Sport : Nationalspieler a.D.

Arigbabu kommt bei Alba nur selten zum Einsatz

Benedikt Voigt

Berlin - Anhand der weißen Fahnen an der Decke der Max-Schmeling-Halle hangelt sich Stephen Arigbabu durch die Vergangenheit. Der Centerspieler sitzt nach dem Training auf der Auswechselbank und blickt nach oben. Er zeigt auf die ersten beiden von sieben Stoffbahnen: Deutscher Meister 1997 und Deutscher Meister 1998, ist darauf zu lesen. „Das waren meine ersten beiden Jahre in Berlin“, sagt Arigbabu. Seit zwei Jahren ist keine neue Fahne hinzugekommen, „aber wir werden alles tun, damit dort oben eine neue hängt“, sagt Arigbabu. Falls das gelingt, könnte sein Anteil daran nicht mehr so groß gewesen sein wie früher.

Bereits heute im Spiel gegen Bonn (18.30 Uhr, live auf Premiere) dürfte seine Spielzeit erneut gering ausfallen. Seit Alba Berlin den US-Amerikaner Sharrod Ford als dritten Centerspieler verpflichtet hat, ist seine ohnehin nicht üppige Spielzeit von durchschnittlich elfeinhalb Spielminuten in der Bundesliga weiter geschrumpft. Zwar sagt Trainer Henrik Rödl: „Man muss erst die Entwicklung von Ford abwarten.“ Doch als der neue Mann zuletzt in Trier in 16 Minuten neun Punkte erzielte, kam Arigbabu gar nicht mehr zum Einsatz. „Was soll ich tun?“, sagt er, „ich kann mich beschweren oder weiter trainieren und hoffen, dass ich eine Chance kriege.“ Er hat sich für die zweite Version entschieden.

Als Arigbabu vor dieser Saison zu Alba zurückkehren konnte, hat er nicht lange gezögert. Der Vater von zwei Kindern hatte sich gerade in Berlin eine Wohnung gekauft, nach seiner Karriere möchte er mit seiner Familie in Berlin bleiben. Doch nun macht er die Erfahrung, nicht mehr so gebraucht zu werden wie früher. „Mir war prinzipiell schon klar, dass ich bei Alba nicht 25 Minuten spielen werde“, sagt er, „aber es ist nicht einfach, das auch umzusetzen.“ Er erzielte in dieser Saison in der Bundesliga nur durchschnittlich 3,7 Punkte und fing 2,9 Rebounds. „Es ist schwierig, seinen Rhythmus zu finden, wenn man nur für drei Minuten ins Spiel kommt“, erklärt er. Als Stanojevic gegen Karlsruhe fehlte, durfte er 20 Minuten spielen – und erzielte prompt 17 Punkte. Trotzdem verstärkte sich Alba mit Ford. „Ich bin nicht beleidigt, so ist das Geschäft“, sagt Arigbabu.

In der Nationalmannschaft spielt er eine ähnliche Rolle wie bei Alba. Dort kommt er normalerweise erst nach dem NBA-Star Dirk Nowitzki oder Patrick Femerling zum Einsatz. Arigbabu glaubt, dass seine geringe Spielzeit in Berlin ihm im Nationalteam nicht schadet. „Da werden die Karten im Trainingslager ohnehin wieder neu gemischt“, sagt er, „außerdem kann sich Bundestrainer Dirk Bauermann die Situation in Berlin ganz gut vorstellen.“ Auch ist das Angebot an guten deutschen Centerspielern überschaubar, es gibt keine neuen Kandidaten fürs Nationalteam. „Und Robert Maras spielt in Spanien ungefähr genauso viel wie ich“, sagt Arigbabu. Also nicht viel.

Seine Karriere neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Nahe aber ist es nicht. „Ich möchte noch drei, vier Jahre spielen“, sagt der 34-Jährige, „sehr gerne in Deutschland, sehr gerne bei Alba.“ Nach dieser Saison läuft sein Vertrag in Berlin aus. Kann er sich vorstellen, eine ähnliche Nebenrolle bei Alba auch in der nächsten Saison zu übernehmen? „Dazu kann ich nichts sagen“, sagt Arigbabu. Eine Antwort könnte seine Verhandlungsposition nach der Saison verschlechtern. Vielmehr versucht er nun, seinen Status auf dem Spielfeld zu verbessern. Wenn er die Gelegenheit bekommt.

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