Sport : Nationalelf: Michael Skibbe entsorgt seine Autogrammkarten aus Dortmunder Zeiten

Von null auf hundert, von hundert zurück auf null: Trotz seiner erst 35 Jahre hat Michael Skibbe im Eiltempo bereits die Höhen und Tiefen eines Fußball-Trainers in der Bundesliga durchlebt. Nur rund 20 Monate stand der Mann mit dem markanten Mittelscheitel als Cheftrainer von Borussia Dortmund im Mittelpunkt des Interesses, am 6. Februar dieses Jahres verschwand er wieder in der Versenkung, noch dazu mit dem Makel, ein gescheiterter Newcomer zu sein. Alles kein Beinbruch offenbar. Seit dem 27. Juli bewegt sich der 15-malige Bundesligaspieler als Assistent des neuen DFB-Teamchefs Rudi Völler wieder im Rampenlicht und genießt spürbar die wiedergewonnene Popularität.

"Der neue Job macht mir wahnsinnig viel Spaß. Er ist zudem eine große Herausforderung für mich", stellte Michael Skibbe nach den ersten Trainingseinheiten mit der deutschen Nationalmannschaft fest, die nach der verpatzen Europameisterschaft in Belgien und Holland unter der neuen sportlichen Führung emsig bemüht ist, nach und nach wieder Boden gut zu machen. Auf dem Trainingsplatz gilt Skibbe als der heimliche Chef, auch wenn Völler jede Aktion der Profis mit Argusaugen verfolgt und zwischendurch die eine oder andere Korrektur anbringt.

Die lautstarken Kommandos kommen von Michael Skibbe, der lediglich das Aufwärmprogramm dem zweiten "Co" Erich Rutemöller überlässt. "Völler und ich haben die selben Vorstellungen von Taktik, Training und auch von der Menschenführung. Wir liegen einfach auf einer Wellenlänge. Eines ist aber auch unbestritten: der Rudi trifft letztlich die Entscheidungen", beschreibt Skibbe das von Harmonie gekennzeichnete Arbeitsverhältnis zu seinem "Chef". Der sechs Jahre ältere Rudi Völler, der den ehemaligen Dortmunder Trainer für die sieben Spiele unter seiner Regie unbedingt an seiner Seite haben wollte, erklärt dazu: "Wir haben im Vorfeld bereits viele Dinge untereinander abgesprochen und bei der täglichen Arbeit zeigt sich nun, dass es halt passt."

Zur künftigen Arbeit des Edel-Assistenten gehören auch die Halbzeit-Interviews vor laufenden TV-Kameras. Erstmals analysierte Michael Skibbe am Mittwochabend beim Länderspiel der DFB-Auswahl gegen Spanien in Hannover die ersten 45 Minuten unter der Leitung der neuen sportlichen Führung.

Der gebürtige Gelsenkirchener, der einst bei Schalke 04 und Wattenscheid 09 spielte, ehe er verletzungsbedingt schon mit 20 Jahren ins Trainerlager wechselte, hat keinerlei Angst vor großen Namen. "Bei Borussia Dortmund habe ich noch Lehrgeld zahlen müssen, aber das kann mich nur weiter bringen. Ich weiß aber, dass ich meinen Job beherrsche und denke, dass das auch die Nationalspieler spüren", berichtet der Völler-Assistent, der beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Vertrag bis zum Jahr 2004 unterschrieben hat.

Skibbe, der am Dienstagabend beim Länderspiel der deutschen "A 2" in Portugal einige Kandidaten für das erste WM-Qualifikationsspiel am 2. September in Hamburg gegen Griechenland beobachtet hat und am Mittwochmorgen schon wieder beim Abschlusstraining des A-Teams auf dem Platz in Barsinghausen stand, soll nach dem Amtsantritt des künftigen Bundestrainers Christoph Daum am 1. Juni 2001 die Nachwuchsarbeit beim DFB koordinieren. Das letzte Wort darüber ist aber noch nicht gesprochen, auch wenn Christoph Daum aus Leverkusen seinen langjährigen Partner Roland Koch mit zur Nationalmannschaft bringt. "Ich könnte mir schon vorstellen, längerfristig mit der Nationalelf zu arbeiten", sagt Skibbe, der scheinbar schon nach kurzer Zeit Appetit bekommen hat.

Auch wenn er mit dem Herzen noch bei Borussia Dortmund sei. "Aber mein Kopf ist schon ganz bei der Nationalmannschaft. Und von Tag zu Tag merke ich mehr, dass mein Herz immer mehr für das Nationalteam schlägt", bekennt Skibbe. Möglicherweise betreibt der neue DFB-Trainer, der nicht den Status eines Bundestrainers hat, deshalb auch Vergangenheitsbewältigung in Form von Altpapierentsorgung. Seine alten BVB-Autogrammkarten, die er vorsorglich ins DFB-Quartier mitgebracht hat, werden ihm aus der Hand gerissen.

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