Nationalmannschaft : Ballack plant bis 2012 und rügt Arne Friedrich

Michael Ballack will noch bis 2012 für Deutschland spielen und seine Rolle als Kapitän entschlossen und machtbewusst ausüben. Derweil fordert Bundestrainer Löw Keeper Timo Hildebrand zu einem Vereinswechsel auf.

Klaus Bergmann[dpa]
Ballack und Löw
Gegen Russland soll Michael Ballack (r.) wieder im Löw-Team stehen.Foto: dpa

MünchenDie WM 2010 Michael Ballacks "nächstes Ziel", sagte der Mittelfeldspieler des FC Chelsea in einem Interview mit dem an diesem Freitag erscheinenden Magazin "Eurosoccer", aber Südafrika soll noch nicht der Schlusspunkt sein. "Danach werde ich, soweit ich gesund und fit bin, die EM 2012 in Angriff nehmen. Ich werde Fußball spielen, solange es mir Spaß macht", kündigte Ballack, der an diesem Freitag 32 Jahre alt wird, an. "Ich denke noch lange nicht daran aufzuhören."

Kapitän gegen Russland wieder dabei

Bundestrainer Joachim Löw hatte nach der EM im Sommer betont, mit seinem Kapitän vorerst bis zur Weltmeisterschaft in zwei Jahren zu planen. Ballack hatte wegen einer Fußverletzung die ersten drei Länderspiele der laufenden Saison verpasst, im Top-Spiel der WM-Qualifikation am 11. Oktober in Dortmund gegen Russland soll er aber ins Team zurückkehren. Dann wird sich auch zeigen, ob das Verhältnis zwischen Mannschaft und Kapitän tatsächlich angespannt ist, wie nach der EM behauptet wurde.

Ballack bezeichnete derartige Behauptungen als "an den Haaren herbeigezogen", geärgert haben sie ihn trotzdem: "Es ist unerfreulich, wenn man so was wochenlang lesen muss." Namentlich einen Rüffel erteilte Ballack dem Berliner Arne Friedrich, der dem als ruppig titulierten Kapitän geraten hatte, künftig positiver im Umgang mit den Teamkollegen aufzutreten.

Ballack steht anders in der Verantwortung als Arne Friedrich

"Wenn so ein Turnier in die Hose geht, dann steht nicht ein Arne Friedrich in der Kritik, sondern als erster der Trainer und der Kapitän. Wir spielen für die ganze Nation, wir vertreten ein ganzes Land", sagte Ballack und ergänzte: "Als Führungsspieler muss ich anders reagieren als ein Spieler, der nicht im ersten Glied und in der Verantwortung steht."

Es habe bei der EM "keine schlechte Stimmung" geherrscht. Nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien (0:1) war Ballack auch heftig mit Teammanager Oliver Bierhoff aneinandergeraten. Nach zwei Aussprachen soll aber wieder eine gemeinsame Basis existieren. "Wir werden weiter professionell zusammenarbeiten", sagte Ballack.

Bundestrainer Löw sprach unterdessen Torhüter Robert Enke vor den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und vier Tage später gegen Wales das Vertrauen aus. Die vielen Gegentore, die Enke derzeit bei Hannover 96 hinnehmen müsse, "interessieren uns nicht", betonte Löw. Zwar mochte der Bundestrainer noch nicht verraten, ob Enke auch gegen Russland im Tor steht: "Es wäre zu früh, das jetzt schon festzulegen." Aber die Tendenz geht dahin. "Robert Enke hat die letzten drei Länderspiele gemacht. Das ist generell ein Vorteil."

Aussprache mit Hildebrand

Löw fand aber auch lobende Worte für den wiedergenesenen Leverkusener René Adler und den zuletzt eingeladenen Bremer Tim Wiese und heizte damit den Konkurrenzkampf unter den deutschen Schlussmännern an. Vor dem Russland-Spiel wird es auch zu der mehrfach angekündigten Aussprache mit dem vor der EM ausgebooteten Timo Hildebrand kommen. Die einstige Nummer zwei werde dafür ins Teamquartier nach Düsseldorf kommen.

"Timo ist und bleibt Mitglied unseres erweiterten Kaders", betonte Löw. Allerdings sei Hildebrands Situation beim FC Valencia, wo der ehemalige Stuttgarter nicht einmal mehr zum Kader gehört, "sehr schwierig", so Löw. Er rät Hildebrand zu einem Vereinswechsel: "Wir sind höchst interessiert daran, dass Timo wieder einen passenden Verein findet, wo er spielt."

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