NBA : Die späte Treue des LeBron James

Der bekannteste Basketballer Welt hat Miami nach zwei NBA-Titeln in vier Jahren verlassen. Die Heimkehr von LeBron James verändert Cleveland, die NBA – und sein Image.

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Homecoming. Kaum hatte Basketballstar James seinen Abschied von den Miami Heat und die Rückkehr zu den Cavaliers verkündet, feierte Cleveland mit Plakaten.
Homecoming. Kaum hatte Basketballstar James seinen Abschied von den Miami Heat und die Rückkehr zu den Cavaliers verkündet,...Foto: AFP

Der Lake Erie hat nicht gerade die schönsten Strände. Algen und Bakterien verunreinigen oft den See im US-Bundesstaat Ohio. Vielleicht verzichtete LeBron James auch deshalb darauf zu sagen, ihn ziehe es zurück ans heimische Ufer.

Vor vier Jahren hatte der bekannteste Basketballer der Welt noch großspurig in einer Live-Fernsehsendung angekündigt, dass er seine Talente an Miamis Edelstrand South Beach trage und wechselte von den Cleveland Cavaliers zu den Heat.

Seine Rückkehr ist eine noch größere Sensation, aber weitaus bescheidener vorgetragen. „Ich komme nach Hause“, schrieb James im Internet neben ein Bild, das ihn wieder im Cleveland-Trikot zeigt. Dazu veröffentlichte der 29-Jährige einen offenen, emotional-kitschigen Brief im US-Magazin „Sports Illustrated“.

Der Wechsel des besten Spielers der Liga verändert die NBA auf einen Schlag. Vizemeister Miami könnte in einem Erdrutsch seine Meistermannschaft der letzten Jahre verlieren, die Verlierertruppe aus Cleveland ist plötzlich Titelkandidat.

Die größte Verwandlung, hofft James, könnte sein eigenes Image erleben. 2010 machte ihn seine inszenierte Wechsel-Entscheidung („The Decision“) zu einem der unbeliebtesten Athleten des Landes. Nicht nur Cleveland-Fans fühlten sich verraten von ihrem Helden, der im benachbarten Akron aufwuchs und stets in Ohio spielte. Der Sport war fast das einzige, was der seit Jahrzehnten verfallenden Arbeiterstadt noch Hoffnung gab.

Nun zeigen Fotos im Internet, wie Fans ihre verbrannten Trikots wieder flicken. Cavaliers Eigentümer Dan Gilbert, der James damals einen bösen Brief nachwarf, twitterte jetzt: „Mein Achtjähriger fragte: ,Daddy, heißt das, ich kann mein LeBron-Trikot wieder tragen?` ,Ja, Sohn, das heißt es... Ja, das heißt es...’“

Der Wechsel war möglich, weil James vorzeitig aus seinem Vertrag in Miami ausgestiegen war. Angeblich forderte er von den Heat Verstärkungen der alternden Mannschaft und das maximal mögliche Gehalt, etwa 20 Millionen US-Dollar. Die halbe Liga hätte den Superstar am liebsten verpflichtet. Über die Vertragsdetails in Cleveland war zunächst nichts bekannt.

James stellte in seinem Brief gefühlige Motive in den Vordergrund. Seine Beziehung zu seiner Heimat gehe über Basketball hinaus, das realisiere er jetzt, er sei ein besserer Mensch geworden, habe immer geplant, zurückzukehren, und wolle Vorbild sein für die Jugend, Ohio nicht den Rücken zu kehren. „Aber das Wichtigste für mich ist, eine Trophäe nach Ohio zu bringen.“ Demut bleibt nicht die Stärke des Mannes, der seinen Spitznamen „Der Auserwählte“ auf dem Rücken tätowiert trägt.

Die Buchmacher in Las Vegas kürten die Cavaliers gleich zum Titelfavoriten, doch selbst James ist klar, dass Geduld gefragt ist. Cleveland hat seit 2010 viele Talente verpflichtet, aber stets die Play-offs verpasst. Selbst ein Überathlet wie James, viermal wertvollster Spieler der Liga, bringt nicht alleine den Erfolg.

Das war auch in Miami so, wo er mit Dwyane Wade und Chris Bosh ein Star- Trio bildete, das zwei Titel gewann. Bosh verlängerte trotz James’ Abgang seinen Vertrag um fünf Jahre, Wade könnte gehen. Den Heat droht der Absturz, wie Cleveland damals. In Miami wurde schon auf Graffiti James’ Gesicht schwarz übermalt. Sein Traum, ein landesweit beliebter Athlet zu sein, wird wohl einer bleiben.

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