Sport : Neue Enthaltsamkeit

Nach dem 4:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg bleibt Werder Bremen keine Zeit zum Feiern

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Für den heutigen Freimarktsbummel empfiehlt Klaus Allofs eine gewisse Disziplin. „Die Spieler können feiern“, sagte der Manager des SV Werder Bremen, „aber nur extrem gedrosselt.“ In der vergangenen Saison hatten die Bremer Zeit, ihre Siege unter der Woche zu genießen, der enge Terminplan in dieser Saison lässt das nicht mehr zu. Obwohl Trainer Thomas Schaaf seinen Profis nach dem verdienten 4:1 gegen den 1. FC Nürnberg für heute frei gegeben hat, sollten Werders Profis bei ihrem Volksfestbesuch doch Zurückhaltung üben.

Zu strapaziös waren die Anstrengungen vergangenen Mittwoch in der Champions League beim RSC Anderlecht, zu aufwändig gestern die ansehnlich gelöste Pflichtaufgabe gegen die Franken, zu groß die Herausforderung am kommenden Mittwoch beim VfB Stuttgart. Gegen den Aufsteiger Nürnberg genügte dem Deutschen Meister gestern eine gute erste Halbzeit für den fünften Saisonsieg. Klasnic per Kopf nach Ecke des spielfreudigen Johan Micoud und der französische Spielmacher höchstselbst nach Traumkombination mit Miroslav Klose schossen die frühe 2:0 Führung heraus. Schaaf lobte seine Spieler: „Das war zielstrebig und teilweise richtig guter Fußball. Ich bin sehr zufrieden.“

Nürnbergs Abwehrspieler Sven Müller war weniger zufrieden: „Uns hat die Unbekümmertheit und der Glaube der vergangenen Auswärtsspiele gefehlt, die erste Halbzeit hatten wir gar nicht mitgespielt.“ Trainer Wolfgang Wolf kritisierte seine Spieler noch harscher: „Überhaupt keine Ordnung, kein Zweikampfverhalten: Das war hinten und vorne gar nichts.“ Was durchaus verwunderte. Denn Bremen bot angesichts der arg langen Verletztenliste „jeden auf, der laufen kann“ (Christian Schulz). Auch dabei: der erst 19-jährige U-20-Nationalspieler Francis Banecki, laut Schaaf ein „Talent mit Riesenpotenzial“. Banecki agierte solide, spielte unaufgeregt und stellte hernach dennoch fest, „dass es in der Bundesliga ziemlich schnell“ zugeht. Dass er sich an die Anforderungen im Profibereich so schnell gewöhnte, führt Mitspieler Schulz schlicht darauf zurück, „dass bei Werder von der Jugend bis zu den Amateuren alle das gleiche System verinnerlicht haben“.

Banecki wurde in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Dafür kam der lange verletzte Daniel Jensen ebenso zu seinem ersten Saisoneinsatz wie der von seiner Schambeinentzündung genesene Ümit Davala. Der Erfolg des grün-weißen Kollektivs geriet nur kurzfristig in Gefahr, als Marek Mintal einen Elfmeter zum 2:1 verwandelt hatte. Doch Schulz glückte nach einer Micoud-Ecke das 3:1. Fabian Ernst stellte schließlich den Endstand her, nachdem den Gästen zuvor nach Foul von Valerien Ismael am eingewechselten Ivica Banovic ein klarer Elfmeter verweigert worden war.

Anstatt sich später darüber zu ärgern, klärte Nürnbergs Trainer Wolf auf, warum er den ehemaligen Bremer Banovic so lange auf der Bank belassen hatte. „Er hat den Gegner in der Öffentlichkeit angegriffen. Mit seiner Aufstellung hätte ich ein Feindbild geschaffen.“ Banovic, der einst von Micoud im Training rüde gefoult wurde und wochenlang ausgefallen war, hatte vor dem Match angekündigt, „die Rechnung mit Micoud zu begleichen“. Wolf reagierte sensibel – und ungewöhnlich: „So etwas gehört sich nicht. Bei so etwas sollen künftig alle meine Spieler aufpassen. Sie stehen auf dem Platz genug unter Druck.“

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