Nationalelf : Nachhaltig niveauvoll

Michael Rosentritt erklärt, wer hinter den Erfolgen des Nationalteams steckt

Michael Rosentritt

Dass sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft für die Europameisterschaft 2008 qualifiziert hat, ist keine große Überraschung. Eher erstaunt der frühe Zeitpunkt, drei Qualifikationsspiele stehen ja noch aus. Am meisten aber überrascht die Art und Weise, wie die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ihr Ziel erreicht hat. Frühere deutsche Teams haben sich oft nur über die Ziellinie gequält.

Das ist die eigentliche Leistung Joachim Löws: Die Nationalelf hat sich unter ihm weiterentwickelt. Bis einschließlich der WM 2006 herrschte die Erkenntnis vor, dass man Spieler kurzfristig besser machen kann, indem man ihr Selbstbewusstsein stärkt. Löw aber ist es gelungen, jeden einzelnen Spieler und damit die Gruppe nachhaltig auf ein neues Niveau zu heben. So ist nicht einfach der Übergang in die Nach-WM-Zeit nahezu perfekt gelungen. Die Nationalelf konnte ihre WM-Form sogar ausbauen. Derzeit gibt es in Europa keine zweite Nationalmannschaft, die derart konstant guten Fußball spielt. Selbst Freundschaftsspiele, lange Zeit als lästiges Übel angesehen, sind kleine Glanzlichter geworden. Wie etwa der Sieg in Wembley. Löws Credo lautet: Die Jungs wollen den Titel gewinnen, also müssen sie bereit sein, zusätzliche Zeit zu investieren. Jeder Spieler hat gerade ein Handbuch erhalten, in dem klare Ziele der persönlichen Weiterentwicklung vereinbart sind.

Gut möglich, dass die Champions League im Frühjahr 2008 ohne deutsche Beteiligung stattfindet. Das hilft Löw nicht. Aber es wird seine Arbeit nicht kaputt machen. Nicht Bayern, Bremen oder Schalke, sondern die Nationalelf ist Deutschlands fußballerisches Aushängeschild. Den Respekt, der ihr im Ausland entgegengebracht wird, hat sie sich durch Leistungen verdient. Es gab vor einer EM schon mal schlechtere Vorzeichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben