Sport : Neu in der Familie

Der Brite Lewis Hamilton ist der erste schwarze Fahrer in der Formel 1

Karin Sturm

Berlin - Entschlossenheit hat er schon als Kind bewiesen. Mit zehn Jahren sprach Lewis Hamilton bei einem Go- Kart-Rennen Ron Dennis an und fragte den McLaren-Teamchef: „Kann ich eines Tages für Sie in der Formel 1 fahren?“ Knapp drei Jahre später rief Ron Dennis bei Vater Hamilton an, um den 13-jährigen Lewis offiziell ins McLaren-Nachwuchsprogramm aufzunehmen. Seit gestern aber hat Lewis Hamilton das Ziel erreicht, das er bereits als Zehnjähriger angestrebt hat: Er wird 2007 neben Weltmeister Fernando Alonso der zweite Fahrer bei McLaren-Mercedes in der Formel 1 sein. Der 21-jährige Brite ist damit der erste Schwarze, der den Sprung in die höchste Motorsportklasse geschafft hat.

Für Lewis ist seine Hautfarbe allerdings kein großes Thema: „Ich fühle mich nicht als etwas Besonderes, ich wollte einfach immer diesen Weg gehen – und ich bin ihn gegangen.“ Andere sehen in ihm ein Beispiel für gelungene Integration und Aufstiegschancen. Das will er auch nicht wegreden. „Wenn ich für andere Motivation und Ansporn sein kann, dann ist das natürlich schön“, sagt Lewis Hamilton, „aber es ist nicht unbedingt der erste Gedanke, mit dem ich angefangen habe.“

Hamilton, dessen Großvater einst in den Fünfzigerjahren von den westindischen Inseln nach England einwanderte, überzeugt nicht nur durch seine Geschwindigkeit auf den Rennkursen, sondern auch durch seine professionelle Einstellung und Arbeitsweise, die er unter anderem in der harten McLaren-Schule gelernt hat. Dass er außer durch sein Talent auch durch seine dunkle Hautfarbe zumindest für manche Sponsoren interessant ist, ist ein offenes Geheimnis.

Es liegt sicher auch an der fehlenden Tradition, dass es vor ihm noch kein anderer Schwarzer bis ganz nach oben schaffte. Der Däne Jason Watt kam vor ein paar Jahren immerhin bis in die Formel 3000, ehe ein schwerer Unfall seine Karriere beendete. „Die meisten Kinder aus Einwandererfamilien haben sich bisher eher immer mit anderen Sportarten wie Leichtathletik oder Fußball beschäftigt“, sagt Vater Hamilton. Er hat die Karriere seines Sohnes von Anfang an begleitet. „Bei uns ist eben der Motorsport Familiensache“, sagt er, „ich habe mich schon immer dafür interessiert – und unsere ganze Familie ist mit Begeisterung dabei.“ Auch Lewis’ 15 Jahre alter Bruder, der trotz einer spastischen Lähmung sehr oft mit zu den Rennen kommt.

Für McLaren-Chef Ron Dennis war die Hautfarbe von Hamilton nie ein besonderes Argument für eine Verpflichtung. „Uns haben schon früher immer wieder genau aus diesem Grund Sponsoren Deals angeboten, und wir haben immer abgelehnt“, sagt er, „das kann und darf kein Argument sein.” Dass auch das Gegenteil eintreten könnte, dass Hamilton in der „weißen“ Motorsportwelt auf Ablehnung stoßen könnte, will kaum jemand glauben. Obwohl das inoffiziell schon einmal gesagt wird. „Der wird bei uns nie ein Star“, behauptet ein japanischer Journalist.

Weltweit dagegen hat Hamilton mit Sicherheit das Potenzial zum Star. Er ist schnell, charmant, intelligent und redegewandt. Und er erfüllt eben auch einen der umstrittenen Wünsche, die Bernie Ecclestone einmal öffentlich geäußert hat. Der Formel-1-Chef sagte bereits 1990: „Was der Formel 1 fehlt, ist ein Schwarzer, eine Frau – und ein schneller Deutscher.“ Den schnellen Deutschen hat er bald darauf mit Michael Schumacher bekommen. Mit Hamilton ist nun ein weiterer Wunsch in Erfüllung gegangen – nur das mit der Frau hat bis jetzt noch nicht so richtig funktioniert.

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