Sport : Nationalmannschaft: Bierhoff will Kapitän bleiben

Oliver Bierhoff hat an Rücktritt gedacht. Vor der EM vermisste der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Rückendeckung durch den Teamchef und den Verband. "Als ich mir nicht der vollen Unterstützung von Erich Ribbeck sicher war, hatte ich das Gefühl, hinschmeißen zu müssen", sagte Bierhoff im "DeutschlandFunk". "Als Trainer und auch als Verband sollte man dem Kapitän die entsprechende Rückendeckung geben."

Jetzt will es Bierhoff wieder wissen. Er kommt zum ersten Spiel unter Chef Rudi Völler am Mittwoch gegen Spanien nach Hannover, obwohl er wegen seiner bei der EM erlittenen Wadenverletzung "wahrscheinlich nicht spielen kann". Der Kapitän will beim Neuanfang dabei sein. Von den Fans erwartet Bierhoff im ersten Länderspiel nach der Europameisterschafts-Blamage keine große Rückendeckung: "Sie werden uns mit großer Skepsis empfangen. Da wird auch ein gutes Spiel gegen Spanien nicht reichen, um die Leute wieder auf unsere Seite zu ziehen."

Früh schon habe sich abgezeichnet, dass die Europameisterschaft für die DFB-Elf zum "Himmelfahrtskommando" zu werden drohte. Bierhoff dachte öfter an Rücktritt. Nicht nur wegen der mangelnden Rückendeckung, sondern auch wegen der permanenten Kritik an seinen Leistungen. "Als Kapitän stehe ich immer in erster Reihe in der Kritik. Wenn ich mal fünf Minuten ausgewechselt werde oder wenn ich einmal nicht von Anfang an spiele, gibt es sofort große Kritik", klagte der 32-jährige Mittelstürmer des AC Mailand. Dabei sollte man doch froh sein, einen Spieler zu haben, der in zwei Jahren als Kapitän eigentlich nur zwei Spiele verloren und 20 Tore gemacht habe. "Dieses ganze Theater hätte ich nicht, wenn ich kein Kapitän wäre", sagte Bierhoff.

Dennoch hänge er an dem Job, der "aufgrund der vielen Arbeit nicht unbedingt eine dankbare Aufgabe" sei, aber dennoch "sehr viel Spaß" mache. Bierhoff bleibt auch unter dem neuen Teamchef Rudi Völler Kapitän der Nationalmannschaft. Völler ist für ihn eine "optimale Besetzung" für die Übergangszeit bis zum Amtsantritt von Christoph Daum im nächsten Jahr. Er könne helfen, den "völlig verspielten Bonus" bei den Fans zurückzugewinnen. Der zukünftige Bundestrainer Christoph Daum sei "mit Ottmar Hitzfeld der beste deutsche Trainer" und auch sein Wunschkandidat Nummer eins gewesen, sagte Bierhoff. Ihm traut der Kapitän zu, auch "neue moderne Ideen" in den deutschen Fußball einbringen zu können.

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