Sport : Nervöser als sonst

Kölns Pesic trifft heute auf sein altes Team Alba

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Marko Pesic spielt wieder bei Alba Berlin. Zumindest könnte man diesen Eindruck beim Besuch seiner Internetseite gewinnen. Auf der Startseite der ansonsten aktuellen Homepage ist der Basketballer Pesic im Alba-Trikot zu sehen. „Das wusste ich gar nicht“, sagt der 28-Jährige. „Das muss auf jeden Fall geändert werden.“ Pesic spielt seit Anfang dieser Saison nämlich beim Bundesligisten Rhein Energie Köln. Acht Jahre hatte er zuvor in Berlin gespielt. Im vergangenen Sommer, nach einer schwachen Saison bei Alba, verließ Pesic Berlin im Unfrieden. „Einige Personen bei Alba haben sich einiges geleistet“, sagte er demTagesspiegel damals. Heute will sich Pesic „mit Gedanken daran nicht mehr belasten“.

Er ist längst in Köln angekommen, seine Formschwäche der letzten Saison hat er überwunden. Für das heutige Bundesligaspiel in der Kölnarena gegen Alba Berlin (19 Uhr, live auf Premiere), haben er und seine Mannschaft sich viel vorgenommen: „Wir sind extrem motiviert. Das merkt man schon im Training: Alle sind angespannter, nervöser als sonst.“

Pesic will seine Mitspieler vor dem Spitzenspiel (Alba ist Tabellenerster, Köln ist Dritter) beruhigen, er sieht sich in der Rolle eines Führungsspielers. Die Struktur seines zu Hause in der Bundesliga bislang ungeschlagenen Teams beschreibt er so: „Wir haben drei erfahrene Spieler, die führen können, und viele junge Spieler, die heiß auf den Erfolg sind.“

Pesic kennt die Rolle eines jungen Spielers in einer Bundesligamannschaft: Bereits mit 16 debütierte er bei Brandt Hagen in der Ersten Liga. Die erfahrenen Spieler neben ihm seien der 33-jährige Bill Edwards und der 35-jährige Sasa Obradovic, der in seiner Karriere auch schon drei Jahre in Berlin gespielt hat. „Wir versuchen auf und neben dem Feld den Teamgeist zu fördern“, sagt Pesic. „Wir organisieren öfter mal ein Abendessen oder ein Go-Kart-Rennen.“

Kölns Sportdirektor Stephan Baeck sieht Pesics Rolle ähnlich: „Er ist ein emotionaler Leader, seine Leistung ist nicht nur an statistischen Werten zu messen. Marko ist in den entscheidenden Phasen besonders stark.“ Das ist in Köln derzeit noch wichtiger als sonst, da die Mannschaft, genau wie Alba, Verletzungssorgen hat. Bei Alba fehlen Stefano Garris, Mithat Demirel und Justin Brown weiterhin. Bei Köln fallen die Leistungsträger Jörg Lütcke und Zoran Kukic länger aus. Ob Center Elvir Ovcina (Grippeerkrankung) wieder spielen kann, ist fraglich.

Am Samstag verloren die Kölner überraschend bei den Walter Tigers Tübingen, eine Mannschaft aus dem unteren Mittelfeld der Tabelle. Das Fehlen Ovcinas machte sich dabei stark bemerkbar: Köln holte nur 28 Rebounds, Tübingen 45. „Unser Spiel hängt nicht von einem Spieler ab“, widerspricht Baeck. Albas Teammanager Henning Harnisch findet aber schon, „dass viel davon abhängt, ob Ovcina spielen kann, weil er gegen Jovo Stanojevic spielen würde und der zur Zeit richtig gut in Form ist.“ Stanojevic ist der Center der Berliner, mit durchschnittlich 17 Punkten ist er Albas bester Werfer.

In diesem Punkt sind sich Baeck, der fünf Jahre bei Alba spielte, und Harnisch nicht ganz einig, ansonsten verstehen sie sich sehr gut: „Wir kennen uns seit knapp 20 Jahren und stehen regelmäßig in Kontakt“, sagt Harnisch. Ob vor so einem Spiel gescherzt würde? „Nein“, sagt Baeck. „Witze macht nur der Gewinner – nach dem Spiel.“

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