Nationalmannschaft : Wie Arne Friedrich im Zentrum vorspielte

Herthas Kapitän Arne Friedrich kämpfte im Testspiel gegen Südafrika als Innenverteidiger um seinen WM-Platz.

 Michael Rosentritt[Leverkusen]

Nur 60 Sekunden nach der 1:0-Führung für die deutsche Fußballnationalmannschaft schraubte sich Arne Friedrich in den Leverkusener Nachthimmel, und um ein Haar hätte der Berliner Verteidiger fast ein weiteres Tor erzielt. Das Problem an dieser Aktion war nur, dass es nicht der Treffer zum 2:0 für Deutschland, sondern der Ausgleich gewesen wäre. Es war eine gute halbe Stunde gespielt in der Bayarena und Friedrich hatte im eigenen Strafraum die heimtückische Hereingabe eines Südafrikaners so ungeschickt touchiert, dass Torwart Rene Adler schon einen Weltklassefreflex benötigte, um ein Eigentor zu verhindern. Es wäre bereits das zweite von Friedrich in seinem 67. Länderspiel gewesen.

So ein Eigentor hätte kaum als Empfehlung für einen Stammplatz in der deutschen Innenverteidigung gedient. Und darum ging es so nah vor der Weltmeisterschaft im Allgemeinen und in Friedrichs Fall im Besonderen. Wenige Tage vor den wichtigen WM-Qualifikationsspielen wird ein Partner für den Bremer Per Mertesacker gesucht, der bei Bundestrainer Joachim Löw als gesetzt gilt. Für das Spiel gegen Südafrika hatte er sich für das Duo Arne Friedrich/Serdar Tasci entschieden, das so noch nie zusammengespielt hat. Der Stuttgarter hat gerade mal einen Bruchteil der Länderspiele von Friedrich absolviert. Im vorigen Herbst war er in Berlin gegen England für Friedrich eingewechselt worden.

Es war also ein Vorspielen der beiden Verteidiger, wobei der erfahrene Friedrich keinen Vorsprung besitzt. Denn gefühlte 99 Prozent seiner Länderspiele bestritt der Kapitän von Hertha BSC in der Auswahl als rechter Außenverteidiger. Lediglich bei einer Handvoll Spiele durfte er auf seiner Lieblingsposition ran. Auch in Berlin dauerte es ein Weilchen, ehe er sich auf dieser Position durchgesetzt hatte. In der Nationalmannschaft stehen seine Chancen als rechter Außenverteidiger schlechter. Dort spielt im Normalfall der Münchner Philipp Lahm.

Und so muss Arne Friedrich ein wenig zittern um seinen Platz im Nationalteam. Für Hertha liegt seine vielleicht beste Saison überhaupt hinter ihm, aber dort bildete er mit Josip Simunic ein eingespieltes Paar. Als Nationalspieler hatte er abwechselnd mal mit Manuel Friedrich, Robert Huth oder Heiko Westermann die Innenverteidigung gebildet.

Gegen Südafrika versuchte Friedrich sich auch lautstark einzubringen. Er dirigierte den mitunter zappelig wirkenden Tasci, der in der Halbzeit für Westermann in der Kabine blieb. Der Schalker hatte auch gleich einen gefährlichen Pass zu unterbinden. Dieses neue Duo wirkte reifer und stabiler.

Insgesamt trug sich das Spiel überwiegend in der gegnerischen Hälfte zu. Arne Friedrich hatte weniger Stressmomente, sein Gegenspieler Katlego Mphela bekam kaum verwertbare Zuspiele, was sicher auch daran lag, dass der Berliner in gut abschirmte. Aber im modernen Fußball wird von einem Innenverteidiger weit mehr verlangt als das Nur-Verteidigen. Vorwärtsgerichtete Akzente vermochte der Berliner nur selten zu setzen.

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