Nationalmannschaft : Neuville: Erst Aufstieg, dann EM

Nach dem Tor gegen Polen bei der WM 2006 ist es ruhig geworden um Nationalspieler Oliver Neuville, der sich künftig von der Zweiten Liga aus für die DFB-Elf empfehlen will. Zuerst will der 34-Jährige aber Gladbach wieder in die Bundesliga führen.

Neuville
"Der Aufstieg ist machbar": Oliver Neuville hat sich für Gladbach entschieden. -Foto: ddp

MönchengladbachZum Meisterschaftsauftakt muss Oliver Neuville noch passen, doch schon bald wird er als wohl prominentester Profi ins Zweitliga-Rennen einsteigen. Der WM-Zweite, Champions-League-Finalist von 2002 und zumindest in einem Spiel Hauptdarsteller des Sommermärchens bei der WM 2006, hat sich trotz des Abstiegs früh zu Borussia Mönchengladbach bekannt und soll das Team als Kapitän zurück in die Bundesliga führen. "Der Aufstieg ist machbar. Wir sind besser besetzt als im letzten Jahr", sagte der 34 Jahre alte Stürmer vor seiner ersten Saison in der Zweiten Liga.

Seine Geschichte von der WM im Vorjahr erzählt der am Lago Maggiore in der Schweiz geborene Profi ungern. "Muss das sein?", fragt der Spieler mit der leisen Stimme. Eingewechselt im Vorrundenspiel gegen Polen, markierte der schnelle Stürmer in der Nachspielzeit nach Flanke von David Odonkor den vielumjubelten 1:0-Siegtreffer und legte damit den Grundstein für Fußball-Euphorie im Lande. Doch nach einer äußerst unglücklich verlaufenen Saison im Anschluss an die WM mag Neuville nicht mehr zurückblicken.

"Unser großes Problem war der Offensivbereich"

Auf nur 16 Einsätze kam der häufig verletzte Torjäger nach der WM und musste von außen beobachten, wie sein Team in 19 Spielen ohne eigenen Treffer blieb. "Das hat sehr wehgetan. Unser großes Problem war der Offensivbereich", befand Borussias Kapitän. "Jetzt haben wir mit Sascha Rösler aber endlich einen Mittelfeldspieler, der sechs bis acht Tore in der Saison schießen kann."

Dass sich der Nationalspieler als einer der ersten im Kader klar zum Verein bekannte, gefiel den Fans ebenso wie Trainer Jos Luhukay: "Das war ein positives Signal für uns intern, aber auch für den einen oder anderen Neuzugang, den man so überzeugen konnte, dass man eine gute Mannschaft zusammenstellt", sagte der Borussen-Coach. Neuville schlug einige andere Angebote aus, auch sein ehemaliger Verein Hansa Rostock war eine Alternative. Luhukay machte seinen dienstältesten Profi zum Mannschaftskapitän. "Ich hoffe, dass das Stimulanz für ihn ist, wieder an seine alte Stärke heranzukommen", sagt sein Trainer.

Traum EM 2008

Der Wiederaufstieg ist das erste von zwei Zielen des Routiniers. Das zweite soll der Abschluss seiner internationalen Karriere sein: die Teilnahme an der EM in Österreich und der Schweiz im kommenden Sommer. "Wenn ich im Verein meine Leistung bringe, dann schauen wir mal, was kommt", sagt der 65-malige Nationalspieler und hat dabei keine Angst vor der weitaus jüngeren Konkurrenz wie etwa dem Stuttgarter Mario Gomez: "Joachim Löw weiß, was er an mir hat, und ich kenne meine Rolle im Team. Da der Bundestrainer immer fünf Stürmer dabei haben will, habe ich noch gute Chancen."

Dass Neuville, der wegen einer Verletzung am Sprunggelenk sieben bis 14 Tage pausiert, sich über die Zweite Liga empfehlen muss und zum Zeitpunkt der EM 35 Jahre alt sein wird, stört ihn nicht. "Das einzige, was für mich zählt, ist, was der Trainer und meine Mitspieler sagen. Auch bei der WM 2006 hatte mich anfangs nicht jeder auf der Rechnung." Und dann muss er die Geschichte mit dem Tor gegen Polen doch noch erzählen. (mit dpa)

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