Nach dem Spiel gegen Argentinien : Joachim Löw und die verlorenen Gewissheiten

16.08.2012 16:58 Uhrvon
Bundestrainer Joachim Löw spürt seit der Niederlage gegen Italien mehr und mehr Gegenwind. Foto: AFP
Bundestrainer Joachim Löw spürt seit der Niederlage gegen Italien mehr und mehr Gegenwind. - Foto: AFP

Gegen Argentinien mangelte es dem Team von Joachim Löw an Präsenz, Kraft und Frische. Kann passieren. Aber war es beim EM-Aus nicht genauso? Und spiegelt das Team nicht auch den Trainer?

Als sich die Geisterstunde auf den Weg machte, fasste Joachim Löw den scheidenden Sprecher der Nationalmannschaft, Harald Stenger, um und verließ mit diesem das Podium des Frankfurter Fußballstadions. Wer ihnen einen Moment lang nachschaute wusste nicht, wer hier eigentlich wen stützte. Zum Jubeln war beiden nicht zumute. Der eine, Stenger, wäre gern im Amt geblieben, musste aber wegen Drucks von oben gehen. Und Löw, der andere, hätte das Spiel gegen Argentinien gern gewonnen um das etwas in Schieflage geratene Bild, das die deutsche Fußballnationalmannschaft und ihr Trainer seit dem merkwürdigen EM-Aus vor sieben Wochen abgeben, wieder ins Lot zu bringen.

Mit einer 1:3-Niederlage gegen die Südamerikaner ist die deutsche Nationalmannschaft zwar faktisch in einen neuen Zyklus gestartet, an dessen Ende im Sommer 2014 in Brasilien möglichst der vierte WM-Titel herausspringen soll. Doch irgendwie wirkt das Halbfinal-Aus der wichtigsten Mannschaft des Landes gegen Italien noch merklich nach. Man könnte auch sagen: Mit der Leichtigkeit und der Siegesgewissheit ist es im Moment dahin. Schön, solche Spiele und Ergebnisse wie am Mittwochabend sind deutschen Mannschaften immer mal wieder untergekommen. Übermäßige Bedeutung hat man diesen Freundschaftsspielen im August ohnehin nie beigemessen, was sich auch dieses Mal verbietet, weil die Nationalspieler gerade aus der Saisonvorbereitung zusammengetrommelt wurden. Zudem war ein halbes Dutzend Stammspieler erst gar nicht angereist.

Er habe schon geahnt, dass seinen Spielern noch etwas an körperlicher Präsenz, an Kraft und an Frische fehlen würde zu diesem frühen Saisonzeitpunkt, sagte Joachim Löw nach dem Spiel. Das alles wäre auch nur halb so schlimm, wenn man einen ganz ähnlichen Eindruck nicht auch schon vor gut sieben Wochen bekommen hätte, wo es der deutschen Elf bei der EM am Ende einer Bundesligasaison ebenfalls an Präsenz, Kraft und Frische gefehlt hatte. Nicht, dass es am Ende an ganz anderen Dingen mangelt. An Dingen, die nicht so einfach wegtrainierbar sind.

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