• Nationalmannschaft Portugal: Drei Mal gewonnen? Nichts gewonnen! Trainer Coelho lässt die Euphorie seiner Landsleute kalt

Sport : Nationalmannschaft Portugal: Drei Mal gewonnen? Nichts gewonnen! Trainer Coelho lässt die Euphorie seiner Landsleute kalt

Die mit großem Stolz und leiser Schadenfreude bejubelte "Beerdigung Deutschlands mit der zweiten Mannschaft" hat in Portugal die EM-Euphorie in Hysterie verwandelt und Trainer Humberto Coelho in eine Zwickmühle gestürzt. Doch das 3:0, mit dem seine vermeintlich zweitklassige Auswahl Europameister Deutschland in Rotterdam entthronte und in der zweiten Spielhälfte nach Herzenslust vorführte, ließ den 50-Jährigen kalt. "Natürlich sind wir begeistert, aber wir haben noch nichts gewonnen", sagte Coelho vier Tage vor dem Viertelfinale gegen die Türkei, während die Fans pausenlos ihr "Campeoes, Campeoes" intonierten.

"Portugal unbesiegbar", titelte die Zeitung "Diario de Noticias". Ein Eindruck, dem sich sogar der Innenminister tief bewegt anschloss. "Portugal kann ins Finale kommen und Europameister werden", sagte Fernando Gomes, der die "90 unglaublichen Minuten" in der Endspiel-Arena "De Kuip" an der Seite seines Amtskollegen Otto Schily verfolgt hatte. Lächelnd gab er dessen Worte beim Glückwünsch nach dem Schlusspfiff wider: "Und das war nicht einmal Eure erste Elf?" Es war tatsächlich nur die zweite. Aber einige der ballgewandten Spieler, denen im Gegensatz zu ihren deutschen Sparringspartnern der Spaß am Fußball anzumerken war, meldeten Ansprüche auf eine Beförderung in die erste Elf für das Türkei-Spiel an. Allen voran der dreifache Torschütze Sergio Conceicao, dessen Hattrick der erste bei einer EM seit Marco van Bastens "Dreierpack" beim niederländischen 3:1-Sieg gegen England 1988 in Deutschland war.

"Ich danke Gott für seine Hilfe", sagte der Held des Abends, dem trotzdem die Rückkehr auf die Bank droht. "Ich gehöre eigentlich in die erste Elf, aber wir haben 22 gute Spieler, die im Team stehen wollen", sagte der Rechtsaußen von Lazio Rom. Teamgeist geht vor Eigensinn - dieses Erfolgscredo wollte nicht einmal der Star des Spiels, der nach der ersten Partie gegen England noch über seine Reservistenrolle geklagt hatte, ignorieren. "Der Trainer entscheidet. Ich bin zufrieden, dass ich zeigen konnte, dass ich jederzeit eingesetzt werden kann. Dieses Spiel wird in meiner Erinnerung bleiben", sagte Conceicao, der im 27. Länderspiel seine Treffer drei bis fünf erzielte; das erste mit dem Kopf (38.), das zweite mit links (54.) und das dritte mit rechts (71.).

Conceicao aber hat das Pech, dass es auf der rechten Seite einen noch Besseren gibt: Luis Figo. Der geschonte Top-Star, der Conceicao demonstrativ nach seinem dritten Streich an der Seitenlinie in die Arme schloss und damit den Teamgeist vorlebte, könnte gegen die Türken allerdings auch links spielen. Heiße Personaldebatten und Härtefälle sind beim Geheimfavoriten programmiert - nur Coelho lässt auch das kalt: "Das ist kein Problem für mich. Ein Problem wäre es, keine Spieler wie Figo und Conceicao im Team zu haben." So wie Deutschland, hätte Coelho hinzufügen können.

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