Nationalmannschaft : Debütant Pander schießt und siegt

Christian Pander war im Länderspiel gegen England so etwas wie Deutschlands Antwort auf David Beckham. Das aufregende Spiel eines Debütanten.

Stefan Hermanns
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Christian Pander. Schuss ins Glück. -Foto: dpa

LondonManchmal kann es sehr aufschlussreich sein, wenn man sein Selbstbild mit der Wahrnehmung von außen vergleicht. Die Deutschen würden vermutlich sagen, dass sie in der Welt des Fußballs für ihre außergewöhnlichen Stürmer und Torhüter bekannt sind; im Programmheft für das Länderspiel gegen England wurden sie für ihre exzellenten Linksverteidiger gerühmt: von Breitner über Brehme bis hin zu Philipp Lahm. Der letzte in dieser Reihe ist ein gewisser Arne Feick, ein U-19-Nationalspieler, der für Energie Cottbus in der Regionalliga spielt. Christian Pander kam in der Aufzählung nicht vor. Gestern Abend aber hat sich der Schalker auch dem englischen Publikum bekannt gemacht.

Kurz vor der Pause legt Philipp Lahm den Ball auf Pander ab, und der tut das, was er am besten kann: wuchtig und präzise schießen, mit seinem linken Fuß rechts oben in den Winkel des englischen Tores. Pander ist in diesem Länderspiel so etwas wie Deutschlands Antwort auf David Beckham. Die Wege der beiden kreuzen sich in Wembley an diesem Abend häufiger. Seine überragende Schusstechnik hat er zuvor schon zweimal nachgewiesen, bei einer Ecke und einem Freistoß, an deren Ende Christoph Metzelder mit Kopfbällen nur knapp das Tor verfehlt.

Allerdings ist es auch kein Geheimnis, dass Pander, obwohl Verteidiger, seine Stärken im Spiel nach vorne besitzt. „Ich versuche schon, die Rolle sehr offensiv zu interpretieren“, sagt er. Seine Schwächen in der Defensive werden auch gegen die Engländer schnell bloß gelegt. In der neunten Minute entledigt sich Micah Richards ohne größere Schwierigkeiten der Deckung Panders. Sein Zuspiel verwertet Lampard zum 1:0.

Das Länderspieldebüt des Schalkers beginnt also denkbar schlecht, doch für Pander, der in der kommenden Woche 24 wird, ist es schon ein Erfolg, dass es überhaupt ein Länderspieldebüt gibt. Nicht allzu viele Spieler haben einen längeren Anlauf in die Nationalmannschaft genommen als er. Im Januar 2005 trug er zum ersten Mal das Nationaltrikot, allerdings nur bei einem Benefizspiel, der Schalker galt als aussichtsreicher Kandidat für die WM 2006. Dann aber verletzte er sich so schwer am Knie, dass er insgesamt 18 Monate ausfiel. „Ich bin froh, dass ich das mal erleben durfte“, hat Pander einmal über diese Erfahrung gesagt. Noch froher aber dürfte er sein, dass er jetzt ein richtig aufregendes Länderspiel erleben durfte.

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