Sport : Neue Bescheidenheit

Borussia Dortmund kämpft gegen das Image des Großeinkäufers

Felix Meininghaus

Dortmund. Man kann von Matthias Sammer eines nicht sagen: dass er inkonsequent ist. Das Unerwartete zu sagen und zu tun, das hat er sich zum Prinzip gemacht. Und das zieht er mit einer solchen Beharrlichkeit durch, dass es schon wieder berechenbar ist. Sammer sagt von sich gern, er „denke und handele antizyklisch“. So hat sich Borussia Dortmunds Trainer in den trostlosen Zeiten fußballerischer Armut der vergangenen Wochen lange vor seine Spieler gestellt – viel zu lange, wie Kritiker bemängelten. Doch jetzt wird er auf einmal laut.

Sammer macht Ärger, und das ausgerechnet nach dem prestigeträchtigsten Erfolg dieser Saison, dem 1:0-Sieg über den designierten Meister Bayern München. „Bis zum Ende der Saison haben wir noch viel Arbeit“, sagt Sammer. „Die Spieler müssen sich so verhalten, wie es einem Profi gebührt – vor allem in der Denkweise.“ Unmissverständliche Worte waren das, die deutlich machten, wie sehr das Auftreten des Noch-Meisters alle im Dortmunder Lager zum Nachdenken gebracht hat. Nach dem Ausscheiden aus der Champions League sei das Team ziellos gewesen, räumt Manager Michael Meier ein.

Das uninspirierte Gekicke der prominent besetzten Mannschaft hat viele auf den Plan gerufen, die nun verkünden, das Team benötige dringend eine personelle Auffrischung. Eilig wurden Namen wie die der Nationalspieler Paul Freier, Miroslav Klose oder Bernd Schneider gehandelt, auch am Finnen Mikael Forssell, der zurzeit vom FC Chelsea an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen ist, sei das Interesse lebhaft, hieß es im Umfeld des Vereins.

Derzeit sind das lediglich Gerüchte, aber Meier dementiert sie nicht. „Wir müssen nicht unbedingt Leute von außen holen“, sagt er und verweist dabei auf die florierende Nachwuchsabteilung seines Klubs. Gegen die Bayern kamen Guy Demel und Leandro de Deus Santos ins Spiel, der schnelle David Odonkor hat seine Eignung für höhere Aufgaben schon früher angedeutet. „Frische Jungs sind das“, sagt Meier, „wir arbeiten jetzt schon mit den jungen Wilden.“ Männern wie Metzelder oder Madouni sollen weitere perspektivreiche Kräfte folgen.

Solche Aussagen könnte man durchaus als Umdenken in der aggressiven Dortmunder Transferpolitik interpretieren, de facto sind sie jedoch auch eine Reaktion auf die derzeitigen wirtschaftlichen Gegebenheiten. „Wir können doch nicht sagen, dass das, was in der Welt passiert, uns nicht interessiert“, sagt Meier. „Wir können nicht weiter die Kohle auf den Markt werfen.“ Überhaupt ärgert sich der Manager über das Image des BVB, wonach der Klub ständig mit dem Scheckbuch wedele, um teure Spieler zu ködern. Seinem Verein werde ständig attestiert, er sei der große Einkäufer der Liga. „Wir waren aber auch immer große Verkäufer.“ Die neue Zurückhaltung hat marktstrategische Gründe. Meier fragt: „Warum sollen wir die ersten sein, die den Transfermarkt wiederbeleben?“

Beim Branchenführer aus München scheint es in der Chefetage ähnliche Gedanken zu geben. Von großen Investitionen ist beim FC Bayern wenig zu vernehmen. Stattdessen brachte Trainer Ottmar Hitzfeld in Dortmund die Talente Markus Feulner und Piotr Trochowski ins Spiel, mit Sebastian Schweinsteiger hielt sich ein weiterer Nachwuchsmann auf der Bank bereit.

Die Bundesliga steht vor einer wirtschaftlichen Zeitenwende. Die Tage des hektischen Kaufens und Verkaufens sind vorbei – sowohl beim amtierenden wie auch beim zukünftigen Meister.

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