Fahnen und einem glücklichen Stürmer, der sich mit dem Fachvokabular „Ciao Firenze!“ und „Mamma mia!“ einführte. Gomez ist als Sohn einer Deutschen und eines Spaniers aufgewachsen. Das romanische Idiom ist ihm nicht fremd, „aber noch verständige ich mich mit Händen und Füßen und Englisch“. Zur besseren Eingewöhnung will Gomez einen Privatlehrer engagieren. Die ersten Lektionen hat er schon in der Praxis des Alltags gelernt. Bei den Gesprächen der neuen Kollegen, er hat ihnen neugierig und aufmerksam gelauscht, „ich hatte ja zuletzt genug Zeit dafür“.

Waren auf ihre Weise auch sehr anregend, die dreieinhalb speziellen Wochen im Trainingslager.

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