Neu-Eisbär Mark Katic : Kleiner Verteidiger groß im Angriff

Neuzugang Mark Katic hat bei den Eisbären viel vor. Dabei spielte der 23-jährige Kanadier schon in der NHL und war sogar Weltmeister.

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Toreschießen macht Spaß. Schon wieder hat Mark Katic getroffen, hier beim 3:0 der Eisbären gegen Kärpät Oulu. Foto: City-Press
Toreschießen macht Spaß. Schon wieder hat Mark Katic getroffen, hier beim 3:0 der Eisbären gegen Kärpät Oulu.Foto: City-Press

Drei Tore, sechs Vorlagen – die Bilanz von Mark Katic nach sieben Spielen für die Eisbären in der European Trophy liest sich wie die eines Angreifers. Doch der 23-jährige Kanadier, der im Sommer von den Bridgeport Sound Tigers aus der American Hockey-League zum Deutschen Eishockeymeister wechselte, ist seit seiner Kindheit Abwehrspieler.

Mark Katic ist kein gewöhnlicher Abwehrspieler. Mit gerade einmal 82 Kilogramm Körpergewicht bei einer Größe von 1,80 Metern ist er für einen Verteidiger beinahe schmächtig. Doch was ihm an Körpermasse fehlt, macht er durch andere Qualitäten wett. Er ist ein exzellenter Schlittschuhläufer, beweglich und technisch überaus beschlagen. Eigenschaften, die er sehr gut in der Offensive ausspielen kann, die ihm aber auch bei der Abwehrarbeit helfen. Da versucht er, flinker und reaktionsschneller zu sein als die oft bulligen Gegner. Solche ungleichen Duelle sind für ihn ein besonderer Anreiz: „Wenn man weiß, dass der andere 20 Kilo mehr wiegt, ist es besonders schön, in einen Zweikampf zu gehen und mit dem Puck wieder herauszukommen“, sagt Katic.

In Nordamerika wurden seine Talente früh geschätzt: Mit der kanadischen Auswahl gewann er die U-18-Weltmeisterschaft, und auch in die National Hockey League (NHL) hat er es geschafft: In der vorvergangenen Saison stand er zehn Mal für die New York Islanders auf dem Eis. Dass er vergangene Spielzeit nur noch 14 Einsätze beim New Yorker Farmteam aus Bridgeport bekam, lag an zwei schweren Schulterverletzungen. Die Schulter macht ihm jetzt keine Probleme mehr: „Ich habe im Sommer viel trainiert und hatte da schon ein gutes Gefühl. Aber als ich im ersten European-Trophy-Spiel gegen Pilsen nach dem ersten harten Check merkte, dass alles gehalten hat, war ich endgültig frei im Kopf.“

Spätestens da war er bei den Eisbären angekommen. Die hatten einen Spieler wie ihn gesucht, einen Abwehrspieler, der angreifen kann. Und Katic bekam schnell das Gefühl, dass er gut in die Mannschaft passen würde: „Manager Peter John Lee erzählte mir, dass der Trainer einen aggressiven Stil spielen lässt und Verteidiger mag, die bei jedem Angriff mitgehen. Das ist genau meine Spielweise.“ Außerdem reizte ihn das europäische Eishockey sowieso: „Es kommt meinem Stil entgegen: Hier wird mehr kombiniert als in Nordamerika, das Läuferische hat eine größere Bedeutung.“ Anfangs bereitete ihm die Anpassung an die größeren Eisflächen und die ungewohnte Spielweise aber doch Probleme – in den ersten Partien für die Eisbären wirkte er mitunter desorientiert. „Es war eine große Umstellung, als Verteidiger in Europa zu spielen. Aber mittlerweile habe ich das im Griff“, sagt Katic. Wie sehr er sich unter ernst zu nehmenden Wettbewerbsbedingungen im Griff hat, kann er ab Freitag beweisen. Dann empfangen die Berliner zum Auftakt in der Saison der Deutschen Eishockey-Liga die Straubing Tigers und dann wird es auf dem Eis härter zur Sache gehen als in der European Trophy.

Mark Katic bereitet sich akribisch auf die Saison vor, er arbeitet weiter an sich. Beim Training sieht man ihn oft im Gespräch mit Trainer Don Jackson. „Ich stelle ihm viele Fragen und er gibt mir gute Tipps, wie ich mein Defensivspiel weiter verbessern kann“, sagt Katic. Diesen Willen, Schwächen abzustellen, schätzt Jackson an ihm. Und dem Angriffsspiel seines Zugangs zollt er schon jetzt großes Lob: Er habe bereits gezeigt, dass er in der Offensive „eine Bereicherung für die Mannschaft“ sei. In der fühlt Katic sich so wohl, dass er vorerst keinen Gedanken an eine Rückkehr nach Nordamerika verschwendet. „Es gibt mehr im Leben als die NHL“, sagt er. Dass er dort gespielt habe, könne ihm keiner mehr nehmen. „Das kann ich später meinen Kindern und Enkeln erzählen.“ Aber unbedingt zurück müsse er nicht: „Sollte ich die nächsten 15 Jahre in Berlin bleiben und gut spielen, wäre ich mit meiner Karriere sehr zufrieden.“

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