Nationalmannschaft : Quälendes Finale

Die Iren erwiesen sich als harter und widerstandsfähiger Widersacher. Am Ende reichte es für die deutsche Nationalmannschaft zu einem glücklichen 0:0, sie sicherte sich damit als erstes Team die Teilnahme an der Europameisterschaft.

Michael Rosentritt[Dublin]
Lehmann
In Bedrängnis. Torhüter Jens Lehmann stand mehrfach im Brennpunkt des Geschehens. -Foto: ddp

Die Iren gelten, nicht ganz zu Unrecht, als ein sehr robuster Menschenschlag. Die direkte Konfrontation mit ihnen kann manchmal sehr schmerzhaft sein. Bastian Schweinsteiger, deutscher Fußball-Nationalspieler, brauchte gestern Abend im EM-Qualifikationsspiel in Dublin etwas mehr als zehn Minuten für diese Erkenntnis. Bei einem Zweikampf in der Luft knallte er mit seinem Kopf gegen den des Iren Kevin Kilbane. Schweinsteiger blutete, er zog sich eine vier Zentimeter lange Platzwunde zu, musste in der Kabine genäht werden und kam anschließend nicht aufs Feld zurück. Anders als Kilbane. Wie schon im Hinspiel in Stuttgart vor 13 Monaten erwiesen sich die Iren als harter und widerstandsfähiger Widersacher. Am Ende reichte es für die deutsche Nationalmannschaft zu einem glücklichen 0:0, sie sicherte sich damit als erstes Team die Teilnahme an der Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz. Es war das quälende Finale einer an sich souveränen Qualifikation.
      
Die Iren gingen anfangs sehr aggressiv in die Zweikämpfe und verhinderten damit das, was Bundestrainer Joachim Löw als die neue Qualität seiner Mannschaft bezeichnet hatte: dass sie in der Lage sei, dem Gegner stets ihr Spiel aufzuzwingen. Mehr als eine Viertelstunde dauerte es, ehe die Deutschen einen würdigen Angriff zuwege brachten. Nach einer feinen Direktkombination flankte Marcell Jansen von der linken Seite in den irischen Strafraum, Mario Gomez lenkte die Hereingabe mit dem Fuß über das Tor.

Der Ausfall von Bastian Schweinsteiger vergrößerte die Sorgen von Bundestrainer Löw, der ohnehin auf Ballack, Klose, Lahm, Schneider, Borowski, Hitzlsperger und Hilbert verzichten musste. Vor allem das kreative Defizit im Mittelfeld machte sich bemerkbar, obwohl Torsten Frings nach seiner Verletzung in die Mannschaft zurückkehrte. Aber der Bremer verkörpert eher das kämpferische Element, zudem war ihm die lange Pause anzumerken, viel deutlicher als Torhüter Jens Lehmann, der nach knapp zwei Monaten wieder im Tor stand.

Lehmann, der beim FC Arsenal derzeit ohne Stammplatz ist, bewahrte die Mannschaft nach einer halben Stunde vor einem Rückstand. Nach einem vertikalen Pass in die Tiefe, der sogar Jürgen Klinsmann verzückt hätte, stand Robbie Keane völlig frei vor dem deutschen Tor. Lehmann lenkte seinen Schuss zur Ecke. In dieser Phase des Spiels wirkte die deutsche Defensive ein wenig zu selbstgewiss und lethargisch. Ihre Versäumnisse blieben allerdings ohne negative Folgen.

Genauso war es unmittelbar nach der Pause, als die Iren gehörigen Druck ausübten. Lehmann musste mehrmals retten, einmal erneut gegen den frei vor ihm auftauchenden Keane, der den Ball aber nicht richtig traf. Kurz darauf eilte Lehmann etwas übermotiviert aus seinem Tor heraus, spielte den Ball ins Aus, verhinderte dann aber einen schnellen Einwurf der Iren und sah dafür die Gelbe Karte. Weil es die zweite im laufenden Wettbewerb ist, fehlt Lehmann am Mittwoch gegen Tschechien. Der Wucht der Iren hatten die Deutsche in der Offensive wenig entgegenzusetzen. Die beste Chance bot sich Christoph Metzelder nach einer Ecke. Finnan wehrte seinen Kopfball auf der Linie ab. Erst nach der Einwechslung von Lukas Podolski wurde das deutsche Angriffsspiel etwas munterer, doch alles in allem war es das vermutlich schwächste Spiel der Ära Löw. Aber das war an diesem Abend dann doch zweitrangig.  

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