Nationalmannschaft : Drei Neue sind dabei, zwei Alte nicht

Mit Tobias Weis und Marvin Compper stehen erstmals Profis aus Hoffenheim im Kader von Joachim Löw. Noch weit spektakulärer sind die Namen, die im England-Aufgebot fehlen.

Stefan Hermanns
Frings
Torsten Frings sitzt gegen England nicht einmal auf der Bank. -Foto: ddp

Berlin - Der Fußballer Tobias Weis ist dem größeren Publikum noch nicht allzu vertraut, zuletzt aber hat er in einer netten Geschichte mitgespielt. Es war vor zwei Wochen, am Morgen vor dem Spiel seiner TSG Hoffenheim gegen Karlsruhe. Weis’ Einsatz war wegen einer Zehenverletzung fraglich. Trainer Ralf Rangnick zweifelte, setzte aber noch einen letzten Belastungstest an. Er ging mit Weis auf einen Sportplatz in der Nähe des Mannschaftshotels, lieh sich von der Dorfjugend einen Ball und ließ Weis aufs Tor kicken. Der Zeh hielt, und Weis legte am Nachmittag einen überragenden Auftritt hin. Möglicherweise wird die Nation schon bald ganz andere Geschichten mit dem 23-Jährigen verbinden. Gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Hoffenheimer Kollegen Marvin Compper wurde Weis von Joachim Löw für das Länderspiel am Mittwoch gegen England in Berlin nominiert. Als dritten Neuling berief der Bundestrainer den Wolfsburger Marcel Schäfer.

Noch weit spektakulärer sind die Namen, die im Kader fehlen: Der Bundestrainer verzichtete nicht nur auf Marcell Jansen und Philipp Lahm, für die ein Einsatz nach ihren Verletzungen noch zu früh käme; auch Michael Ballack und Torsten Frings, die sich einen öffentlichen Disput mit Löw geleistet hatten, sind gegen England nicht dabei. Bei Ballack ist das nicht überraschend. Der Kapitän der Nationalmannschaft hat nach seiner Fußoperation Mitte Oktober noch nicht wieder gespielt. Im Fall Frings liegen die Dinge anders: Er gab schon vor der Bekanntgabe des Kaders bekannt, er habe sich mit dem Bundestrainer verständigt, „dass ich nicht dabei bin“. Natürlich streiten beide Seiten nun, von wem die Idee stammt. Während Löw behauptet, er habe Frings mitgeteilt, „dass ich ohne ihn für das Spiel plane“, lautet Frings’ Version, er habe Löw schon bei der Aussprache in der vorigen Woche seinen Verzicht vorgeschlagen. Dem „Kicker“ sagte er, dass es wegen des zuletzt entstandenen Theaters besser sei, wenn er nicht komme. Nachdem Frings bei den jüngsten Länderspielen nur auf der Bank gesessen hatte, hat er den Bundestrainer scharf kritisiert und seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft angedeutet.

Davon hat der Bremer inzwischen Abstand genommen; ob Frings allerdings noch einmal jene Machtposition einnehmen wird, die er einst innehatte, ist fraglich. Löw hat durch die Nominierung der drei Neulinge seinen Willen zum Konkurrenzkampf noch einmal untermauert. Mit Tobias Weis kommt ein weiterer Kandidat für die Frings-Position hinzu. Der Hoffenheimer ist laut Löw eine Alternative für die etablierten Spieler im Mittelfeld. Auch Tim Borowski, der trotz guter Leistungen bei den Bayern erneut nicht nominiert wurde, käme für die Rolle in Frage.

„Wir wollen das letzte Spiel des Jahres noch einmal nutzen, um das eine oder andere auszuprobieren, und für das neue Jahr entsprechende Eindrücke gewinnen“, sagt Löw. „Die drei Neulinge haben die Nominierung durch ihre Leistungen verdient.“ Die besten Aussichten, gegen England zu spielen, besitzt wohl Marcel Schäfer. Für seine Position links in der Viererabwehrkette fehlen mit Lahm, Jansen und dem Schalker Christian Pander gleich drei Kandidaten.

Lahm wird am Montag aber ebenso nach Berlin zum Treffpunkt der Nationalmannschaft reisen wie Frings und Ballack. Löw will im größeren Kreis noch einmal die Verhaltensregeln erörtern, die für ein gedeihliches Miteinander notwendig sind. „Eine Aussprache wird es nicht“, sagt Löw. „Es wird eine Ansprache.“ Zudem gehören alle drei Spieler dem Mannschaftsrat an, der in Berlin die Prämien für eine erfolgreiche WM-Qualifikation aushandeln soll. Da darf dann auch Torsten Frings sich noch einmal uneingeschränkt wichtig fühlen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar