NEBEN Schauplatz : Das ehrenwerte Haus

Frank Bachner

Er muss dann natürlich einen Experten ranlassen, allein bekommt Marco Eichner das nicht hin. So ein EM-Pokal, vor allem wenn er 3,5 Meter hoch und zwei breit wird, ist ja ein Kunststück. Aber ein Maler steht schon bereit, er wird den Pokal auf eine Wand von Eichners Haus zaubern. „Der Volz Markus macht das dann“, sagt Eichner. Nach dem Finale natürlich erst, wenn Deutschland Europameister geworden ist. Nur dann. Aber dann wird in Steinen-Höllstein, in dem Nest in der Nähe von Lörrach, Eichners Haus noch spektakulärer aussehen. Schwarz -rot-gold ist es jetzt schon angemalt. Einmalig in Deutschland.

Vor zwei Jahren hat Eichner, der 29-jährige Schreiner, noch selber gemalt, zusammen mit drei Kumpels. Es war der Samstag vor WM-Beginn, es war eine Aktion aus einer Bierlaune. Eichner hatte mit Bekannten vor dem Fernseher gesessen, es gab Bier und im Fernsehen ein WM-Testspiel. Der Schreiner hatte kurz zuvor ein Haus gekauft und innen renoviert, nur für die Fassade hatte noch das Kleingeld gefehlt. „Die Vorderwand des Hauses male ich schwarz-rot-gold“, sagte er plötzlich. Die Kumpels lachten, ein Deal kam zustande: Jeder von ihnen zahlt ein Fass Bier, wenn Eichner wirklich pinselt.

Und weil sowieso Sommer war und in Steinen-Höllstein sonst nicht viel los ist, machte Eichner gleich eine große Open-air-Party aus der Aktion. „Wir haben ein bisschen Werbung gemacht“, sagt er. Der wichtigste Punkt war dann auch erfüllt. „Das Bier wurde vorab geliefert.“ Dann malte Eichner mit drei Kumpels auf einer Hebebühne, die einer bereitgestellt hatte. Und hinter ihnen kümmerten sich 100 Leute ums Bier und um motivierende Kommentare. Als Eichner und seine Helfer nach vier Stunden abstiegen, war noch genügend Alkohol vorhanden; die Party endete erst morgens um fünf Uhr.

Und Eichner war zu stolz auf sein Werk, um sich von sportlichen Tiefschlägen leiten zu lassen. „Wenn Deutschland früh ausgeschieden wäre“, sagt er, „wäre der Anstrich trotzdem geblieben.“ Aber Deutschland scheiterte ja sowieso erst im Halbfinale an Italien. Jetzt denkt Eichner erheblich pragmatischer. Ein Vorrunden-Aus der Deutschen – dann wäre es um den Anstrich geschehen gewesen. „Dann hätte ich die Fassade im Herbst übermalt“, sagt Eichner. Bordeaux-rot, Einheitsfarbe. Aber jetzt? Jetzt steht der Volz Markus bereit.

Vielleicht käme dann auch mal Jogi Löw vorbei, der Bundestrainer. Der ist in Schönau aufgewachsen, 25 Kilometer von Steinen-Höllstein entfernt. Sein Bruder hat dort heute noch eine Kneipe, der Bundestrainer ist oft dort. Ob der schon mal die schwarz-rot-goldene Fassade bewundert hat, das weiß Eichner nicht, gesehen hat er ihn jedenfalls noch nicht vor seinem Haus.

Italiener hat er gesehen, viele Italiener, damals, 2006, als die Deutschen im Halbfinale rausgeflogen sind. Es gibt viele Italiener in der Gegend, und nach dem Spiel gruppierten sie sich vor Eichners Haus. „Provozierend“, fand das der Hausherr. Aber so richtig provozierend war es dann doch nicht. Sie machten ja nichts, die Gäste, sie standen nur da, und wenn sie feierten, dann leise, Eichner jedenfalls hat nichts gehört. Nur dass sie bis fünf Uhr blieben, das hat er gesehen.

Vielleicht gibt’s ja auch Portugiesen in der Gegend um Steinen-Höllstein. Aber die waren dann Donnerstagabend wohl alle in Schockstarre. „In der Nacht“, sagt Eichner, „war’s ruhig.“ Und wenn nicht, hätte es ihn auch nicht gestört. Denn „während des Portugal-Spiels“, sagt Marco Eichner, und jetzt wird seine Stimme fast ein wenig schwülstig, „habe ich mich schwer in Isabell verliebt“.Frank Bachner

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