Nationalmannschaft : Löw setzt auf mehr Prophylaxe

Im Stab des Bundestrainers macht man sich zunehmend Gedanken über den Gesundheitszustand der Nationalspieler und will künftig mehr auf individuelles Trainung und Prophylaxe setzen.

Herzogenaurach - Gleich neun WM-Spieler fehlten zum Saison-Halali, mehr als ein Dutzend mussten das Sommermärchen mit langwierigen Verletzungen bezahlen - das soll beim Unternehmen "Euro 2008" nicht mehr passieren. Joachim Löw hat mit seinem Trainerstab und der medizinischen Abteilung die Verschleißerscheinungen der Spieler analysiert und schon für die Vorbereitung auf die kommenden Spiele entsprechende Lehren gezogen. "Das ist unsere große Aufgabe, dass die Spieler nicht ständig durch Verletzungen aus ihrem Rhythmus gebracht werden. Gesundheit ist für die EM eine wichtige Voraussetzung", sagte der Bundestrainer vor den letzten beiden Saison-Länderspielen am Samstag gegen San Marino und vier Tage später gegen die Slowakei.

Auf die Prophylaxe wollen die Verantwortlichen der DFB-Elf noch mehr Augenmerk legen als schon in den vergangenen Monaten. "Die Tendenz geht dazu, noch individueller zu trainieren", erläuterte Löw. Ein aktuelles Beispiel lieferte der 47-Jährige am Mittwochmorgen, als er die Fitness-Einheit unmittelbar neben dem Mannschaftsquartier in Herzogenaurach nur mit 14 der 20 Akteure bestreiten ließ. Die vier Stuttgarter Meister dagegen absolvierten wie Dauerbrenner Torsten Frings und der leicht kränkelnde Per Mertesacker ein individuelles Programm im Hotel. Dort lässt sich auch der am Sprunggelenk verletzte Kapitän Michael Ballack, der letzte in der Reihe der schwerer verletzten WM-Kicker, von den DFB-Medizinern behandeln. "Seine Genesung macht gute Fortschritte", betonte Löw.

"Das geht an die Substanz"

Die Verletzungsserie hat den Bundestrainer und die Ärzte aufgeschreckt. 16 der 23 WM-Spieler wurden in der gerade beendeten Saison von größtenteils schweren Blessuren heimgesucht. Neben Ballack fehlen diesmal Schweinsteiger, Podolski, Borowski, Neuville, Asamoah, Hanke, Odonkor und Arne Friedrich. "Verletzungen haben oft nichts mit Pech zu tun, sondern sie sind Folgen einer Fehlbelastung", erklärte Löw, der die Trainingspläne für die EM-Kandidaten noch enger mit den Heimatklubs abstimmen will - auch für die Sommerpause. "Es gibt eine Pause und eine fünfwöchige Vorbereitung. Es tut allen gut, dass dort die Grundlagen gelegt werden, dann ist man besser gegen Verletzungen gewappnet."

Von den Feldspielern kamen nur Thomas Hitzlsperger, Philipp Lahm, Bernd Schneider und Frings ohne Verletzungs-Unterbrechungen durch die Serie. "Die WM war ein Event der Superlative. Wir konnten danach kaum regenerieren. Wir hatten zweieinhalb Wochen Urlaub. Danach kamen nur Spiele, Spiele, Spiele. Das geht an die Substanz", erläuterte Bastian Schweinsteiger, der an einer durch einen Zeckenbiss verursachten Knieentzündung leidet.

Am ärgsten betraf es Sebastian Kehl, der wegen einer Knie-Verletzung monatelang ausfiel und für Dortmund nur 253 Minuten auf dem Rasen stand. BVB-Kollege Christoph Metzelder, David Odonkor von Betis Sevilla und der Neu-Bayer Marcell Jansen fehlten lange wegen Knie-Operationen. Jens Nowotny musste nach einer erneuten Operation seine Karriere sogar beenden. Mertesacker war gleich mehrmals länger außer Gefecht. Der Bremer Tim Borowski (Knie, Leiste) und der Berliner Friedrich (beide Patellasehnen) kamen nie richtig in den Rhythmus. Mit schlechten Blutwerten begann bei Miroslav Klose die bis jetzt anhaltende Krise des WM-Torschützenkönigs. (Von Christian Kunz und Jens Mende, dpa)

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