Sport : Neben der Spur

Jürgen Kohler ist beim MSV Duisburg beurlaubt, Heiko Scholz soll es richten

Richard Leipold[Duisburg]

Jürgen Kohler hatte es lange vermieden, ein Bekenntnis zugunsten seines Arbeitgebers abzulegen. Oft war er gefragt worden, ob er die Fußballprofis des MSV Duisburg im Falle des Abstiegs in die Zweite Liga begleiten werde. Seine Antworten glichen einem verbalen Slalomlauf. Am Montagabend ist Kohler aus diesem Slalom-Wettbewerb ausgeschieden. Der Vorstand der Duisburger hat den Cheftrainer und dessen Assistenten Andreas Zachhuber beurlaubt – nach nicht einmal vier Monaten einer wenig fruchtbaren Zusammenarbeit. „Kohler und der MSV, Kohler und Hellmich, das hat einfach nicht gepasst“, sagte der Vorstandsvorsitzende Walter Hellmich. Dem Fußballlehrer sei es „nicht gelungen, die Mannschaft zu einer Einheit zu formen“, die im Abstiegskampf der Bundesliga bestehen könne. Mit der „ungeheuerlichen“ Forderung nach neuen Strukturen beim MSV sei Kohler zudem „völlig neben der Spur gewesen“, sagt Hellmich, der unumstrittene Herrscher im Verein. Jürgen Kohler zeigte sich angesichts des abrupten Endes seiner ersten Trainerstation im Profifußball „überrascht und auch etwas traurig. Natürlich hätte ich gerne weitergemacht, aber ich akzeptiere die Entscheidung.“

Kohlers Nachfolge tritt, vorerst bis zum Saisonende, der frühere Nationalspieler Heiko Scholz an, der bislang als zweiter Kotrainer gearbeitet hatte, dem Klub aber länger und enger verbunden ist als Andreas Zachhuber. Scholz hatte schon Kohlers Vorgänger Norbert Meier als Assistent gedient. Nach Meiers Entlassung hatte er Anfang Dezember in den Spielen gegen Bielefeld und Mainz (jeweils 1:1) die Verantwortung getragen, war dann aber nicht befördert worden.

Kohlers Wirken wird in Duisburg wohl nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben. Zur Halbzeit der Saison war er angetreten, den Klub vor dem Abstieg zu bewahren. Diesem Ziel ist er nicht näher gekommen. Im Gegenteil: Nach nur zehn Punkten aus elf Bundesligaspielen unter Kohlers Regie ist der MSV weiter denn je vom 15. Platz entfernt; der Rückstand hat sich verdreifacht. „Wir mussten handeln, da braucht man nur auf die Tabelle zu schauen“, sagt Hellmich, der dennoch voller Zuversicht bleibt. Auch das neue Trainerteam mit Scholz und seinem Assistenten Manfred Stefes habe die Vorgabe, den Klassenerhalt zu sichern. „Das sind erfahrene Leute. Wir sind jetzt gut aufgestellt“, behauptet der moderne Patriarch.

Hätte der Schiedsrichter jüngst in Wolfsburg ein bisschen früher abgepfiffen, wäre Jürgen Kohler vielleicht noch Trainer des MSV Duisburg. Doch der Gegentreffer zum 1:1 in der zweiten Minute der Nachspielzeit beschleunigte eine Trennung, bei der nur noch der Zeitpunkt fraglich war. Hellmich behauptet sogar, die Beurlaubung unabhängig vom Ausgang des Wolfsburg-Spiels beabsichtigt zu haben. Der fehlende Wille Kohlers, dem MSV die Treue zu schwören, habe sich „verheerend ausgewirkt“. Wenn ein Trainer sich in solcher Lage nicht zum Verein bekenne, sei das „tödlich“.

Kohler, der als Spieler 1990 Weltmeister geworden war, hatte zu wenig erreicht, um das fragile Duisburger Mannschaftsgefüge zu stärken. Als Zeugen für diesen so richtigen wie niederschmetternden Befund benannte Hellmich Torwart Georg Koch. Der Kapitän habe schon länger darauf hingewiesen, „dass einiges nicht in Ordnung ist“. Für diesen Hinweis hatte der Überbringer der schlechten Nachricht, hochoffiziell, eine arbeitsrechtliche Abmahnung und eine Vertragsstrafe erhalten – weil er die Spielregeln der Öffentlichkeitsarbeit nicht eingehalten habe. Inhaltlich sei Kochs Kritik berechtigt gewesen, sagt Hellmich.

Koch gehört zu Hellmichs Vertrauten. „Er ist mein Kumpel“, sagt der Chef. Kohler indes ist nicht mehr sein Kumpel, sondern bekommt nur noch die üblichen guten Wünsche mit auf den Weg: „Er steht doch erst am Anfang seiner Trainerkarriere.“

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