Nationalmannschaft : Torwartstreit kriegt Flügel

Michael Rosentritt erklärt, was Bundestrainer Joachim Löw hindert, sich auf René Adler als Nummer eins festzulegen.

Michael Rosentritt

In Wirklichkeit hat Joachim Löw nach dem Spiel in Moskau nichts anderes in seinen Notizblock geschrieben als Argumente dafür, warum er René Adler eben doch noch nicht zur deutschen Nummer eins für die WM ausrufen wird.

Er könnte es tun nach der Leistung des Leverkuseners im entscheidenden Spiel gegen Russland. Adler war der Garant für den dünnen Sieg. So, wie er das schon vor einem Jahr beim Heimspielsieg gewesen ist. Damals war Adler für die meisten Deutschen bereist die gefühlte Nummer eins. Doch dann griff er gegen England daneben und rutschte in der inoffiziellen Hierarchie der Anwärter hinter Enke, Neuer und Wiese zurück.

Aber auch das könnte man inzwischen pro Adler auslegen. Er hat erfahren wie es ist, wenn es mal nicht läuft. Der 24-Jährige hat diesen Reifeprozess durchlebt und bestanden. Auch wenn es ein wenig Pechs für seinen erkrankten Konkurrenten Robert Enke bedurft hatte, damit er überhaupt wieder im deutschen Tor stehen und seine Klasse zeigen durfte. Wie gesagt: Es gibt nicht viel, was Löw davon abhalten kann, sich endlich auf Adler festzulegen.

Was also hat der Bundestrainer sich als Argumente dagegen notiert? Das bleibt vorerst sein Geheimnis. Vielleicht glaubt er, dass das Land eine Torwartdiskussion braucht. Deutschland lebt damit seit 2004, seitdem Klinsmann Kahn in Frage gestellt hat. Vielleicht möchte Löw kein Spielverderber sein; vielleicht möchte er Adler sich auch noch ein wenig nervlich stählen lassen. Vielleicht ist es aber auch ganz anders und Löw weiß wirklich noch nicht, wer der beste deutsche Torwächter ist. Dafür aber gibt es seit dem Spiel in Moskau keine Argumente mehr.

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