Sport : Nerven versagen

Hockeyspieler verlieren im Finale nach Siebenmeterschießen

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Von Stefan Hermanns

Köln. Der Kapitän brauchte keinen Trost. Als Björn Emmerling ihm die Hand entgegenstreckte, schlug Florian Kunz sie wütend zur Seite. Nur allein wollte er sein, als um ihn herum die Holländer den Gewinn der Champions Trophy feierten. 3:2 hatten sie die deutsche Hockey-Nationalmannschaft im Siebenmeterschießen besiegt. Und Kunz fühlte sich schuldig, weil er seinen Siebenmeter verschossen hatte. Dabei waren auch Witthaus und Crone am holländischen Torhüter Vogels gescheitert. „Da ist es nicht gar so schlimm, dass du denkst, du hast jetzt das Turnier verloren“, sagte Florian Kunz.

Doch der deutsche Libero war auch deshalb wütend auf sich, weil er eigentlich einer der sichersten Siebenmeterschützen ist. Bis zur Champions Trophy in Köln hatte er in Länderspielen noch nie einen Strafstoß vergeben. Der Fehlschuss im Finale aber war bereits der zweite im Laufe des Turniers. Trotzdem war Bundestrainer Bernhard Peters nicht wütend auf seinen Kapitän: „Wieso auch“, fragte er, „wenn einer mit einer Platzwunde noch ein Riesenspiel macht?“ Kurz vor Ende der regulären Spielzeit war Kunz an der Augenbraue genäht worden.

Ein Riesenspiel hatte die ganze Mannschaft gemacht, und wenn sie etwas cleverer gewesen wäre, hätte es überhaupt kein Siebenmeterschießen geben müssen. Hockey ist ein Sport, der mit Schlägern gespielt wird – und mit dem Kopf. Als das Team am Freitag 2:5 gegen den späteren Finalgegner verlor, war den Spielern deutlich anzumerken, dass sie das Endspiel bereits erreicht hatten und daher nicht mit letzter Konzentration zu Werke gingen. Gestern hingegen spielte von der ersten Minute an der unbedingte Siegeswille in ihrer Mannschaft mit. „Ich habe nicht ein einziges Mal das Gefühl gehabt, dass einer unkonzentriert ist“, sagte Kapitän Kunz. Die Deutschen zeigten ihre beste Turnierleistung.

Allerdings versäumten es die Deutschen vor 7200 Zuschauern, die nötigen Tore zum Sieg zu schießen. Chancen hatten sie genug, vor allem in der ersten Hälfte. Doch das einzige Tor, das fiel, wurde nicht gegeben. Vier Minuten vor Ende der Verlängerung lenkte Björn Michel den Ball zum vermeintlichen Golden Goal ins holländische Tor. Der Schiedsrichter aber hatte einen Holländer am Ball gesehen; sodass es nur eine lange Ecke gab. „Es war ein korrektes Tor“, sagte Bundestrainer Peters. Das habe ihm später auch der Schiedsrichter bestätigt.

Trotz allem, so sagte Peters, sei Holland über die gesamte Turnierwoche gesehen der richtige Gewinner dieser Champions Trophy gewesen. Für ihn aber war es „eine Befriedigung, wie stark die Jungs heute gespielt haben. Deswegen kann man sich nur bedingt beschweren.“ Florian Kunz machte eine halbe Stunde nach Spielende auch schon wieder einen entspannteren Eindruck. Doch das täuschte: „Wenn ich jetzt lache, ist das eigentlich gespielt.“

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