NEBEN Schauplatz : Krankls Bühne Paris: Nadal düpiert Federer

Tim Jürgens

Die Laune der Tresenfliegen war zuletzt nicht gut. Dabei wurde Rapid in diesem Jahr mal wieder Meister. Barbara Jager, 32, merkt das. An der Theke des „Goleador“, der mondänen Bar genau gegenüber des Gerhard-Hanappi-Stadions, stellt sie Spielern wie Fans des legendären Arbeitervereins die Drinks hin. „Scheiß EM, haben die meisten gesagt, denn hier bei uns zählt eben nur Rapid.“ Zur EM hat die Uefa das traditionsreiche Stadion aber zur Ausweichfanzone erklärt und drei Großbildleinwände aufgestellt. „Die Anrainer haben sich beschwert. Das ganze Jahr müssen sie jedes zweite Wochenende die Rapid-Fans aushalten, und jetzt kommen auch noch die EM-Fans“, sagt Barbara Jager, „ich würd’ hier auch nicht wohnen wollen.“

Benannt ist die Kneipe nach Rapid-Legende Hans Krankl. Der Stürmer, der einst in Córdoba Deutschland fast allein besiegte und später beim FC Barcelona wegen seiner Torgefährlichkeit den Spitznamen „Goleador“ erhielt, kommt einmal im Jahr hierher. Jager sagt: „In der Adventszeit singt er mit seiner Band – Montybeton – hier für uns Weihnachtslieder. Alles von Schlager bis Rock.

Trotz der ersten österreichischen Niederlage ist nun aber auch in Wien-Hütteldorf das EM-Fieber ausgebrochen. Barbara Jager freut sich fast ein bisschen, dass so viele Leute kommen. Was soll sie auch machen, in ihrer Sportsbar hängen ein Dutzend Bildschirme, auf denen alle EM-Spiele gezeigt werden. Und, wer weiß, vielleicht spült die Ausweichfanzone doch mehr Kundschaft als ursprünglich angenommen in den Laden. Barbara Jager lacht: „Ich will mir ja nach der EM ein neues Auto kaufen.“Tim Jürgens

Paris - Als sich der Vorhandball mehrere Zentimeter hinter der Grundlinie senkte und Rafael Nadal glücklich die Arme empor riss, war Roger Federer endlich erlöst. Nichts hatte der Schweizer so sehr gewollt, wie den Titel bei den French Open zu gewinnen, den einzigen, der ihm in seiner Grand-Slam-Sammlung noch fehlte. Doch Nadal zerstörte diesen Traum, mehr noch, er erteilte dem Weltranglistenersten mit 6:1, 6:3 und 6:0 eine der bittersten Lehrstunden seiner Karriere.

Nadal schien es selbst im ersten Moment ein wenig unangenehm zu sein, wie gnadenlos er den Dominator der Tennisszene phasenweise vorgeführt hatte und suchte nach tröstenden Worten für Federer: „Tut mir leid, aber ich habe nur meinen Job gemacht.“ Der Spanier egalisierte mit seinem vierten Sieg in Folge in Roland Garros den Rekord von Borg – und verlor im gesamten Turnier keinen einzigen Satz.

Auch gegen Federer diktierte der 22- Jährige das Geschehen mit wuchtigen Passierschlägen und unglaublichem Winkelspiel. „Es lief alles optimal, das war ein perfektes Match von mir“, sagte der Spanier, während Federer „eine sehr bittere Niederlage“ eingestehen musste: „Ich werde trotzdem nächstes Jahr wiederkommen, um es erneut versuchen.“ Das Problem ist nur: Rafael Nadal wird wahrscheinlich auch wieder da sein. Petra Philippsen

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