Nationalmannschaft : Ohne Lahm gegen Wales

Die Sorgenfalten von Jogi Löw werden vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Wales immer größer. Mit Philipp Lahm fällt seine Allzweckwaffe in der Defensive aus. Hinter dem Einsatz von Torhüter Jens Lehmann steht hingegen kein Fragezeichen mehr.

Philipp Lahm
Philipp Lahm wird gegen Wales fehlen. -Foto: dpa

KölnAm Samstag wird es zum ersten Mal ernst für die deutsche Nationalmannschaft in der EM-Saison. Im Spiel gegen Wales in Cardiff kann die Truppe von Jogi Löw die Weichen für die Teilnahme an der EM 2008 in Österreich und Schweiz stellen. Doch die Verletztenliste wird immer länger. Nach dem schwer dezimierten Mittelfeld mit den Ausfällen Ballack, Schneider und Frings kam ihm jetzt auch mit Philipp Lahm sein wichtigster Abwehrspieler abhanden. Der Münchner verletzte sich gestern im Training und musste mit einer Innenbanddehnung im linken Knie zurück nach München reisen. Damit wird der Bundestrainer gerade in der Abwehr und im Mittelfeld noch mehr improvisieren. Einsatzbereit sind dagegen Torwart Jens Lehmann und der bis gestern fragliche Shooting-Star Mario Gomez. Zum Problemfall wird jedenfalls die vakante Sechser-Position im defensiven Mittelfeld.

Immerhin der Einsatz von Jens Lehmann steht außer Frage: Der Torhüter zeigte sich am Donnerstag auch verbal schon auf Betriebstemperatur für das erwartete Kampfspiel in Cardiff. Der 37-Jährige reagierte bei der Pressekonferenz wütend auf Fragen nach seinem Status als Nummer 1 beim FC Arsenal. "Die ganzen Interpretationen gehen mir so auf den Nerv. Arsene Wenger wird mich wieder aufstellen. Ich werde wieder spielen", fauchte Lehmann im Kölner Gürzenich, wo sonst Karnevalisten in der Bütt stehen.

Die Aggressivität des Torhüters, dem Achillessehne und Ellbogen immer noch Kummer und Schmerzen bereiten, erhoffen sich die Trainer von ihrem gesamten Personal auch im Millennium-Stadion. "Wales ist eine Mannschaft, die leidenschaftlich spielt und kämpft. Es gilt, da dagegenzuhalten", sagte Co-Trainer Hans-Dieter Flick. Die erfreuliche Nachricht aus der medizinischen Abteilung, dass alle Spieler am Samstag (20.30 Uhr/ZDF) einsatzfähig sein sollen, hatte sich am Abend durch den Lahm-Ausfall überholt. Aber: "Auch Mario Gomez hat wieder Grünes Licht bekommen", sagte Flick über den Stürmer des VfB Stuttgart, der über muskuläre Probleme geklagt hatte.

Kuranyi und Klose im Sturm

Gomez ist allerdings nur als "Joker" vorgesehen, erste Wahl im Sturm sind der zuletzt so treffsichere Schalker Kevin Kuranyi und der Neu-Münchner Miroslav Klose. Der WM-Torschützenkönig wird nach dem Ausfall des verletzten Michael Ballack sowie des gesperrten Bernd Schneider die Nationalelf in seinem 70. Länderspiel erstmals als Kapitän anführen. Das nach der Rückkehr von Klose, Gomez und auch Lukas Podolski wieder "große Potenzial im Sturm" (Flick) will die sportliche Leitung für ein mutiges Auftreten gegen die spielerisch limitierten Waliser ausnutzen. "Wir sind in der Lage, spielerisch eine Überlegenheit zu haben", betonte Löw.

Über die Flügel soll auf die kampfstarken Waliser Druck gemacht werden. Als doppelte Flügel-Variante böte es sich an, links ein Pärchen mit Christian Pander (hinten) und Marcell Jansen (davor) zu bilden. Rechts sind die Chancen von Arne Friedrich wieder gestiegen. Vor dem Berliner stehen Piotr Trochowski oder Roberto Hilbert bereit. In einem 4-4-2-System könnte dann Thomas Hitzlsperger an der Seite des zum Mittelfeldchef beförderten Bastian Schweinsteiger fungieren.

Gelassenheit nach der Erfolg gegen England

Unabhängig von der offenen Mittelfeldbesetzung ist erstaunlich, wie gelassen nach dem positiven Erlebnis von Wembley mit dem Fehlen der Top-Kräfte Ballack, Frings und Schneider umgegangen wird. "Klar tun solche Ausfälle weh. Aber wir haben viel Selbstvertrauen. Es macht uns stark, dass neue Spieler kommen und diese Aufgaben sehr gut übernehmen", sagte Lahm, bevor er selbst zum nächsten Ausfall wurde.

Vor dem Hintergrund des 2:1 in England "haben wir eine gute Moral", betonte auch Lehmann. Der Torwart bemühte sich, weiterhin bestehende Zweifel an seiner Fitness zu zerstreuen: "Es zwickt ab und zu mal, geht aber sofort wieder weg", sagte Lehmann zu seinen immer wieder schmerzverzerrten Griffen an den rechten Arm nach der Abwehr von "harten Bällen" beim Training. Letzte Gewissheit wird erst Cardiff bringen, wie der 37-Jährige selbst einräumte: "90 Minuten Spiel ist immer etwas anderes als Training."

Die voraussichtliche Aufstellung:

Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Pander - Trochowski, Schweinsteiger, Hitzlsperger, Jansen - Klose, Kuranyi (mec mit dpa)

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