Nationalmannschaft : Özil verletzt – fällt er in Istanbul aus?

Für Mesut Özil wäre es ein ganz besonderes EM-Qualifikationsspiel - am Freitagabend in der Türkei. Doch der Real-Spieler ist verletzt. Fraglich ist auch der Einsatz von Miroslav Klose.

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Mesut Özil muss um seinen Einsatz gegen die Türkei bangen.
Mesut Özil muss um seinen Einsatz gegen die Türkei bangen.

Zu den bisher weitgehend unterschätzten Fähigkeiten des Bundestrainers Joachim Löw zählen seine Leistungen auf medizinischem Gebiet. Er hat eine wirksame Therapie gegen die sogenannte taktische Zerrung entwickelt, die früher immer dann gehäuft bei den deutschen Fußball-Nationalspielern auftrat, wenn ein unbedeutendes Länderspiel anstand. Die Verletzung darf inzwischen in Deutschland als nahezu ausgestorben gelten, und Dr. med. Löw hat ganz energisch der Meldung widersprochen, dass es in seiner Mannschaft einen neuen Fall gibt. Bei Mesut Özil sind nämlich Zweifel aufgekommen, ob er wirklich verletzt ist. In Istanbul wurde der Bundestrainer von türkischen Journalisten mit dem Gerücht konfrontiert, Özil habe ihn darum gebeten, nicht spielen zu müssen. „Dem ist nicht so“, sagte Löw. „Mesut wollte unbedingt mit nach Istanbul, und er will unbedingt spielen. Das ist auf jeden Fall die Realität und die Wahrheit.“

Bei Özils Verletzung handelt es sich also definitiv um eine reale Blessur. Er leidet unter einer Achillessehnenreizung, die er sich schon am vorigen Wochenende im Spiel von Real Madrid gegen Espanyol Barcelona zugezogen hat. „Ich habe Schmerzen“, berichtete der türkischstämmige Nationalspieler gestern Nachmittag. „Mal schauen, was wird.“ Ob Özil im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei mitwirken kann, entscheidet sich erst im Laufe des Freitags, ebenso verhält es sich bei Miroslav Klose (Bluterguss am Knie). Mario Gomez (Adduktorenprobleme) hingegen konnte das komplette Abschlusstraining absolvieren und kann spielen.

Sollte Mesut Özil rechtzeitig fit werden und auf dem Platz stehen, wird es ihm wohl ähnlich ergehen wie im Hinspiel vor einem Jahr in Berlin, als das türkische Publikum jede seiner Aktionen mit Pfiffen begleitete. Angst habe er deswegen nicht. „Ich kann mit den Pfiffen umgehen“, sagt Özil, der sich für die deutsche Nationalmannschaft und damit gegen die türkische entschieden hat. „Mir macht das nichts aus.“ In Berlin erzielte er sogar ein Tor zum 3:0-Sieg der Deutschen.

„Natürlich beeinflusst er unser Spiel“, sagte Löw über Özil. „Er ist derjenige, der die Angriffe zu Ende bringen und den tödlichen Pass spielen kann. Da ist der Mesut genial.“ Insofern sollte man den Unmut der türkischen Fans weniger als Ausdruck großer Wut deuten. In den Pfiffen entlädt sich eher das Bedauern, dass der türkischen Mannschaft ein Stück Genialität verloren gegangen ist.

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