Nationalmannschaft : Das i-Tüpfelchen vor Augen

Nach dem Warmlaufen gegen San Marino wird es noch einmal ernst: Joachim Löw fordert zur Krönung des Nach-WM-Jahres einen finalen Kraftakt ohne Wenn und Aber.

Joachim Löw Foto: ddp
Joachim "Yogi" Löw.Foto: ddp

Hamburg - "Es wird sicher eine Energieleistung vonnöten sein. Wir müssen noch einmal 100 Prozent bringen, damit wir alles abrufen", sagte der Bundestrainer zwei Tage vor dem letzten EM-Qualifikationsspiel vor der Sommerpause gegen die Slowakei am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) in Hamburg. Mit einem Sieg würde man das "i-Tüpfelchen" auf eine erfolgreiche Saison setzen und exakt ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel einen entscheidenden Schritt zur Fußball-Europameisterschaft machen. "Dann könnten die Spieler ihren Urlaub genießen", erklärte Löw, der gegen die Slowaken mit dem gleichen Personal plant wie gegen den Fußball-Zwerg San Marino.

Auch Sorgenkind Miroslav Klose ist in der Hamburger AOL-Arena gesetzt. Löw erneuerte die Einsatzgarantie für den Bremer, kündigte aber ein erneutes Gespräch mit dem in der Krise steckenden Stürmer noch vor dem Slowakei-Spiel an. "Körperlich ist Miro in einem großen Loch nach den ganzen Anstrengungen der letzten Jahre", sagte der 47-Jährige. Aber auch von Dingen außerhalb des Platzes werde der Stürmer derzeit belastet, hatte der Bundestrainer schon in einem ersten intensiven Gespräch mit dem 28-Jährigen festgestellt. Auch Team-Manager Oliver Bierhoff sprach sich aus eigener leidvoller Stürmer-Erfahrung gegen eine Degradierung Kloses auf die Ersatzbank zu Gunsten des derzeit treffsicheren Mario Gomez aus. "Manchmal ist es eine einzige Aktion, die alles ändert."

San Marino nur ein Durchläufer

Gegen die Slowakei muss die gesamte Mannschaft noch ein letztes Mal vor der Sommerpause den Schalter umlegen. "Das Spiel gegen San Marino war für uns nur ein Durchläufer. Gegen die Slowakei wird mehr Konzentration gefordert sein", sagte Torwart Jens Lehmann, der nach seinem Lapsus gegen den Fußball-Zwerg diesmal selbst wieder eine größere Motivation verspürt. Der für den verletzten Michael Ballack wieder als Kapitän einspringende Bernd Schneider kündigte an: "Wir müssen ein anderes Laufpensum tätigen, um zum Erfolg zu kommen. Der Trainer wird uns darauf einstellen", sagte der Leverkusener.

Mit dem wieder ernst zu nehmenden Gegner kehrt Löw nach der Auszeit gegen San Marino auch zur üblichen akribischen Analyse des Gegners zurück. Mit Chefscout Urs Siegenthaler wird das Team um Nürnbergs Stürmer Robert Vittek unter die Lupe genommen und dann dem eigenen Personal per Video vorgestellt. "Sie werden sicherlich auch defensiv spielen, aber es ist ihre letzte Chance", warnte Löw vor dem im Oktober 2006 beim 4:1-Erfolg von Bratislava phasenweise vorgeführten Kontrahenten. Nur neun Punkte haben die Slowaken als Vierte der Gruppe D auf dem Konto. Eine Niederlage in Hamburg käme für das Team des Ex-Bundesligaprofis Jan Kocian dem vorzeitigen EM-Aus gleich.

Schnellstmögliche EM-Qualifikation angestrebt

Deutlich rosiger ist das Tabellenbild für die DFB-Auswahl. Mit einem weiteren Sieg könnte das Konto auf 19 Zähler ausgebaut und die Konkurrenz aus Tschechien (14) und Irland (13) deutlich distanziert werden. "Mit einem Sieg hätten wir 19 von 21 möglichen Punkten geholt. Das wäre ein fantastischer Abschluss des Nach-WM-Jahres", sagte Löw. In den fünf noch ausstehenden Qualifikationsspielen bis November könnte sich die in der Ausscheidungsrunde noch ungeschlagene Nationalmannschaft dann sogar eine Niederlage und ein Remis leisten, und dennoch das Ticket für das Turnier in Österreich und der Schweiz lösen.

Doch an ein vorzeitiges Nachlassen wird beim WM-Dritten kein Gedanke verschwendet. "Wir wollen uns so schnell wie möglich
qualifizieren", sagte Schneider. Der Neu-Bayer Jan Schlaudraff musste wegen Rückenproblemen nach München abreisen, alle anderen 19 Akteure stehen für den Saisonabschluss am Mittwoch bereit.

Kritikaustausch zwischen Bierhoff und Hoeneß

DFB-Manager Bierhoff wurde erneut mit Kritik aus München konfrontiert, konterte die Aussagen von Bayern-Manager Uli Hoeneß aber umgehend. Der Termin gegen San Marino zwei Wochen nach Bundesliga-Abschluss, den Hoeneß als "Juxspiel" kritisiert hatte, sei keine Sache des DFB, sondern des weltweiten Terminplanes der Fifa. Der FC Bayern habe selber kräftezehrende Termine. Man brauche kein "Wissenschaftler zu sein", um zu erkennen, dass die Asienreise der Münchner vor der kommenden Saison "für die Trainingsarbeit nicht förderlich" sei, betonte Bierhoff.

In vermeintlich kritischen Aussagen über Bayern-Transfer Luca Toni fühlte sich der DFB-Manager missverstanden. "Ich halte Toni für einen sehr guten und geschickten Einkauf", erklärte Bierhoff. Allerdings gehöre der Italiener seiner Meinung nicht zu den "Top 10" des Weltfußballs. (Mit dpa)

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