Sport : Neben der Spur

Ralf Schumacher fährt hinterher – doch das liegt vor allem an seinem Toyota

Karin Sturm

Zu beneiden ist er im Moment wirklich nicht. Auf der Strecke läuft nicht viel, die technischen Probleme bei Toyota werden immer größer und unverständlicher und nebenbei muss sich Ralf Schumacher mit immer neuen Gerüchten um sich und seine Zukunft in der Formel 1 auseinandersetzen. Er habe bei Toyota keine Zukunft mehr, kein anderes Team wolle ihn haben, er solle angeblich vielleicht schon nach den beiden Nordamerikarennen durch den Testpiloten Franck Montagny ersetzt werden, er verlange für eine Vertragsverlängerung bei Toyota 30 Millionen Dollar – nichts war zu albern oder zu abwegig, um nicht als Schlagzeile herhalten zu können. Da kann man dann schon mal ein bisschen sauer werden; gerade, wenn man Ralf Schumacher heißt und noch nie ein Blatt vor den Mund genommen hat, selbst wenn das manchmal vielleicht taktisch klüger gewesen wäre. „Man sollte mehr auf die Fakten als auf die erfundenen Storys achten“, schimpfte er jetzt in Montreal. „In solchen Zeiten ist es immer so, dass manche Leute eben Schlagzeilen haben wollen und ihre Quoten rauftreiben wollen, und da bin ich halt gerade das richtige Opfer. Aber mein Gott, wen interessiert das?“

Der Verlauf des Wochenendes rund um den Großen Preis von Kanada (heute, 19 Uhr/live bei RTL und Premiere) passt zur bisherigen Saison. Schumacher wird nur vom 18. Startplatz aus ins Rennen gehen, weil ihm in der Qualifikation langsamere Autos in die Quere kamen. Dabei sah es im ersten freien Training noch recht vielversprechend aus. Doch dann durfte Schumacher im zweiten Training aus Sicherheitsgründen kaum noch fahren, weil beim Teamkollegen Jarno Trulli aus heiterem Himmel zweimal die Radaufhängung brach. Für das Team mit dem wahrscheinlich größten Budget in der Formel 1 war dies mehr als peinlich, zumal sich die Verantwortlichen erst nach längeren Beratungen dazu entschlossen, ihre Piloten unter diesen Umständen überhaupt am Rennen teilnehmen zu lassen. Versehen mit dem Hinweis allerdings, die Aufhängungen nicht durch das Überqueren der hohen Randsteine zu belasten. Das zeigt auch, dass das Schumacher-Problem in Wahrheit vor allem ein Toyota-Problem ist.

Seit dem Rausschmiss von Technik-Guru Mike Gascoyne im Frühjahr 2006 geht es bei Toyota eher rückwärts als nach vorn. Offenbar fehlt es an einer Führungspersönlichkeit, die es schafft, das Technikteam auf Linie zu bringen. Teammitglieder äußern sich jedenfalls hinter vorgehaltener Hand dahingehend.

Ralf Schumacher selbst betont dabei seine Loyalität. „Wir stehen immer zueinander, das war in den zweieinhalb Jahren, in denen ich jetzt bei Toyota bin, immer der Fall“, sagt der 32-Jährige. „Es gab Zeiten, da war es etwas schwerer für das Team, es gab Zeiten, da war es etwas schwerer für mich.“ Von dem Ziel, dieses Jahr ein Rennen zu gewinnen, „sind wir weit entfernt, das ist uns bewusst. Wir tun aber alles Mögliche, das rumzudrehen. Das Team ist extrem motiviert.“ Dabei werden ihm selbst unter anderem von seinem früheren Manager Willi Weber mehr oder weniger direkt Motivationsprobleme unterstellt. Doch den Eindruck macht er tatsächlich nicht. Denn Ralf Schumacher kämpft.

Am meisten kämpft der Deutsche mit einem Toyota, der nicht zu seinem Fahrstil passt und der grundsätzlich eine ziemliche Gurke zu sein scheint. Mit etwas Glück hätte er trotzdem vor allem im Qualifying bessere Resultate erreichen können. Seine Rennleistungen zuletzt in Barcelona und Monaco waren in Ordnung, eigentlich besser als die seines Teamkollegen Jarno Trulli, der ihm so gerne von seinen Kritikern als leuchtendes Beispiel vorgehalten wird. Der Italiener ist aber nur im Qualifying schneller, und es ist allgemein bekannt, dass Trulli einer der besten Qualifyer in der Formel 1 ist. In den Grand Prix war und ist Schumacher oft gleichzeitig schneller und konstanter. Dies wird auch bei Toyota wahrgenommen, genauso wie seine Qualitäten als Entwickler.

So scheint es gar nicht so unglaubwürdig, wenn Schumacher immer wieder betont: „Ich werde auch nächstes Jahr in der Formel 1 fahren – da muss sich niemand Sorgen machen.“ Die Sicherheit, mit der er über seine Zukunft spricht, legt zwei Vermutungen nahe: Zunächst die, dass man ihm bei den Japanern intern schon zu verstehen gegeben hat, dass man gerne mit ihm weiterarbeiten möchte. In diesem Fall müsste Schumacher aber wohl seine Gehaltsvorstellungen korrigieren. Japanische Toyota-Insider halten das für gut möglich, denn Schumacher und seine Arbeit würden von seinen Chefs durchaus geschätzt, berichten sie immer wieder. „Wir müssen zugeben: Es scheitert an unserem Auto – nicht an Ralf“, sagt auch Toyota-Präsident John Howett. „Er ist ein Teamplayer, der immer tut, was wir von ihm verlangen, der sich im Team wohl fühlt und uns nie öffentlich kritisiert, sich aber bei Fehlern als Erster beim Team entschuldigt.“

Sollte sich Toyota dennoch gegen ihn entscheiden, gäbe es noch eine zweite Möglichkeit: Ralf Schumacher hat als Wahl-Salzburger sehr gute Beziehungen zum österreichischen Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Und dem gehören immerhin gleich zwei Formel-1-Teams.

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