Nationalmannschaft : Lehmann patzt, Hildebrand zittert

Jens Lehmann schwächelt in der englischen Liga, Timo Hildebrandt droht in Spanien die Ersatzbank. Hat Deutschland ein Torwartproblem?

Jens Mende,Arne Richter[dpa]
Lehmann
Jens Lehmann kämpft bei Arsenal um seinen Stammplatz. -Foto: ddp

Frankfurt/Main Jens Lehmann patzte schon zwei Mal, Timo Hildebrand droht bei seinem neuen Club FC Valencia die Reservisten-Rolle - doch Joachim Löw zementierte kurz vor dem Start in die EM-Saison die Rangordnung der DFB-Torhüter. "Jens Lehmann ist und bleibt die Nummer 1. Und grundsätzlich zweifeln wir auch nicht an der Qualität von Timo Hildebrand", erklärte der Bundestrainer zwei Tage vor dem Test-Länderspiel in England. Dennoch stehen Lehmann, dem zum Auftakt in der englischen Premier League gleich zwei schwere Fehler unterliefen, und Hildebrand in der Primera Division unter besonderer Beobachtung.

Lehmanns Patzer beim FC Arsenal wollte der DFB-Chefcoach nicht bewerten: "Ich habe es nicht gesehen, nur davon gehört." Die englische Presse ging am Montag hart mit dem 37 Jahre alten deutschen Keeper ins Gericht. "Lehmann lässt drei Punkte durch die Finger gleiten", titelte "The Times" über das 1:1 von Arsenal bei den Blackburn Rovers, als Lehmann einen 25-Meter-Schuss von David Dunn zum Ausgleich durch die Arme rutschen ließ. "Oh nein, nicht schon wieder...", schrieb die "Sun" in Anspielung an Lehmanns ersten Patzer vor einer Woche gegen Fulham. "The Guardian" meinte schon: "Lehmann wird zur Gefahr". Wie ein "Häufchen Elend" habe der Wahl-Londoner in der Kabine gesessen, berichtete Arsenal-Coach Arsene Wenger, wollte aber die Schuld am Remis nicht bei seinem Keeper suchen.

Konkurrenzkampf bei Arsenal

Allerdings weiß Lehmann genau, dass Wenger klare Forderungen an ihn hat: "Ich muss fitter sein als meine jungen Konkurrenten", sagte der 46-malige deutsche Nationalspieler dem Fachmagazin "kicker". Neben dem Spanier Manuel Almunia (30), der vor zwei Jahren schon einmal kurzzeitig Lehmann als Nummer 1 verdrängt hatte, ist ab dieser Saison auch der polnische Nationaltorhüter Lukasz Fabianski (22) Konkurrent. Wenger sagte vor der Saison schon einen "Dreikampf" voraus. "Ich weiß um seine Ansprüche: Wenn er das Gefühl hätte, ich würde nachlassen, würde er nicht zögern, mich nicht mehr spielen zu lassen", erklärte Lehmann. Und dann hätte auch Löw ein Problem.

Schon jetzt stuft Lehmann die Verteidigung seines Stammplatzes bei den "Gunners" als "sehr anstrengend" ein. "Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das gerade hier bei Arsenal nach dieser Saison nochmal machen möchte - und ob ich nochmal Lust dazu habe", verriet Lehmann. Hildebrand dagegen plant langfristig in Spanien, auch wenn sein Konkurrent und Valencia-Liebling Santiago Canizares (37) zuletzt in der Champions-League-Qualifikation wieder im Tor stand. "Ich werde mich dort durchsetzen, früher oder später", betonte Hildebrand (28). Noch hofft der ehemalige Stuttgarter Meister-Torwart auf den Zuschlag für die Stammelf, wenn am Samstag in Spanien die Saison beginnt.

Löw setzt auf Lehmann

Im ersten Jahr unter Löw war die Tor-Hierarchie klar und unumstritten: Lehmann stand in acht Spielen im Tor, Hildebrand in zwei. Dazu durfte der Hannoveraner Robert Enke im Test gegen Dänemark ran - und untermauerte laut Löw den Status als Nummer 3: "Er muss sich bei uns nicht mehr empfehlen, er hat einen hervorragenden Eindruck gemacht." Und eigentlich hat der Bundestrainer auch nicht vor, an der Rangordnung etwas zu ändern.

Doch eine längere Reserve-Rolle von Hildebrand in Valencia würde ihm schon Kopfschmerzen bereiten: "Doch sich zum jetzigen Zeitpunkt darüber Gedanken zu machen, was in einem halben oder in einem Jahr ist, wäre zu früh. Timo wird um seinen Platz kämpfen", unterstrich Löw, der schon zu den nächsten Länderspiel-Doppelspieltagen einen weiteren Torwart-Kandidaten wie Manuel Neuer (Schalke) testen will. 

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