Nationalmannschaft : Philipp Lahm - ein Wort zum deutschen Kapitän

Sieben Spieler der deutschen Mannschaft kämpfen vor dem Spiel gegen Frankreich mit einer Erkältung - und alle warten auf die Entscheidung, wo Philipp Lahm spielen wird. Und was passiert nach dem Spiel? Wir beantworten die wichtigsten Fragen vor dem Viertelfinale.

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Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, trainiert vor dem Viertelfinale Deutschland - Frankreich bei der WM 2014 in Brasilien.
Ein Mann, ein Ball, zwei mögliche Positionen: Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, trainiert vor dem...Foto: dpa

Wer zittert?

Die Deutschen. Aber das hat vor allem gesundheitliche Gründe. Gleich sieben Spieler hatten vor dem Viertelfinale gegen Frankreich mit den Symptomen einer aufkommenden oder abklingenden Erkältung zu kämpfen. Christoph Kramer klagte sogar über Schüttelfrost. Dass der heutige Gegner gar keine körperlichen Reaktionen bei den Deutschen auslöst, lässt sich allerdings auch nicht behaupten. Die Achtung vor den Franzosen ist extrem hoch – und das mit Recht.

Von den vergangenen neun Spielen haben sie kein einziges verloren und sieben gewonnen, bei einer Tordifferenz von 28:3. „Es ist das erste Mal, dass wir bei dieser WM nicht Favorit sind“, sagt Manager Oliver Bierhoff. Torhüter Manuel Neuer hat bei Deutschlands Viertelfinalgegner das Gefühl gewonnen, „dass das ganze Team auf einer Euphoriewelle schwebt“. Bei der WM hat die Équipe tricolore bisher den stabilsten Eindruck hinterlassen. „Sie sind relativ sicher“, sagt Neuer. „Das ist ein Zeichen, dass sie im Turnier sind.“ Aber das können die Deutschen ja heute ändern.

Wie wird’s Wetter?

Nach dem Ausflug ins herbstliche Porto Alegre (14 Grad) dürfen die Deutschen heute wieder unter gewohnten Bedingungen spielen. Die Internetseite Climatempo.br sagt für Rio de Janeiro bis Ende der Woche Hitze und Sonne vorher, zur Anstoßzeit werden 31 Grad erwartet. Erkältungsgefahr besteht nicht. Allerdings lautete die Vorhersage für Recife zum Spiel gegen die USA: 29 Grad, Sonne.

Joachim Löw hält sich noch mit der Frage zurück, wo Philipp Lahm spielen wird.
Joachim Löw hält sich noch mit der Frage zurück, wo Philipp Lahm spielen wird.Foto: dpa

Wo geht die Reise hin?

Auf jeden Fall nach Santo André – selbst wenn die Deutschen gegen Frankreich verlieren sollten. Die Variante, nach einer Niederlage direkt von Rio in die Heimat zurückzufliegen, hat die sportliche Leitung verworfen. Aus logistischer Sicht mag das unlogisch sein, weil das 800-Seelen-Dorf Santo André nicht gerade als Luftverkehrsknotenpunkt bekannt ist. Die Gründe sind eher psychologischer Natur. Die Spieler sollten vor dem Viertelfinale nicht mit einem Gefühl des Abschieds ihr Quartier verlassen. „Das wäre ein bisschen wie Packen im Kopf“, sagt Manager Bierhoff. Auch die Planung fürs Weiterkommen steht weitgehend. Einen Besuch der Fanmeile in Berlin wird es nur nach dem Gewinn des Weltpokals geben. „Das kann man den Spielern nicht zumuten, dass man nach einem zweiten oder dritten Platz noch mal irgendwo hinfährt und sich feiern lässt“, sagt Bierhoff.

Was lernen wir aus der Geschichte?

Wolfgang Niersbach, 63, hat nicht nur sämtliche Länderspiele seit Ende des Ersten Weltkriegs gesehen, er kann auch die Aufstellungen aller deutschen Nationalmannschaften runterrasseln. Schon vor der WM hat der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes auf einige interessante historische Analogien hingewiesen, die Anlass zur Hoffnung geben. Das heutige Viertelfinale fällt auf den 60. Jahrestag des Wunders von Bern. Würde die Nationalmannschaft sich fürs Halbfinale qualifizieren, spielte sie am 8. Juli. Am 8. Juli 1990 haben die Deutschen zum bisher letzten Mal den WM-Titel gewonnen. Dummerweise jährt sich heute auch das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2006. Sie erinnern sich? Dortmund, Italien, die 119. Minute.

Ein Wort zum deutschen Kapitän …

Eins ist sicher: Philipp Lahm wird spielen. Wo? Das weiß wohl nur der Bundestrainer. Geht es nach der Prominenz aus Politik, Gesellschaft und Showgeschäft, müsste Lahm in der Viererkette auflaufen. Auch das gemeine Volk tendiert eher zu dieser Lösung. Doch Joachim Löw hat noch nie demokratisch über seine Aufstellung abstimmen lassen. Beide Varianten – Lahm in der Viererkette, Lahm im Mittelfeld – sind denkbar; für beide gibt es gute Gründe.

Der Deutschlandtrend geht derzeit eher davon aus, dass Löw vor der öffentlichen Meinung einknickt und den Kapitän in der Abwehr spielen lässt. Allerdings würde das bedeuten, dass im zentralen Mittelfeld die beiden Rekonvaleszenten Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger aufliefen. In einem K.-o.-Spiel, das über 120 Minuten gehen kann, wäre das eine zumindest gewagte Idee. Oliver Bierhoff hat daher vorsichtshalber schon verfügt: „In jedem Fall trifft Löw eine fundierte Entscheidung.“

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