Sport : Neue Besitzer und neue Hoffnung für Karlshorst

Kurz vor Saisonbeginn findet die Trabrennbahn einen Käufer

Ingo Wolff

Berlin. Das Herz von Anette Weimann hängt an der Trabrennbahn Karlshorst. Die Sportwissenschaftlerin hat in den vergangenen Jahren mit viel Liebe den wohl außergewöhnlichsten Renntag in Deutschland organisiert, die Bewegung Integrale: Behinderte treffen Nichtbehinderte, und Pferde laufen drumherum. Damit wäre jetzt Schluss gewesen, denn Trabrennen sollte es in Karlshorst nicht mehr geben – wäre es nach dem Berliner Trabrennverein (BTV) gegangen. Der Verein hatte den Betrieb vor vier Monaten eingestellt, weil die Verhandlungen über eine Pachtverlängerung mit der Treuhandnachfolge-Gesellschaft TLG gescheitert waren. Weder BTV noch TLG wollten die jährlichen Kosten von rund 150 000 Euro für Unterhalt und Pflege der Karlshorster Bahn tragen. Das vorläufige Aus kam im Dezember.

Ein neugegründeter Verein wagt nun einen echten Neuanfang. Die Bahn, auf der schon 1884 die ersten Rennen gelaufen wurden, ist gestern offiziell von der TLG an den Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V. verkauft worden. „Wir sehen Potenzial in diesem Gelände“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Anette Weimann. „Wir fänden es schade, wenn hier keine Pferde mehr laufen.“ Ihr Engagement kommt ebenso wie das der meisten Vereinsmitglieder aus der Leidenschaft zu diesem traditionsreichen Rennsport-Standort. Anette Weimann war zuvor Pressesprecherin beim BTV und kennt daher die Probleme in Karlshorst. „Aus diesen Fehlern wollen wir lernen.“ Mit der Schließung wollte sie sich ebenso nicht zufriedengeben wie ihre Mitstreiter.

Das Gelände wird nun formell geteilt. Im Nordteil sollen nach dem so genannten B-Plan der TLG der Wohnpark Carlsgarten mit rund 500 Einfamilienhäuser entstehen, und der 37 Hektar großen Südteil bleibt eine Rennbahn. Nach einer gemeinsamen Absichtserklärung im Februar ist der Verkauf nun abgeschlossen. Der neugegründete Verein ist jetzt eigenverantwortlich für den Betrieb der Anlagen ebenso wie für die Pflege der Ställe im hinteren Teil des Geländes. Das sowohl die Ställe als auch die Tribünen sanierungsbedürftig sind, weiß Anette Weimann noch aus ihrer BTV-Zeit. Und dass das viel Geld kostet auch. Zunächst hat der Verein mit kleineren Ausbesserungen begonnen. „Wir erneuern die Kompaktställe in Eigenregie.“ Für die großen Arbeiten sucht der Verein noch Unterstützung. „Für die Sanierung führen wir noch Gespräche mit Investoren.“

Doch unabhängig von den notwendigen Sanierungen wird es schnell wieder Rennen geben. „Am 6. April ist unser erster Renntag.“ Vier Monate nach dem Aus durch den BTV also. Doch bei Trabrennen soll es nicht bleiben. Gemeinsam mit ihrem Studienkollegen Derek Kröger, dem Vorstandschef des neuen Fördervereins, und Wolfram Friedersdorff, dem ehemaligen Bezirksbürgermeister in Lichtenberg, will sie den Freizeitbereich ausbauen. „Golf und Beachvolleyball wollen wir hier veranstalten“, sagt Weimann. Und es wird auch Reiten angeboten – wie beim Integrale-Renntag.

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