Nationalteam : Podolski ist Ballack-Kritik "scheißegal"

Nach seinem Befreiungsschlag von Bratislava mit zwei Toren stichelt Lukas Podolski gegen Kapitän Ballack, der ihm zuvor vorgeworfen hatte, zu wenig zu tun. Und Ballack gibt sich versöhnlich: "Ein guter Spieler gibt die Antwort immer auf dem Platz".

Bratislava - Nein, die vergangenen Tage seien nicht schwierig für ihn gewesen. "Ich hab' jeden Tag Spaß am Leben, den habe ich auch heute wieder gehabt." Den letzten Teil seiner Aussage nahm man Lukas Podolski nach seinen beiden Treffern im Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2008 gegen die Slowakei noch ab. Trotzdem konnte der 21-jährige Stürmer nicht verhehlen, dass seine Laune ähnlich unwirtlich war wie der Mittwochabend im wenig einladenden Stadion Telhelne Pole in Bratislava.

"Ich habe Spaß am Fußball. Was andere Leute reininterpretieren, ist mit scheißegal", giftete Podolski - angesprochen auf die jüngste Kritik von Kapitän Michael Ballack - in die zahlreichen Mikrofone der Journalisten. Und der sonst so unbekümmerte "Poldi" wurde sogar noch deutlicher. "Wenn einer ein Problem mit mir hat, dann soll er auf mich zukommen", forderte er mit Blick auf Ballack.

Ballack: "Er muss mehr arbeiten"

Der 30-jährige Kapitän hatte Podolski vor dem Länderspiel gegen die Slowaken in die Pflicht genommen und seine aktuellen Leistungen kritisiert. "Wenn er selbstkritisch ist, dann kann er mit seiner Entwicklung in den letzten Wochen nicht zufrieden sein. Er muss zeigen, dass er sich auf das Wesentliche konzentriert, muss einfach noch mehr tun", hatte Ballack angemahnt und gefordert: "Er muss daran arbeiten, dass er wieder dorthin kommt, wo er schon mal war."

Nach dem 4:1 in Bratislava durfte sich Ballack bestätigt darin fühlen, dass sich seine Ermahnung positiv auf Podolski ausgewirkt hatte. "Ein guter Spieler gibt die Antwort immer auf dem Platz", erklärte der Profi des FC Chelsea lachend. "Er hat gesagt, er macht ein Tor und er hat gleich zwei gemacht. Das braucht man nicht mehr weiter kommentieren", sagte er weiter und fügte hinzu: "Er hat die Nerven im Griff."

"Ich habe ja keinen Menschen umgebracht"

Genau das war zuletzt jedoch bezweifelt worden. Podolskis Revanchefoul im Testspiel gegen Georgien, das ihm die Rote Karte eingebracht hatte ("Das darf zwar nicht passieren, aber ich mache mir da keinen Kopf. Ich habe ja keinen Menschen umgebracht."), wurde allgemein als Frustreaktion auf seine derzeitige Situation beim FC Bayern München interpretiert.

Dort ist der Neuzugang vom 1. FC Köln noch immer nicht richtig angekommen, fristet zumeist ein Reservistendasein und soll nach dem Geschmack von Trainer Felix Magath sogar zu viel lachen, wenn er auf der Bank sitzt. Bezeichnend, dass der Torjäger kürzlich in einem Interview die mangelnde Kommunikation mit Magath bemängelte und über Heimweh nach Köln klagte.

Löw steht hinter Podolski

Die Bestätigung, dass er eines der größten deutschen Sturmtalente der vergangenen Jahre ist, musste sich Podolski einmal mehr im Trikot der Nationalmannschaft holen. Sein frühes 1:0 gab der DFB-Elf Sicherheit, der Treffer zum 4:1 (sein 22. Tor im 37. Länderspiel) beendete eine vorübergehende Schwächephase der Truppe von Bundestrainer Joachim Löw.

Der hob denn auch die Leistung seines Schützlings, dem er trotz aller Turbulenzen der vergangenen Wochen eine Art Stammplatzgarantie gegeben hatte, besonders hervor. "Es freut mich besonders, dass Lukas Podolski getroffen hat nach den vielen Schlagzeilen, nach der Roten Karte", sagte Löw und wollte die Äußerungen Ballacks zu Podolski eher als Anregung denn als Kritik verstanden wissen.

Gleichwohl musste der Bundestrainer einräumen, dass Podolski im ersten Moment wohl "etwas verärgert" auf die Schelte seines Kapitäns reagiert habe. Wie es scheint, ist der Ärger noch immer nicht verflogen. (tso/ddp)

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