Sport : Neu im Laden

Stefan Hermanns

über Klinsmanns Anstellung beim DFB Es ist doch immer wieder erstaunlich, auf welche Weise man beim Deutschen Fußball-Bund in verantwortungsvolle Positionen gelangt. Gerhard Mayer-Vorfelder wurde einst DFB-Präsident, weil niemand sonst sich um dieses Amt bemühte. Rudi Völler stieg zum Teamchef auf, weil er zufällig an einer Sitzung der DFB-Oberen teilnahm – und blieb es, weil Christoph Daum die Analysemethoden der Gerichtsmedizin unterschätzte. Jürgen Klinsmann nun könnte Völlers Nachfolger werden, weil er sich gerade erst als entschiedener Kritiker der Zustände im DFB zu erkennen gegeben hat. „Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen“, hat er in der vorigen Woche über seinen künftigen Arbeitgeber gesagt.

Solche Aussagen deuten zumindest darauf hin, dass Klinsmann eine Idee hat und die Ansätze eines Konzepts, wie der kriselnde deutsche Fußball gerettet werden kann. Die hatte Völler vor vier Jahren nicht. Und doch erinnert die Lösung stark an den Sommer 2000 – ganz egal, ob Klinsmann nun Teammanager oder Teamchef der Nationalmannschaft wird. Völler, der frühere Weltmeister, sollte mit seiner Popularität von den tieferen Problemen im deutschen Fußball und im DFB ablenken. Auch Klinsmann verdankt seinen neuen Job vor allem seiner Beliebtheit.

Wie Völler wäre Klinsmann ein Berufseinsteiger ohne Trainererfahrung. Das ist eine seltsame Entwicklung in einem Amt, das früher als Erfüllung eines Trainerlebens galt. Der Reiz aber ist längst verschwunden. Gestandene Trainer haben dem DFB abgesagt, einen Ausländer hielt der Verband wohl nicht für durchsetzbar. Dabei könnte der deutsche Fußball Impulse von außen durchaus brauchen. Immerhin hat Jürgen Klinsmann zuletzt in Los Angeles gelebt.

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