NBA-Finale : Eine Zigarre für die Ewigkeit

Trainer Phil Jackson gewinnt mit den Los Angeles Lakers seinen zehnten NBA-Titel. Damit übertrumpft er eine amerikanische Basketball-Legende.

Benedikt Voigt
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Champions und wertvollster Spieler. Kobe Bryant mit zwei Trophäen.Foto: dpa

Berlin - Wenn sich der große Red Auerbach während des Spiels auf der Trainerbank eine Zigarre anzündete, war das Siegerpose und Provokation zugleich: Das Spiel ist gelaufen, signalisierte der legendäre Trainer der Boston Celtics damit seinen Spielern und Gegnern. Und Red Auerbach hat in seinem Leben viele Zigarren geraucht, er hat ja auch viele Spiele gewonnen: Neun Meistertitel errang er mit den Boston Celtics zwischen 1957 und 1966, damit war der vor drei Jahren verstorbene Coach erfolgreichster Trainer in der Geschichte der nordamerikanischen Profiliga NBA. War – denn seit Sonntagabend hat Phil Jackson diesen Titel inne.

„Ich werde heute eine Zigarre rauchen“, sagte Trainer Phil Jackson nach dem 99:86 seiner Los Angeles Lakers über die Orlando Magic, „im Gedenken an Red Auerbach – er war ein großartiger Kerl.“ Was der Trainer der Lakers geleistet hat, ist allerdings nicht minder bemerkenswert. Mit 4:1 Siegen gewann er mit den Lakers nicht nur das Finale der Saison 08/09, sondern er holte auch seinen insgesamt zehnten NBA-Meisterring. Das hat vor ihm kein anderer Trainer geschafft. Als Zeichen dieses Erfolges setzte Phil Jackson zur Siegerehrung in Orlando eine gelbe Baseballkappe mit der römischen Zahl X auf. Sechs Mal hatte er mit Michael Jordan und den Chicago Bulls den Titel geholt, nun siegte er zum vierten Mal mit Kobe Bryant und den Los Angeles Lakers.

Der Star der Lakers erzielte im fünften Finalspiel 30 Punkte und wurde zum besten Spieler der Finalserie gewählt. Bryant überwand auch ein Manko, das ihm bis dahin angehaftet hatte: Er könne nur an der Seite von Shaquille O’Neal Titel gewinnen, hieß es. „Dieses Gerede ist endlich vorbei“, sagte Kobe Bryant nach seiner ersten NBA-Meisterschaft ohne den schwergewichtigen Center. Vielleicht aber gibt es trotzdem einen anderen äußeren Grund für seinen vierten Titel: Trainer Phil Jackson.

Es kann nicht nur an Michael Jordan und Kobe Bryant liegen, dass Phil Jackson erfolgreichster Coach der NBA-Geschichte geworden ist. „Ich kenne kein Team, das einmal Meister geworden wäre, ohne überragende Spieler zu haben“, erklärt Orlandos Trainer Stan Van Gundy gegenüber „espn.com“. Es stimme zwar, dass Phil Jackson stets großartige Spieler im Team habe. „Aber dieser Kerl gewinnt einfach immer“, sagt Stan Van Gundy erstaunt, „man muss nur seine Statistik ansehen, es nicht zu leugnen.“

Das Erfolgsgeheimnis liegt zum einen in seinen ungewöhnlichen Motivationskünsten. Der 63 Jahre alte Coach ist Anhänger der fernöstlichen Philosophie, was ihm den Spitznamen „Zen-Meister“ eingebracht hat. Auch Rituale der Lakota-Sioux-Indianer hat er ins Training eingebracht. Zudem bildet die „Triangle Offense“, bei der drei Angriffsspieler ein Dreieck bilden, sein taktisches Markenzeichen. Vor allem aber kann er aus Einzelspielern Mannschaften formen.

So hat er Kobe Bryant frühzeitig klar gemacht, dass überragendes Talent und unbedingter Wille nicht ausreichen, um eine Mannschaft zu führen. „Keiner ist bereit, dir zu folgen“, hatte er einst Kobe Bryant erklärt. Es dauerte, bis der Star der Lakers die Lektion umgesetzt hatte. „Er hat in den darauffolgenden Jahren gelernt, wie man eine Mannschaft auf eine Art führt, dass die anderen folgen wollen“, erklärt Phil Jackson, „er ist ein Geber geworden und nicht nur einer, der etwas nimmt – und das ist großartig für ihn.“

Der Star der Lakers gibt das Kompliment zurück. Auf die Frage, was den Trainer so außergewöhnlich mache, antwortet er: „Es ist seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen.“ Tatsächlich überzeugten die Lakers in der Finalserie nicht nur mit Kobe Bryants Einzelleistungen. Sie benötigten auch Derek Fishers oder Trevor Arizas Dreipunktewürfe, um die Finalserie zu gewinnen. Und der spanische Center Pau Gasol überzeugte nicht nur mit seinen Offensivqualitäten, sondern konnte auch in der Defensive Orlandos Dwight Howard einigermaßen in Zaum halten. „Er coacht Einigkeit und Teamchemie und Zusammenhalt“, erzählte Kobe Bryant, „wenn man zusammenhält, kann man Widrigkeiten überstehen, wenn nicht, bricht man schnell auseinander und wird eine Mannschaft aus Einzelspielern.“ Es sieht so aus, als hätte Kobe Bryant Phil Jacksons Lektion verstanden.

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