Nationalmannschaft : Matthäus macht DFB-Team madig

Der Euphorie um die deutsche Nationalmannschaft versetzt Lothar Matthäus jetzt einen deutlichen Dämpfer: "Mal ehrlich: ist sie wirklich so erfolgreich?" Die DFB-Elf sei zu überbewertet, findet der Rekordnationalspieler und traut ihr bei der Euro 2008 wenig zu.

Lothar Matthäus
Kritische Töne: Matthäus sieht die DFB-Truppe nicht als Favorit. -Foto: ddp

Frankfurt/MainLothar Matthäus hält die deutsche Fußball-Nationalmannschaft derzeit für überbewertet und glaubt nicht an den Titel bei der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz. "Mal ehrlich: ist sie wirklich so erfolgreich? Erstens: wir sind in der EM-Qualifikation zwar gut gestartet - soweit ich weiß am Ende aber nur Zweiter geworden. Zweitens: wir hatten bei der Fifa-Wahl zum weltbesten Fußballer nur zwei Deutsche unter den 30 Nominierten. Drittens: wir sind bei der WM im eigenen Land Dritter geworden hinter zwei anderen europäischen Mannschaften. Vor diesem Hintergrund wird niemand ernsthaft behaupten können, wir seien der große EM-Favorit", sagte der 46-Jährige der Stuttgarter Zeitung.

Der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes fehlt es laut Matthäus vor allem an Spielerpersönlichkeiten, um einen großen Titel zu gewinnen. "Man muss nur die Ergebnisse anschauen: Wir waren die letzte goldene Generation, die es in Deutschland gegeben hat. Wir sind Weltmeister geworden. Heute hat sich die Nationalmannschaft zwar verbessert - mir fehlen aber nach wie vor die Typen", meinte der 150-malige Nationalspieler.

"Hinkel und Hildebrand haben nichts erreicht"

Das derzeit größte Dilemma des deutschen Fußballs sieht Matthäus, der zwischen 1988 und 1992 vier Jahre bei Inter Mailand spielte, in der Tatsache begründet, dass sich im Gegensatz zu seiner Zeit zu wenige deutsche Nationalspieler im Ausland durchsetzen. "Spieler wie Hinkel und Hildebrand hatten bei ihren Wechseln noch nicht die nötige Reife und Erfahrung, um sich gegen die Topstars durchzusetzen und in der Hierarchie nach oben zu kommen. Sie haben in ihrer Karriere noch nichts erreicht. Deshalb ist ihr Stellenwert in den Clubs nicht so hoch, deshalb haben sie Probleme", erklärte der Weltmeister von 1990.

Wenig erreicht hat Matthäus bislang in seinen sechs Jahren als Trainer. Dennoch gilt der gelernte Raumausstatter derzeit als ein Kandidat für die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld bei Rekordmeister Bayern München. "Was die Bayern betrifft: ich habe seit 1984 beste Kontakte, ich habe dort Riesenerfolge gehabt und kenne das Umfeld genau. Alles andere ist Spekulation", sagte Matthäus. Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte jüngst auf die Frage, ob er sich den zweimaligen Weltfußballer als Coach bei den Münchnern vorstellen könne, geantwortet: "Lothar Matthäus will ja im nächsten halben Jahr den Trainerschein machen. Dann hat er ja die Legitimation. Und dann werden wir uns sicherlich, anders als in der Vergangenheit, auch mal mit dem Thema beschäftigen." (hu/sid)

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