Nach dem Spiel gegen Argentinien : Joachim Löw und die verlorenen Gewissheiten

16.08.2012 16:58 Uhrvon

Gegen Argentinien mangelte es dem Team von Joachim Löw an Präsenz, Kraft und Frische. Kann passieren. Aber war es beim EM-Aus nicht genauso? Und spiegelt das Team nicht auch den Trainer?

Oliver kritisierte im Fernsehen den mangelnden Siegeswillen

Oliver Kahn etwa, der mal das deutsche Tor hütete und nun das Mikrofon im Öffentlich-Rechtlichen hält, sprach von fehlenden zehn Prozent Siegeswillen. „Zehn Prozent, oder acht, oder zwölf – ich kann damit nichts anfangen“, sagte Löw. Der Bundestrainer widersprach dem früheren Nationalmannschaftskapitän. Er wolle gern mal wissen, wie sich so etwas messen lasse? Löw könne seinen Spielern diesen Vorwurf, es nicht gewollt und nicht auch probiert zu haben, nicht machen. „Wem soll ich das sagen? Dem Schmelzer, Bender oder doch dem Khedira.“

Das Länderspiel gegen Argentinien in Bildern:

Fakt ist, dass die deutsche Mannschaft derzeit ein etwas komisches Bild abgibt. Und das liegt auch irgendwie an Joachim Löw selbst. Dem Bundestrainer darf angerechnet werden, dass er die Mannschaft im Laufe seiner Amtszeit zum Laufen gebracht und aus ihr einen Titelkandidaten geformt hat. Insofern könnte er sich den Vorwurf gefallen lassen, das Spiel gegen die Italiener vercoacht zu haben. Leider hat er diesen berechtigten Teil der mitunter auch albernen Kritik nicht angenommen.

Fakt ist ebenso, das dem Spiel der Deutschen über dem Sommer etwas verloren gegangen scheint. Es ist eine Mischung aus Durchschlagskraft, Raffinesse, Kultur, Organisation, Souveränität und Stabilität. In gewisser Weise spiegelt das Team den Trainer. Löw wirkte in den Tagen von Frankfurt am Main angefasst wie selten. Mit anderen Worten: Die deutsche Elf startete 20 Minuten gut gegen die starken Argentinier. Sie attackierte früh, kam durch schöne Kombination zu Chancen, ließ diese aber aus. Ein Elfmeter für den Gegner, ein Platzverweis des Torwarts und ein Eigentor reichten, um die Mannschaft aus dem Konzept zu bringen. Oder wie es Löw sagte: „Der Spielverlauf war so ein bisschen gegen uns.“

Video: DFB-Präsident Niersbach stärkt Löw den Rücken

Normalerweise bieten August-Länderspiele nur bedingt Aussagekraft, aber durch die zeitliche Enge zur EM, die für Löws Mannschaft auf schmerzliche Art und Weise endete, hat die allgemeine Erregtheit noch einmal zugenommen. Hat die Mannschaft mit diesem fantastischen Spielerpotenzial sich etwa wieder ein Stück von der Weltspitze entfernt? Vor einem Jahr noch wurde zum gleichen Zeitpunkt der Rekordweltmeister Brasilien 3:2 bezwungen. Im vergangenen Herbst dann wurde Vizeweltmeister Holland vom Platz gefegt, die Zeit schien reif für die Elf von Löw, die Spanier vom Thron zu holen. Doch der Weltmeister wartete im EM-Finale von Kiew vergebens auf die deutschen Herausforderer.

Und so wird die Diskussion den Trainer und seine Mannschaft noch ein Stück begleiten. Ein Teil des Windes, den Mannschaft und Trainer stets im Rücken spürten, kommt nun von vorn. Ein wenig mehr an Selbstkritik kann da nicht schaden. Denn der Ausblick stimmt ja. Und nicht weil demnächst die kickenden Halbprofis von den Färöer vorbeischauen.

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