Sport : Natürliche Offensive

Welche Idee Bremens Trainer Schaaf vom Fußball hat

Steffen Hudemann

17 Jahre lang war Thomas Schaaf Profi bei Werder Bremen, mehr als 14 Jahre davon hieß sein Trainer Otto Rehhagel. Trotzdem hat das System, das Werders Trainer spielen lässt, wenig mit Rehhagels „kontrollierter Offensive“ zu tun, jenem zuerst auf die Verteidigung des eigenen Tores bedachten Fußballstil, mit dem Rehhagel Bremen zu zwei deutschen Meisterschaften und Griechenland zum Europameistertitel führte. „Sicher hat man das eine oder andere von ihm gelernt“, sagt Schaaf, „aber man muss seinen eigenen Stil finden.“

Dass der Trainer das getan hat, bezweifelt spätestens seit der vergangenen Saison niemand mehr. Werder wurde nicht nur Meister und Pokalsieger, sondern begeisterte auch mit sehenswertem Offensivfußball. „Wenn man einen Fußballer fragt, was er möchte, wird er dir immer sagen, er will nach vorne spielen“, sagt Schaaf. „Ich versuche, diese prinzipielle Einstellung so umzusetzen, dass etwas Produktives dabei herauskommt.“ Das funktioniert: 79 Tore schoss Werder in der vergangenen Bundesliga-Saison, mehr als jede andere Mannschaft, auch in der laufenden Spielzeit liegt Werder mit 23 Treffern an der Spitze – und das, obwohl Schaaf wegen der vielen Verletzten immer wieder neue Spieler einbauen musste. Trotzdem sei Werder kein Kollektiv, das unabhängig von den Spielern funktioniere: „Jeder Spieler hat spezielle Fähigkeiten. Mein Ziel muss es sein, dass er diese dazu nutzt, um der Mannschaft Vorteile zu verschaffen.“

Werder spielt ein 4-4-2-System, wobei die vier Mittelfeldspieler in Rautenform angeordnet sind. Diese „Werder-Raute“ wird oft als Geheimnis des Bremer Erfolges betrachtet, doch für den Trainer ist es gar nicht so entscheidend, ob das Mittelfeld auf einer Linie oder als Raute antritt. „Die Spieler müssen nur eine Grundausrichtung als Anhaltspunkt haben, um ein Kombinationsspiel aufbauen zu können.“ Jeder Trainer müsse sich für ein System entscheiden, von dem er glaubt, dass es zu den Spielern passe. „Wenn das gut geht, bist du der Held, wenn nicht, der Depp.“ So gesehen, ist Fußball ganz einfach.

Thomas Schaaf, 43, ist seit mehr als 30 Jahren bei Werder Bremen. Er spielte 262- mal in der Bundesliga. Seit 1999 ist er Cheftrainer. 2004 wurde er mit Werder Meister und Pokalsieger.

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