Nazis im Stadion : "Wir wollen euch nicht"

Die National-Elf hat klar gemacht: Nazis sind uns nicht willkommen. Damit waren die Fußballprofis deutlicher als mancher Bürger. Ein Kommentar

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Klares Statement gegen Rechts. Nach dem Spiel in Prag hörte man solche Töne auch von den Nationalkickern.
Klares Statement gegen Rechts. Nach dem Spiel in Prag hörte man solche Töne auch von den Nationalkickern.Foto: dpa

Wenn man sarkastisch an die Sache herangehen wollte, könnte man sagen, dass der Deutsche Fußball-Bund wirklich schon eine Menge gegen die Nazis getan hat. Der DFB hat zum Beispiel das „National“ aus der Nationalmannschaft gestrichen und verwendet jetzt nur noch den Begriff „Die Mannschaft“. Natürlich ist das vor allem eine Marketingmaßnahme, aber wenn man sieht, wie das Verschwinden des Nationalen die rechten Spießgesellen von der AfD erzürnt, kann man selbst für diese Sprachregelung noch eine gewisse Sympathie entwickeln.

Es ist auch sonst töricht, dem DFB mangelndes Engagement gegen Nazis und rechtes Gedankengut vorzuwerfen. Das mag in ferner Vergangenheit anders gewesen sein. Inzwischen aber steht der Verband gerade mit der Nationalmannschaft für vieles, was den Rechten zuwider ist: für Willkommenskultur, den Willen zur Integration und gegen Biodeutschtum. Ja, die ersten Reaktionen der sportlichen Führung auf die Naziparolen beim Länderspiel in Prag waren ungeschickt, sie waren vielleicht auch unglücklichen Umständen geschuldet, weil Oliver Bierhoff die „Scheiß DFB!“-Rufe lauter im Ohr geklungen haben mögen als das „Sieg Heil“. An der generellen Haltung des DFB aber besteht kein Zweifel – das belegt auch die Erklärung von Bundestrainer Joachim Löw, der am Sonntag seine ehrliche Wut über die Geschehnisse in Prag artikuliert hat.

Trotzdem sieht sich der DFB auch jetzt wieder der Forderung ausgesetzt, mehr zu tun gegen Nazis in den Kurven. Nur wie soll das gehen, ganz konkret? Wie wäre der kleine Grenzverkehr zwischen Sachsen und Tschechien zu verhindern gewesen, den die braunen Gestalten genutzt haben? Über offizielle DFB-Kanäle haben sie die Eintrittskarten nicht bekommen – im Stadion waren sie trotzdem. Das heißt nicht, dass der DFB machtlos ist. Die Reaktion der Spieler war ja eine mächtige Geste. Sie hat gezeigt: Wir wollen euch nicht. Ihr seid uns nicht willkommen. Denn das ist doch das viel größere Problem – dass die Nazis genau dieses Gefühl in einigen Regionen Deutschlands offenbar nicht mehr haben müssen.

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