Nationalmannschaft : Lehmann trotzt der Krise

Nach seiner Absage an Borussia Dortmund zeigt sich der Nationaltorwart Jens Lehmann im Kampf um seinen Stammplatz selbstbewusst. Ein Transfer wird ihm wohl nicht mehr gelingen, trotzdem ist er sicher, bei der EM zu spielen.

Arne Richter
Lehmann
Jens Lehmann. Für die Familie verzichtete er auf eine Rückkehr in die Bundesliga. -Foto: AFP

HamburgEinen Freifahrtschein von Bundestrainer Joachim Löw hat er nicht, doch Jens Lehmann rechnet auch ohne Spielpraxis beim FC Arsenal weiter fest mit dem Stammplatz im Tor des deutschen Nationalteams bei der Fußball-Europameisterschaft. "Ich weiß nur eines: Ich werde bei der EM spielen", sagte Lehmann in einem Interview der "Bild am Sonntag". Auch im Aktuellen Sportstudio des ZDF zeigte sich der 38-Jährige trotz des anhaltenden Reservistendaseins in England selbstbewusst. "Ich bin mir sicher, dass ich bei der EM spielen werde. Es ist so, dass ich mental frisch bin." Seine Absage an Borussia Dortmund erklärte der 38-Jährige erneut mit familiären Gründen. "Ich konnte meiner Frau nicht zumuten, alles alleine zu machen."

Für den Familienfrieden verzichtete Lehmann - der im Sommer ein konkretes Angebot aus der Bundesliga hatte - auf eine Rückkehr nach Deutschland. Auch ein nur noch bis Ende Januar möglicher Last-Minute- Wechsel innerhalb Englands ist unwahrscheinlich. Weiter setzt Lehmann darauf, dass der Nummer-2-Status bei den "Gunners" bald Vergangenheit ist. "Es kann sein, dass ich ab nächste Woche wieder spiele. Bei Arsenal kann ich auf einmal wieder drin sein, dann erübrigt sich die ganze Diskussion", sagte der seit August von seinem Vereinscoach Arsene Wenger degradierte Lehmann.

"Zehn Spiele bis zur EM"

Erneut machte der 51-fache Nationalspieler seine Rechnung auf, dass er auch als Arsenal-Reservist genügend Spielpraxis für den großen Sommer-Auftritt sammeln kann. "Wenn alles gut läuft, mache ich zehn Spiele bis zur EM", sagte Lehmann, der von Wenger derzeit nur im FA-Cup berücksichtigt wird. Allerdings müsste er dafür mit seinem Club bis ins Pokalendspiel kommen und alle vier Länderspiele der DFB- Elf bis zum EM-Start am 8. Juni in Klagenfurt gegen Polen bestreiten.

Auch gegenüber Löw habe er seine Gründe für die Absage an Dortmund erläutert. "Ich habe ihm erklärt, wie die private Situation ist, das hat er auch verstanden", sagte Lehmann. Der Schlussmann wollte seine Frau mit den drei kleinen Kindern auch aus "Sicherheitsgründen" nicht in London zurücklassen. Eine gemeinsame Rückkehr nach Deutschland sei nicht möglich gewesen, da er seinen Söhnen einen Schulwechsel nicht zumuten wollte. Finanzielle Gründe hätten keine Rolle gespielt, betonte Lehmann: "Wenn ich auf das Geld geachtet hätte, hätte ich gehen müssen. Das Leben in England ist relativ teuer und in Deutschland relativ günstig."

Kaum Hoffnung auf Transfer-Coup

Für seinen EM-Stammplatz muss sich Lehmann aber beweisen. Löw hatte immer betont, die Entwicklung seines Schlussmanns genau zu beobachten. "Er hat mir immer gesagt, dass er mir keine Garantie geben kann, das kann kein Trainer der Welt", sagte Lehmann. Seine Zukunft nach der EM ließ Lehmann offen, einen Wechsel zum dann von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann trainierten FC Bayern München schloss er nicht grundsätzlich aus, bezeichnete einen solchen Transfer-Coup jedoch als unwahrscheinlich. "Ich denke nicht, dass sich die Frage für mich stellt", sagte Lehmann. (küs/dpa)

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