Nationalmannschaft : Nächster Schock: Auch Jansen verletzt

Ein lauter Aufschrei hallte über den Platz. Marcell Jansen musste das Training des Nationalteams verletzt abbrechen und fällt für die Spiele gegen Zypern und Wales aus.

Klaus Bergmann,Jens Mende[dpa]
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Marcell Jansen wird auch den Bayern mehrere Wochen fehlen. -Foto: dpa

BarsinghausenEine schwere Trainingsverletzung von Marcell Jansen hat die vorgesehene Startelf gegen Zypern erneut gesprengt, an einem mutigen Offensiv-Plan mit drei Stürmern will Bundestrainer Löw trotzdem festhalten. Nach 210 torlosen Minuten in der EM-Qualifikation soll es am Samstag in Hannover mit Lukas Podolski als verkappter Spitze hinter Miroslav Klose und Mario Gomez vorne endlich wieder krachen.

"Wir wollen die beiden letzten Spiele gegen Zypern und Wales gewinnen - dafür müssen wir Tore schießen", versprach der beim VfB Stuttgart zuletzt wieder treffsichere Gomez nach den jüngsten Nullnummern gegen Irland (0:0) und Tschechien (0:3) wieder Vollgas-Fußball. Mit bislang 31 erzielten Toren ist die deutsche Mannschaft vor Kroatien (25) mit Anstand die klare Nummer 1 unter den insgesamt 50 Nationen in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2008.

Jansen fällt mehrere Wochen aus

In speziellen Übungen und beim abschließenden Trainingsspiel testete Löw in Barsinghausen seine Zypern-Formation intensiv, bis ein lauter Aufschrei von Jansen dem Üben ein jähes Ende setzte. Der Abwehrspieler des FC Bayern, der im WM-Stadion von Hannover vor seinem Münchner Vereinskollegen Philipp Lahm im linken Mittelfeld agieren sollte, knickte beim Abwehrversuch eines Schusses von Roberto Hilbert mit dem rechten Standbein um und blieb am Boden liegen. Noch auf dem Platz wurde dem 22-Jährigen ein Tape-Verband angelegt, direkt im Anschluss ging es zur Untersuchung in die Klinik.

Dort gab es die auch für den FC Bayern bittere Diagnose: Jansen fällt mit einem Bänderabriss und Kapseleinriss am Sprunggelenk nicht nur für die letzten Länderspiele des Jahres aus, sondern er wird auch dem Bundesliga-Tabellenführer wochenlang fehlen. Über die Art der Behandlung soll erst nach weiteren Untersuchungen beim FC Bayern entschieden werden. Schon direkt nach dem Trainingsunfall hatten die DFB-Trainer Schlimmes geahnt, wie Co-Trainer Flick berichtete: "Marcell hat gleich aufgeschrien nach der Aktion und hatte Schmerzen."

Jansen ist nach dem Ausfall von Bayern-Kollege Bastian Schweinsteiger, der wegen einer Reizung des Schleimbeutels und der Kapsel am linken Knie passen muss, bereits der neunte verletzte Akteur. "Wir wollen nicht darüber reden, wer fehlt", kommentierte Löw, auch wenn insbesondere wegen des Ausfalls der gesamten Mittelfeldreihe Grund zum Jammern bestünde. "Uns fehlen 274 Länderspiele Erfahrung", bemerkte Flick angesichts des Fehlens von Michael Ballack (77 Einsätze), Bernd Schneider (80), Torsten Frings (70) und Schweinsteiger (47).

Kühner Plan mit Podolski

Wegen des personellen Notstandes im Mittelfeld und dem Verzicht auf Schweinsteiger, bei dem man kein Risiko eingehen wollte (Flick: "Die Gesundheit geht vor"), will Löw seine großen Möglichkeiten unter den Angreifern noch besser ausschöpfen und Klose, Gomez sowie Podolski aufbieten. Aber einen Systemwechsel von 4-4-2 auf 4-3-3 müsse das nicht bedeuten, so Löw: "Man muss sehen, ob die Drei auch alle im Sturm spielen." In den Übungseinheiten Abwehr gegen Angriff und im Trainingsspiel agierte Podolski halblinks als hängende Spitze, abgesichert von Thomas Hitzlsperger und Jansen.

Durch die Verletzung des Münchners sei die Drei-Stürmer-Variante keineswegs gestorben, verriet Flick. "Piotr Trochowski oder Tim Borowski können auch links spielen." Und man wolle Podolski einfach mal in der neuen Rolle sehen, fügte Löws Assistent hinzu. Im Gegensatz zu den erzwungenen Experimenten im Mittelfeld können die Trainer wenigstens in der Abwehr auf die erprobte WM-Formation mit Arne Friedrich, Per Mertesacker, Christoph Metzelder und Philipp Lahm vor Torhüter Jens Lehmann setzen.

Abgesehen von Jansens Verletzung wirkt die Vorbereitung auf das Finale der EM-Qualifikation sehr konzentriert und zielorientiert. Auf dem Platz geht es energisch zur Sache, aber auch bei einem Offroad-Training in Jeeps von DFB-Hauptsponsor Mercedes war Gasgeben angesagt.

Noch keine Verhandlungen über Titelprämie

Beim Poker um die EM-Prämien wird dagegen zumindest offiziell nicht aufs Tempo gedrückt. "Es ist nichts geplant. Ich weiß gar nicht, ob sich überhaupt die Gelegenheit ergibt", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach: "Weder von Seiten des DFB noch der Mannschaft gibt es irgendwelchen zeitlichen Druck." Dass bereits konkrete Varianten vorliegen, wonach die Nationalspieler bis zu 250.000 Euro Titelprämie pro Mann kassieren könnten, dafür aber erstmals erst ab Halbfinale Geld bekämen, wies Niersbach zurück: "Das ist falsch."

Die voraussichtliche Aufstellung:

Lehmann - Arne Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Fritz, Hitzlsperger, Borowski - Podolski - Klose, Gomez

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