Nationalmannschaft : Stürmer-Engpass lässt Kuranyi hoffen

Bundestrainer Joachim Löw geht mit erheblichen Stürmersorgen in das Länderspiel-Jahr 2007. Das lässt Kevin Kuranyi nach seinem prächtigen Start in die Bundesliga-Rückrunde auf Nationalmannschafts-Comeback hoffen.

München - Mit seinen zwei Toren und einer länderspielreifen Leistung beim Schalker 3:1-Sieg in Frankfurt beeindruckte der 24-Jährige auch Tribünengast Löw, der sein Aufgebot für das Freundschaftsspiel gegen die Schweiz am Mittwoch kommender Woche in Düsseldorf an diesem Donnerstag bekannt gibt. "Alles ist offen. Was die Nominierung betrifft, wollen wir erst noch die Bundesligaspiele am Dienstag und Mittwoch abwarten. Dann fällt die Entscheidung", sagte Löw.

Der Kader wird sich weitgehend aus den bewährten Kräften der WM und der bisherigen EM-Qualifikationsspiele zusammensetzen. Diese Akteure haben beim Bundestrainer "einen Vorsprung". Ein Bundesligaspiel nach der Winterpause sei dagegen "nicht ausschlaggebend", bemerkte Löw.

"Per kehrt auf jeden Fall zurück"

Die wichtigste Erkenntnis beim Rückrundenbeginn war für den Bundestrainer zunächst, dass Akteure wie Christoph Metzelder, Marcell Jansen oder Tim Borowski nach ihren Verletzungen zurück seien. "Wichtig ist, dass sie jetzt ihren Spielrhythmus aufnehmen", sagte Löw. Borowski wird schon gegen die Schweiz wieder dabei sein, beim Gladbacher Jansen und insbesondere beim Dortmunder Metzelder will Löw auch noch Rücksprache mit den jeweiligen Clubtrainern halten.

"Metzelder hat ein halbes Jahr nicht gespielt. Man darf die Spieler, die lange weg waren, auch nicht überlasten", gab Löw zu bedenken. So hatte er es im Herbst auch bei Per Mertesacker gehalten, der nach seiner Fersen-Operation gegen die Schweiz erstmals seit der WM wieder für Deutschland auflaufen soll. "Per kehrt auf jeden Fall zurück. Jetzt hat er ja permanent gespielt in Bremen", sagte Löw.

Kuranyi hat sein 35. und bislang letztes Länderspiel im November 2005 in Paris beim 0:0 gegen Frankreich bestritten. Sechs Monate später folgte für ihn mit der WM-Ausbootung ein Tiefpunkt, den er bis heute nicht verwunden hat: "Ein Traum ist damals kaputtgegangen."

Podolski und Klose gesperrt

Seit dem WM-Sommermärchen sind Miroslav Klose und Lukas Podolski Deutschlands Paradesturm - Kuranyi dagegen suchte bei Schalke lange seine Form. In Frankfurt habe ihm Kuranyi "gut gefallen", sagte Löw der "Bild"-Zeitung. Dem Schalker könnte ein personeller Engpass im Angriff die Rückkehr in das DFB-Team erleichtern: Podolski ist nach seiner Roten Karte im Testspiel gegen Georgien gegen die Schweiz gesperrt. Und Klose muss ausgerechnet beim folgenden Spitzenspiel in der EM-Qualifikation am 24. März in Prag gegen Tschechien eine Gelb-Sperre absitzen. Ob Oliver Neuville (Adduktoren-Operation) bis dahin wieder richtig fit wird, ist zudem offen. Gegen die Schweiz fällt der Gladbacher Routinier auf jeden Fall aus.

"Wir müssen auch schon Richtung Tschechien schauen", räumte Löw ein. Neben Klose stehen ihm für das Schweiz-Spiel im Angriff nur noch Mike Hanke und Jan Schlaudraff zur Verfügung. Die Frage lautet: Holt Löw den erfahrenen Kuranyi zurück, oder gibt er einem weiteren Perspektivspieler eine Chance? Schon seit längerem liebäugelt er mit dem Stuttgarter Mario Gomez (21) und dem Leverkusener Stefan Kießling (22). Den achtfachen Saisontorschützen Gomez wollte Löw am Dienstagabend in Stuttgart im Heimspiel des VfB gegen Arminia Bielefeld beobachten. Kuranyi könnte am Mittwoch, einen Tag vor der Nominierung, mit Toren gegen Aachen noch einmal für sich werben: "Wenn ich meine Leistung bringe, kommt alles von alleine." (Von Klaus Bergmann, dpa)

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