Sport : Nationalmannschaft: Super-Marios Rückkehr und andere Schnapsideen

Für den Neuaufbau der deutschen Fußball-Nationalelf werden als erstes ausgerechnet zwei alte Namen aus der Versenkung geholt. Nachdem der 31-jährige Münchner Stefan Effenberg dem neuen Teamchef Rudi Völler inzwischen sogar seine Gesprächsbereitschaft signalisierte, ist plötzlich auch Mario Basler wieder im Gespräch. "Ich würde Mario hinbekommen", sagte der zukünftige Bundestrainer Christoph Daum in der "Sportbild".

Während Teamchef Völler in Zürich noch in alter Mission für eine WM 2006 in Deutschland warb, sickerten in der Heimat pikante Details über den Krisengipfel mit dem DFB, Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München durch. Beim Treffen am Sonntag in Köln kam es offenbar zur Konfrontation mit den DFB-Gesandten. Daum: "Ich habe eine Doppel-Lösung rigoros ausgeschlossen und gesagt: Entweder ihr lasst mich meinen Vertrag bei Bayer zu 100 Prozent erfüllen oder ich verzichte auf den Bundestrainerposten ab 2001."

Mit massiver Kritik reagierte Bayer-Profi Ulf Kirsten auf das neue Nationalmannschaftskonzept. Da sein Klub mit Völler und Daum künftig zwei wichtige Entscheidungsträger an den DFB abtritt, sieht er Bayer 04 als den Verlierer des Krisengipfels. "Es gibt zwei Gewinner, den DFB und Bayern. Denn die lachen sich kaputt, weil wir auseinander gerissen werden. Die Bayern haben nur an sich gedacht, wir an den deutschen Fußball", klagte er.

Derweil kochte das Thema Effenberg wieder hoch. "Ich bin kein Vaterlandsverräter, sondern nur ein Fußballer mit Grundsätzen. Das heißt aber nicht, dass ich mich anders orientieren kann, wenn sich die Situation grundlegend verändert hat", erklärte Effenberg die Missverständnisse aus seinen ersten Äußerungen ("Es gibt keine Rückkehr"). Eine neue Chance ist auch für Basler denkbar. "Er will nur ständig neue Grenzen ausloten. Die musst du ihm zeigen. Man muss sich um ihn kümmern", meinte Daum, der im Juni 2001 Völler ablösen wird.

Bundestorwart-Trainer Sepp Maier rechnete mit den Spielern ab, die angeblich im Trainingslager auf Mallorca Ribbeck stürzen wollten. "So was mache ich, wenn ich nüchtern bin, und nicht, wenn ich schon drei, vier Bier drin habe und eine Flasche Wein", betonte Maier, dass das "sinnlose Geschwätz" mehr eine Schnapsidee als eine Initiative war. In dem Zustand hätten die Spieler "nicht mal mehr dem Ribbeck seine Schlafzimmertür gefunden. Geschweige denn, ihn stürzen zu können".

Dabei hätte eine richtige Aktion gegen Ribbeck laut Dieter Hoeneß durchaus eine Chance sein können. "Auch kurzfristig wäre noch etwas zu retten gewesen", glaubt Hoeneß, der dem zurückgetretenen Teamchef Ribbeck einen Großteil der Schuld an der EM-Blamage zuschob. Ribbeck selbst ändert auch nach der harschen Kritik an seinem Führungsstil und seinen Fähigkeiten seine Linie nicht. "Die sollen alle weiter ihren Schutt auf mir abladen. Ich habe gesagt, ich übernehme die Verantwortung. Ohne Wenn und Aber. Ich bin ruhig, ich stecke die Prügel ein", sagte der 63-Jährige zwei Wochen nach seinem Rücktritt. "Ich könnte vieles widerlegen, was so an Thesen aufgestellt wird. Ich stehe wie ein kleiner Depp da. Aber ich weiß mehr, als manche glauben."

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