Nationalmannschaft : Stürmer rangeln um Platz in Startelf

Wer darf gegen Irland stürmen? Für Bundestrainer Jogi Löw ist Kevin Kuranyi gesetzt. Statt Lukas Podolski könnte aber Mario Gomez zum Zug kommen.

Gomez
Chance für Gomez? Bundestrainer Löw hat sich noch nicht auf das Sturmduo für das Spiel gegen Irland festgelegt. -Foto: ddp

Berlin Beim 1:0-Hinspielerfolg gegen Irland war Lukas Podolski vor 13 Monaten noch der umjubelte Siegtorschütze - jetzt droht dem Edelreservisten des FC Bayern auch im Nationalteam die Ersatzbank. Bundestrainer Joachim Löw gab dem 22-jährigen Münchner trotz des Ausfalls von WM-Torschützenkönig Miroslav Klose nicht die erwartete Startelf-Garantie im EM-Qualifikationsspiel gegen Irland. An diesem Samstag (20:45 Uhr/ARD) in Dublin ist nur Kevin Kuranyi im Angriff der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesetzt, beim Partner des Schalkers schwankt Löw zwischen Podolski und dem Stuttgarter Mario Gomez. "Die Entscheidung ist da noch nicht gefallen", sagte Löw einen Tag vor der Abreise aus Berlin.
    
Der Bundestrainer will sich bei seiner Wahl bis nach dem Abschlusstraining im "Croke Park" von Dublin am Freitagabend Zeit lassen - der letzte Eindruck wird wohl entscheiden. "Beide Spieler können eminent wichtig sein", sagte Löw. Für beide Kandidaten führte er gute Argumente an: "Mario Gomez hat häufiger gespielt, Lukas Podolski hat zuletzt gegen Rumänien ein Tor erzielt."

Die Statistik spricht für Podolski

Mit 23 Treffern in bislang 40 Länderspielen ist Podolski noch vor Kuranyi (19) der erfolgreichste Torschütze im 19-köpfigen Kader, aber aktuell hat der ehemalige Kölner vor allem ein großes Handicap. "Er hat noch nicht die erhoffte Anzahl an Spielen und keinen Rhythmus", bemerkte Löw, der weiß, dass eine Nichtberücksichtigung Podolskis für die Startelf einen weiteren Rückschlag für den Jungstar bedeuten würde. Erst recht, nachdem sich Podolski im "Kicker" sehr kämpferisch zu seiner schwierigen Situation in München äußerte: "Ich werde mich durchsetzen. Bayern ist die richtige Adresse."

Gomez brennt ebenfalls auf einen Einsatz, zumal er sein körperliches Tief vom vergangenen Wochenende überwunden glaubt: "Im Prinzip bin ich wieder topfit." Drei Länderspiele, drei Treffer stehen für den 22-jährigen Stuttgarter im DFB-Team bislang zu Buche.

Frings und Schweinsteiger gesetzt

Offen in der Aufstellung sind außerdem noch zwei Positionen im Mittelfeld. Bastian Schweinsteiger ist ebenso wie Rückkehrer Torsten Frings gesetzt, auch wenn der Bremer nach einer Knieverletzung noch nicht wieder in Topform ist. "Ich spüre eine unheimliche Freude bei Torsten. Wir werden ihn als Kapitän aufs Spielfeld schicken", kündigte Löw an. Auf den Außenbahnen fällt die Wahl zwischen David Odonkor und Clemens Fritz rechts sowie Piotr Trochowski und Simon Rolfes links. Der 25-jährige Rolfes, der heute seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen bis 2010 verlängerte, hat offenbar gute Chancen. Löw lobte die "enorm hohe Passsicherheit" des großen Blonden, der zudem zweikampfstärker ist als der kleine HSV-Wirbler Trochowski.

Abwehrkraft wird besonders gefragt sein gegen die Iren, die als Tabellendritter unbedingt gewinnen müssen, um ihre letzte Chance auf ein EM-Ticket zu wahren. "Wir werden an die Grenzen gehen müssen", prophezeite Löw, der die Iren spielerisch im Moment sogar für "besser als die Engländer" hält. Und obwohl in Michael Ballack, Miroslav Klose, Bernd Schneider und Philipp Lahm "das Herzstück" der DFB-Auswahl in Dublin fehlen wird, glaubt der Bundestrainer fest daran, den noch fehlenden Punkt für die Qualifikation für die EM 2008 zu holen. "Wir konnten die Ausfälle bislang immer kompensieren - und das werden wir dieses Mal wieder schaffen", erklärte Löw.

Sorgen um die Nummer 1

Dazu soll gerade die Abwehr beitragen, die in den bislang 14 Länderspielen unter dem Klinsmann-Nachfolger nie mehr als ein Tor zuließ. Maßgeblich für diese Stabilität sind die Innenverteidiger Per Mertesacker und Christoph Metzelder, die in Dublin zusammen mit Arne Friedrich und Marcell Jansen die Viererkette bilden werden. "Sie sind unglaublich souverän, abgeklärt, zweikampfstark und spielen taktisch sehr gut", lobte Löw das WM-Duo. Rückendeckung erhält - zumindest vorerst - auch weiterhin Jens Lehmann. Noch steht Löw fest zu seiner Nummer 1, die fünf Wochen nach dem 2:0 in Wales erstmals wieder im Tor stehen wird. Die Verletzung am Ellbogen ist auskuriert. "Jens fordert sich im Training bis zum Äußerten", berichtete Löw.

Dass Lehmann beim FC Arsenal nicht mehr gesetzt ist, beunruhigt aber auch die Nationalmannschaftsführung inzwischen sehr. "Sollte sich die Situation nicht ändern, muss man sich im Dezember mal unterhalten, was es zu tun gibt", kommentierte Löw. Teammanager Oliver Bierhoff riet Lehmann bereits, im Hinblick auf die EM notfalls in der Winterpause den Verein zu wechseln. "Natürlich brauchen wir Spieler, die eine gewisse Spielpraxis mitbringen", sagte Löw. Podolski könnte schon gegen Irland deswegen zweite Wahl sein.


Voraussichtliche Aufstellung:

Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Jansen - Fritz, Frings, Schweinsteiger, Rolfes - Kuranyi, Gomez
(mit dpa)  

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