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Neue Doping-Vorwürfe im Radsport : Jens Voigt und Bjarne Riis schwer beschuldigt

Nach Lance Armstrong wird es auch für andere Ikonen im Radsport eng. Der frühere Fahrer Tyler Hamilton beschuldigt den Berliner Jens Voigt - und Bjarne Riis habe als Teamchef in Sachen Doping „alles gewusst“ und mitgesteuert.

Alles sauber? Jens Voigt will in 15 Jahren Radsport nie etwas von Doping mitbekommen haben.
Alles sauber? Jens Voigt will in 15 Jahren Radsport nie etwas von Doping mitbekommen haben.Foto: dapd

Ex-Radprofi Tyler Hamilton beschuldigt seinen ehemaligen deutschen Teamkollegen Jens Voigt der Doping-Lüge. Neben massiven Vorwürfen gegen den früheren gemeinsamen Teamchef Bjarne Riis hielt er Voigt am Montag in der dänischen Zeitung „B.T.“ vor, Ex-Kollegen wie ihm beim Versuch der Aufklärung von Doping in den Rücken zu fallen. „Er spuckt mir damit ins Gesicht“, klagte Hamilton. Ob er glaube, dass der Berliner selbst gedopt habe? „Absolut“, sagte der Amerikaner. Beweise für die Behauptung habe er aber nicht.

Der 41-jährige Voigt hatte mehrfach erklärt, als Fahrer im Team CSC nie etwas von Doping gesehen oder gehört zu haben. Dazu meinte Hamilton: „Glaubt er, dass ihr (Journalisten) Idioten seid? Das ist das Lächerlichste, was ich je in meinem Leben gelesen habe. (...) Man müsste mit Scheuklappen herumgelaufen sein, wenn man in einer Karriere über 15 Jahre nie etwas gehört oder gesehen haben will.“

„Sieht so aus, als würde es nie enden“, twitterte Voigt am Montag, offensichtlich als Reaktion auf das Interview Hamiltons. „Ich bin gerade vom Training nach Hause gekommen, nur um dann die jüngsten News zu erfahren, ich habe es sooo satt!!!“ Voigt betonte jüngst unter anderem in einem Blog, nie in seiner Karriere gedopt zu haben.

Auch Radsport-Teamchef Bjarne Riis wurde von Hamilton beschuldigt. „Bjarne wusste Bescheid, wenn ich gedopt wurde. Er wusste alles“, sagte Hamilton über seinen früheren dänischen Arbeitgeber in Medien-Interviews. Hamilton hatte sich ähnlich über seinen Ex-Teamkollegen und Landsmann Lance Armstrong geäußert, der jetzt lebenslang gesperrt ist.

Hamilton warf dem 48-jährigen Riis am Montag in „B.T.“ unter anderem vor, ihn mit dem spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammengebracht zu haben. Riis hatte in den vergangenen Jahren stets erklärt, er habe Fuentes nie persönlich getroffen oder anderen Kontakt gehabt. Dem hielt Hamilton (41) bei dem Werbe-Interview für sein Enthüllungsbuch „The Secret Race“ („Das heimliche Rennen“) in Kopenhagen entgegen: „Ich hatte (2003) ein Treffen mit Fuentes verabredet, und Bjarne fragte, ob er mitkommen dürfe. (...) Fuentes kam durch die Hintertür, und Bjarne hat ihn auch getroffen.“

Der Chef des dänischen Radsportverbandes (DCU), Tom Lund, sagte dazu im TV-Sender DR2: „Wenn Hamiltons Behauptung stimmt, dass Riis Fuentes kannte, hat der keinen Platz mehr im Radsport.“ Der Däne hatte nachträglich Doping als Aktiver bei seinem Tour-de-France-Sieg 1996 zugegeben, sich als Teamchef und Rennstall-Besitzer aber später als besonders eifriger Doping-Gegner profiliert. „Man kann im nationalen Fernsehen einmal lügen und nationale Vergebung bekommen, wie es bei ihm der Fall war. Aber zweimal geht das nicht“, sagte Lund.

Hamilton war 2002 und 2003 Spitzenfahrer in damaligen Riis-Team CSC. In dieser Zeit habe er alle vier Wochen zum Blutdoping bei Fuentes in Madrid reisen müssen, gab er in „B.T.“ an und sagte weiter: „Bjarne wusste von jedem dieser Besuche.“ Riis habe als Teamchef außerdem während der Tour de France die verbotene Einnahme von Cortison zur Leistungssteigerung durch alle Fahrer persönlich geplant. Er verfüge nicht über Beweise, sagte Hamilton.

Weder Riis noch das Team Saxo Bank-Tinkoff Bank wollten sich zu den Vorwürfen äußern. Von dem Amerikaner ebenfalls beschuldigte Ärzte erklärten in „Jyllands-Posten“, sie hätten Cortison ausschließlich und wie erlaubt gegen gesundheitliche Probleme verabreicht.

(dpa)

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