Sport : „Natürlich sind wir stolz“

Christian Rose über das bekannte Gefühl, Zweiter zu werden

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Herr Rose, Sie sind den Tränen nahe, nach Ihrem Gemütszustand müssen wir wohl nicht fragen…

Sicherlich sind wir furchtbar enttäuscht. Wir hatten fest daran geglaubt, es heute möglich machen zu können, aber es sollte eben nicht sein.

Sind Sie überhaupt kein bisschen stolz auf die Silbermedaille?

Wer sagt denn das? Wer eine Silbermedaille gewinnt und nicht stolz ist, den verstehe ich nicht. Andererseits ist es nach der Europameisterschaft in Schweden im vorigen Jahr schon das zweite Mal hintereinander, dass wir ein Treppchen tiefer stehen als die anderen, und das tut schon sehr weh. Als Nächstes stehen Europameisterschafen und die Olympischen Spiele an, das sind auf jeden Fall Ziele für mich.

Sie selbst durften vor diesem großen Finale lediglich gegen die leichten Anfangsgegner wie Australien aufs Feld. Was ist das für ein Gefühl, im Finale dann spielen zu dürfen – und doch zu verlieren?

Ich fühle mich wie jeder andere Spieler, der mit dazu beigetragen hat, dieses Finale zu erreichen. Dass wir es verloren haben, tut mir sicher nicht weniger weh als den anderen.

Würden Sie zustimmen, dass die Partie heute in der Abwehr entschieden worden ist?

Auf jeden Fall, die Kroaten haben sehr aggresiv verteidigt, wir dagegen haben uns heute viel schwerer in der Defensive getan als in den vorherigen Spielen. Wir haben einfach keinen Rhythmus gefunden.

Wie sehr lag das daran, dass mit Stefan Kretzschmar und Volker Zerbe zwei wichtige Spieler gefehlt haben?

Ach, ich habe keine Ahnung, wie das Spiel mit den beiden ausgegangen wäre. Wir haben versucht, für sie mit zu kämpfen, aber wir haben halt keinen Spielfluss gefunden.

Ist Kroatien Ihrer Meinung nach ein würdiger Weltmeister?

Ich glaube schon. Die Kroaten haben heute verdient gewonnen. Sie haben auch vorher schon ein konstant starkes Turnier gespielt. Man sieht eben, dass mehr als drei oder vier Mannschaften in der Welt Handball spielen können.

Wie sieht nun Ihr heutiger Abend aus, wie geht es danach weiter?

Oh, wir werden trotz allem feiern, schließlich haben wir kein schlechtes Turnier gespielt. Es wird nur alles eine Nummer kleiner ausfallen. In den nächsten Tagen gibt es dann kaum Zeit zum Ausruhen, die Bundesliga geht bald weiter, und das Leben geht auch weiter.

Das Gespräch führte Martín E. Hiller.

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