Sport : Naziparolen im Jahn-Sportpark

Wieder fallen die Fans des BFC Dynamo negativ auf – Babelsberg sieht sich im Boykottaufruf bestärkt

Matthias Koch

Berlin - Die Befürchtungen der Babelsberger Fans bestätigten sich. Während der Partie zwischen den Fußball-Oberligisten BFC Dynamo und Babelsberg 03 wurden im BFC-Fanblock Naziparolen angestimmt. „Arbeit macht frei – Babelsberg 03“, so schallte es mehrfach von den Tribünen. Zudem besangen Dynamo-Anhänger ein Lied von einer U-Bahn, die von Babelsberg bis nach Auschwitz führen soll.

„Was da gesungen wurde, haben wir natürlich auch nach Babelsberg übermittelt“, sagt Jens Lüscher. Der Fanbeauftragte von Babelsberg 03 kommentierte am Sonnabend über ein Mobiltelefon gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Kallenbach 90 Minuten lang den 3:0-Erfolg seiner Mannschaft im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark. Rund 100 Hörer saßen im Babelsberger Kino „Thalia Arthouse“, wo auf der Leinwand Fotos von Spielszenen gezeigt wurden. Die Kinobesucher gehörten zu den Anhängern des Fußball-Oberligisten, die dem Boykottaufruf der Babelsberger Fanszene gefolgt waren. Aus ihrer Sicht ist das Umfeld des BFC Dynamo mit Nazis und Hooligans durchsetzt. In Berlin zählte die Polizei nur 25 Anhänger aus Babelsberg unter den 521 zahlenden Besuchern im Jahn-Stadion.

„Die Fans haben mit ihrer Boykottaktion ein Zeichen gesetzt“, sagte der Babelsberger Geschäftsführer Ralf Hechel. Er begrüßte das Fernbleiben der eigenen Anhänger ausdrücklich. Schließlich hätten die Anhänger in jüngster Zeit schon häufig schlechte Erfahrungen mit BFC-Fans gemacht, sagte Geschäftsführer Hechel.

Es gab aber auch viele BFC-Anhänger im Stadion, die sich von Naziparolen distanzieren wollen. Diese Fans versuchten am Sonnabend, Nazi-Gesänge und Sprechchöre mit gellenden Pfiffen oder „Dynamo, Dynamo“-Sprechchören zu übertönen. In der Pause ging der BFC-Fanbeauftragte Rainer Lüdtke sogar zum Fanblock, aus dem die Nazi-Gesänge gekommen waren. Er habe mit anderen BFC-Fans die Krakeeler zur Ruhe gemahnt, erzählte Lüdtke. „Das ist eine Gruppe von etwa 15 Teenagern gewesen.“ In der zweiten Halbzeit habe es keine weiteren Störungen mehr gegeben, sagte Lüdtke.

Nach dem Abpfiff war es im Jahn-Stadion dann auch friedlich. Dafür drohte jedoch am späten Nachmittag Randale im Potsdamer Stadtteil Babelsberg. „Rund 15 BFC-Fans sind über eine Stunde nach dem Abpfiff in Berlin im Babelsberger Thalia-Kino aufgetaucht“, bestätigte Babelsbergs Geschäftsführer Hechel. Passiert sei dann allerdings zum Glück nichts. „Denn unsere Fans waren schon auf dem Weihnachtsmarkt in der Nähe des Kinos, um die dort anwesende Mannschaft zu feiern.“

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