Nationalmannschaft : Logbuch einer Erfolgsgeschichte

Wie Bundestrainer Joachim Löw die Nationalmannschaft zur EM in Österreich und der Schweiz geführt hat

Sven Goldmann

Er kam als Assistent und startete so erfolgreich wie keiner seiner Vorgänger. Am 1. August des vergangenen Jahres trat Joachim Löw in der Nachfolge von Jürgen Klinsmann seinen Job als Bundestrainer an. Der Motivator Klinsmann hatte der Nationalmannschaft als Projektmanager für die WM 2006 einen neuen Stil und neues Selbstbewusstsein vermittelt. Dem Fußballfachmann Löw gelang es, das Spiel der Mannschaft dauerhaft auf ein neues Niveau zu heben. Ein Rückblick auf die Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz.

2. September 2006 in Stuttgart

1:0 gegen Irland

Die Stuttgarter feiern die deutsche Mannschaft ähnlich laut wie bei der WM nach dem Spiel um Platz drei gegen Portugal. Joachim Löw weist daraufhin, dass es kein Wiedersehen mit seiner schwäbischen Heimat ist, weil er nämlich aus Baden kommt. Er stellt Lukas Podolski auf, obwohl der beim FC Bayern nur Ersatzspieler ist. Podolski schießt das deutsche Siegtor. Es ist sein 21. Tor in 34 Länderspielen, und das mit gerade 21 Jahren. Nicht mal Gerd Müller, Ur-Vater aller Torjäger, war so früh so gut.

6. September 2006 in Serravalle

13:0 gegen San Marino

Auf dem Dorfsportplatz von Serravalle, einer der neun Mini-Gemeinden der ältesten Mini-Republik der Welt, arbeitet Bernd Schneider konsequent an seiner neuen Karriere als Torjäger. In der Schlussminute verwandelt er einen Handelfmeter zum entscheidenden 13:0. Entscheidend deshalb, weil damit der zweithöchste Länderspielsieg der deutschen Länderspielgeschichte geschafft ist, nach dem 16:0 gegen Russland bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm. Die Russen sollen damals schwer betrunken gewesen sein. Die Sanmarinesen sind noch so geistesgegenwärtig, dass sie Torhüter Jens Lehmann gestenreich davon abhalten, den Elfmeter auszuführen.

11. Oktober 2006 in Bratislava

4:1 gegen die Slowakei

Lukas Podolski spielt so gut wie zuletzt in den Tagen der Weltmeisterschaft. Zwei Tore, das erste und das letzte schießt er beim beeindruckenden Auftritt in Bratislava, und Löw rühmt ihn als „Juwel, er ist unglaublich weit für sein Alter“. Das Spiel in der ersten Halbzeit sei „annähernd perfekt gewesen“. Nur einer ist unzufrieden. Lukas Podolski. Er ärgert sich – über Michael Ballack, der ihn vor dem Spiel öffentlich zurechtgewiesen hatte. „Was andere sagen, ist mir scheißegal“, poltert der Münchner. Ballack reagiert gelassen: „Ein guter Spieler gibt die Antwort auf dem Platz. Das hat Lukas getan.“

15. November 2006 in Nikosia

1:1 gegen Zypern

Michael Ballack schießt sein 35. Länderspiel-Tor, aber es reicht nicht zum sechsten Sieg im sechsten Spiel unter Löw. Die Zyprer treten überraschend aggressiv auf und schaffen kurz vor der Pause durch Ioannis Okkas den Ausgleich. Der Bundestrainer sagt, man müsse auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein. Weniger zufrieden ist er damit, dass Miroslav Klose die zweite Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb sieht. Er ist damit gesperrt für das nächste Qualifikationsspiel, und das ist kein ganz unwichtiges, sondern das gegen Tschechen in Prag.

24. März 2007 in Prag

2:1 gegen Tschechien

Mario Gomez ist verletzt, Miroslav Klose gesperrt, aber es gibt ja noch Kevin Kuranyi. Der Schalker krönt das beste deutsche Länderspiel seit Jahren mit zwei Kopfballtoren. Der tschechische Trainer Karel Brückner verneigt sich vor den Deutschen: „Wir haben lange nicht mehr gegen eine so starke Mannschaft gespielt.“ War das schon das perfekte Spiel? „Nein, das perfekte Spiel gibt es im Fußball nicht“, sagt Löw. „Man kann immer nur versuchen, möglichst nahe ranzukommen.“

2. Juni 2007 in Nürnberg

6:0 gegen San Marino

Vor dem Spiel wird darüber gesprochen, ob das 16:0 gegen Russland wirklich ein Rekord für die Ewigkeit sein muss. „Gebt Gas, habt Spaß!“, sagt Manager Oliver Bierhoff, aber der Spaß lässt auf sich warten. Die erste Halbzeit ist fast vorbei, da schafft Kevin Kuranyi doch noch das 1:0. Der eingewechselte Mario Gomez schießt in zwei Minuten zwei Tore. Klose spielt 90 Minuten und geht leer aus. Dem Bremer schwirrt anderes durch den Kopf: der Wechsel zum FC Bayern.

6. Juni 2007 in Hamburg

2:1 gegen die Slowakei

Zehn Tage nach dem Saisonende spürt der Bundestrainer, „dass die Spieler im Kopf ein bisschen leer sind“, und kein Kopf ist so leer wie der von Miroslav Klose. Der Streit zwischen Werder und Bayern lähmt seine Beine, und als er sie doch einmal in Gang bekommt, ist der slowakische Verteidiger Durica schneller und schießt den Ball ins eigene Tor. Christoph Metzelder gelingt das gleiche Kunststück zum Ausgleich. Thomas Hitzlsperger schafft kurz vor der Pause das Siegtor, und Joachim Löw erkennt, dass seine Mannschaft mittlerweile gut genug ist, auch schwächere Spiele zu gewinnen.

8. September 2007 in Cardiff

2:0 gegen Wales

Weil Michael Ballack, Bernd Schneider und Tim Borowski in Cardiff fehlen, stellt Löw Bastian Schweinsteiger in die Zentrale. Der Münchner ist der beste Mann, auch Miroslav Klose beide Tore erzielt. Löw lobt Schweinsteiger als „präsent und willensstark, er hat das Spiel an sich gerissen und ist viel gelaufen“. Viel mehr kann man im modernen Fußball nicht tun.

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