Nationaltrainer im Irak : Wolfgang Sidka: "Hier ist es sehr sicher"

Am Montag hat Wolfgang Sidka einen Einjahresvertrag als irakischer Nationaltrainer unterschrieben. Sicherheitsbedenken hat er keine, Hoffnungen auf Erfolge mit seinem Team hingegen schon.

Helen Ruwald
Wolfgang Sidka sieht bei seinen Spieler sehr viel Potenzial.
Wolfgang Sidka sieht bei seinen Spieler sehr viel Potenzial.Foto: AFP

Wolfgang Sidka klingt wie ein Marketingchef, der die Standort-Vorzüge seiner Stadt preist. Beim Kurzvortrag über seine neue Heimat redet Sidka über deutsche Firmen vor Ort, über die Flugverbindungen mit Lufthansa und Air Berlin und über das 200 Quadratmeter große Appartement, das er bald beziehen wird. Er spricht von Arbil im Nordirak, wo er künftig als Trainer der irakischen Fußballnationalmannschaft leben wird. „Ich habe keine Sicherheitsbedenken“, sagt der 56-Jährige. „Nach Bagdad wäre ich nicht gegangen, aber Arbil ist sehr sicher. Es liegt in der Autonomen Region Kurdistan und nimmt eine Sonderstellung ein.“

Am Montag hat Sidka einen Einjahresvertrag unterschrieben – sollte er nicht vor Auslaufen des Kontraktes gefeuert werden, könnte er sich als der Mann rühmen, der länger im Amt war als alle anderen in den vergangenen drei Jahren. Seitdem der Irak 2007 überraschend Asienmeister wurde, hielt sich kein Trainer länger als ein paar Monate. Die Ansprüche waren hoch, die Geduld klein, Erfolge nicht vorhanden: Der Irak verpasste die WM 2010 und schied 2009 unter Trainer Bora Milutinovic in der Vorrunde des Confed-Cups aus.

Nachdem das Olympische Komitee des Landes den Fußballverband (Ifa) aufgelöst und Sicherheitskräfte der Regierung den Ifa-Hauptsitz besetzt hatten, suspendierte die Fifa den Ifa im November 2009 wegen staatlicher Einmischung. Im März 2010 hob der Weltverband die Suspendierung auf – nun soll Sidka den Erfolg zurückbringen. Einfach wird es nicht, „das Potenzial ist hoch, aber wir müssen alles wieder aufbauen“, sagt Sidka. Seit neun Monaten hat das Team kein Spiel mehr bestritten.

Nach Bernd Stange ist Sidka der zweite deutsche Trainer des Irak. Von 2000 bis 2007 trainierte er die Nationalmannschaft Bahrains sowie Vereinsteams in Katar. Im arabischen Raum „habe ich einen guten Namen“, sagt Sidka. „Ich habe mir gesagt, wenn ich bis zum Sommer in Deutschland nicht Fuß fasse, gehe ich wieder ins Ausland.“ Letzte Trainerstation des früheren Werderprofis und -coaches war der Bremer Regionalligist FC Oberneuland, den er Anfang 2009 nach nur zwei Monaten wieder verließ. „Seither habe ich mich bei internationalen Trainertagungen fortgebildet und bei vielen Klubs hospitiert“, sagt Sidka, „ich war noch zu Favres Zeiten bei Hertha, bei van Gaal in München und bei Heynckes in Leverkusen.“

Auf die Fortbildung bei den Stars der Branche folgen nun bodenständigere Aufgaben: Sidka muss mit „verbesserungswürdigen Trainingsbedingungen“ klarkommen, irakische Ligaspiele beobachten und Spieler scouten, mit denen er im September beim Westasien-Cup in Jordanien antritt. Beim Asien-Cup 2011 in Katar sollen dann auch viele im Ausland tätige Profis dabei sein. Dann wird es richtig ernst: Die Irakis träumen von der erfolgreichen Titelverteidigung.

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