Nationalmannschaft : Löw: Huth für verletzten Metzelder "kein Thema"

Kaum ist klar, dass sich Abwehrchef Christoph Metzelder operieren lassen muss, wird schon gemutmaßt, wer den 27-Jährigen bei der EM ersetzen könnte. Dabei fallen vor allem drei Namen - und der von Robert Huth, der unlängst sein Comeback in der Premier League gefeiert hatte.

Klaus Bergmann[dpa]
Löw
Abwehrsorgen? Bundestrainer Löw hofft auf eine rechtzeitige Rückkehr von Christoph Metzelder zur EM. -Foto: dpa

MadridJoachim Löw muss sich vier Monate vor Beginn der Europameisterschaft große Sorgen um Christoph Metzelder machen, will seinen Abwehrchef aber noch nicht abschreiben. Der Innenverteidiger von Real Madrid hat sich nach der Konsultation mehrerer Ärzte nun doch dazu entschieden, sich wegen eines Teilabrisses der Plantar-Faszie an der linken Fußsohle operieren zu lassen. "Ich habe im Moment keine Ahnung, wie lange er ausfällt, aber normalerweise ist es zu schaffen", sagte Löw in Bezug auf die EM-Chancen des 39-maligen Nationalspielers.

Metzelder hatte den Bundestrainer am Samstag telefonisch von seinem Entschluss unterrichtet. "Ich habe mich ohne Druck von außen dafür entschieden, dass das für mich der richtige Weg ist", äußerte der 27-Jährige in einer DFB-Mitteilung. Die Operation wird an diesem Mittwoch im Madrider Hospital Ruber Internacional unter Aufsicht der Real-Vereinsärzte von den Spezialisten Pedro Luis Ripio und Mariano de Prado durchgeführt, wie der spanische Rekordmeister berichtete. Verlässliche Prognosen über die Verletzungsdauer könne man erst nach dem Eingriff machen, betonte Löw: "Vorher ist alles Spekulation." Von mindestens zwei Monaten ist aber wohl auszugehen.

Huth: Gute Leistung bei Comeback in der Premier League

Nach dem ungewissen Heilungsprozess bei Mittelfeldspieler Torsten Frings (Knie) und der problematischen Reservistenrolle von Torhüter Jens Lehmann beim FC Arsenal ist Metzelder schon das dritte große Fragezeichen in der EM-Wunschelf von Löw, der meint: "Jetzt können wir ihm nur einen guten und schnellen Heilungsprozess wünschen."

Das erprobte WM-Duo Per Mertesacker/Metzelder soll auch bei der EM der stabilisierende Faktor im Abwehrzentrum der Nationalmannschaft sein. Nun muss sich Löw zwangläufig Gedanken um Alternativen machen. Neben den schon erprobten Herthaner Arne Friedrich und Manuel Friedrich von Bayer Leverkusen sowie dem mehrfach nominierten Stuttgarter Serdar Tasci und dem zuletzt beim 3:0 in Österreich debütierenden Schalker Heiko Westermann könnte Metzelders Pech auch eine neue Chance für Robert Huth sein. Der WM-Teilnehmer zählt nach einer langwierigen Sprunggelenks-Verletzung und einer Stressfraktur im linken Fuß beim FC Middlesbrough wieder zur Stammformation. Im Dezember feierte er sein Comeback in der Premier League, zeigte am Samstag beim 1:0-Heimsieg gegen den FC Fulham eine gute Leistung.

In Löws EM-Planungen spielt Huth aktuell jedoch keine Rolle. "Er ist im Moment kein Thema", sagte Löw, der auch Meldungen dementierte, wonach er den gebürtigen Berliner demnächst in England besuchen wolle. "Im Blick war Robert Huth nicht mehr. Er war Nationalspieler, aber er war anderthalb Jahre verletzt. Wer so lange verletzt war, muss erst einmal wieder in den Spielrhythmus kommen", erklärte Löw.

DFB hatte auf konservative Behandlung bei Metzelder gesetzt

Huth hatte noch beim Confederations Cup 2005 gemeinsam mit Per Mertesacker die Innenverteidigung gebildet. Bei der WM verdrängte ihn Metzelder. Sein 17. und bislang letztes Länderspiel hat Huth im WM-Vorrundenspiel gegen Ecuador (3:0) bestritten. Löw nannte bei den möglichen Alternativen zu Metzelder am Sonntag drei andere Namen: "Wir haben noch Arne Friedrich, Manuel Friedrich und Serdar Tasci."

Metzelder hatte mit der Entscheidung für eine Operation lange gezögert. Sein letztes Spiel für Real bestritt er am 19. Dezember beim 1:1 im spanischen Pokal in Alicante. Nachdem Real-Trainer Bernd Schuster eine Operation schon vor über einer Woche angeregt hatte, war Metzelder zunächst noch zur Nationalmannschaft gereist, um sich von "meinem Vertrauensarzt" Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Löw hatte anschließend auf eine konservative Behandlung des Fußes gehofft - nun muss Metzelder doch unters Messer.

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